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Naturschützer fordern Tempolimit in Stuttgart, um zerstörerische Tiere zu retten

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Von: Franziska Vystrcil

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Ein Wildschwein macht sich an einem Mülleimer zu schaffen
Das Nahrungsangebot in Stuttgart und Umgebung ist groß. Immer mehr Wildtiere zieht es daher ins Stadtgebiet. © Gregor Fischer/dpa

Marder durchwühlen Müll, Nilgänse nisten in Freibädern und Füchse jagen in Parks: Wildtiere erobern zunehmend Stuttgart. Zu ihrem Schutz fordert der BUND ein Tempolimit.

Stuttgart - Wildtiere zieht es immer mehr auch in Städte. Dort finden sie genügend Nahrung in Abfällen, Lebensmittelresten oder sie werden sogar von Menschen gefüttert. So manche Stadt ist ein wahres Paradies für die tierischen Besucher. Doch wenn sich Mensch und Tier einen Lebensraum teilen müssen und auf engstem Raum zusammenleben, kommt es auch hin und wieder zu Konflikten - so auch in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart.

Immer mehr Wildtiere erobern das Stadtgebiet. Füchse, Marder, Greifvögel und sogar Wildschweine zieht es in Wohngebiete und in die Innenstädte. Dort richten die Tiere allerdings oftmals großen Schaden an - zum Ärger vieler Bewohner und der Stadtverwaltung.

Naturschützer vom BUND fordern dennoch eine ungewöhnliche Maßnahme zum Schutz der Tiere: Sie wollen Tempolimits in Stuttgart, um Unfälle mit Tieren zu verhindern.

Wildtiere erobern Stuttgart und Umgebung: Mehr als 600 Tiere allein 2021 überfahren

So mancher Naturliebhaber freut sich sicherlich über die tierischen Stadtbewohner. Auch sonst erobert sich die Tierwelt nach und nach wieder ihre Lebensräume in Baden-Württemberg zurück. Einst ausgerottete Tierarten wie Schakal, Wolf und Luchs siedeln sich hierzulande wieder an. Aus Sicht des „Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland“ (BUND) ist der Schutz der Wildtiere in Großstädten besonders wichtig. Denn es kommt durch den Verkehr in Stuttgart oftmals zu Autounfällen mit Wild- sowie Haustieren.

Ein Fuchs läuft eine stark befahrene Straße entlang
Durch die Nähe zum Menschen verlieren Wildtiere wie Füchse ihre Scheu. Immer wieder kommt es auch zu Unfällen. © Jörg Carstensen/dpa

Um dagegen vorzugehen und die Tiere besser zu schützen, fordert der BUND ein Tempolimit. Es müssten „umgehend Geschwindigkeitsbeschränkungen auf Straßen an Waldrändern und in Weinberggebieten“ eingerichtet werden, sagt Gerhard Pfeifer, Geschäftsführer des BUND, gegenüber den Stuttgarter Nachrichten. Man brauche in Stuttgart generell beim Autoverkehr eine niedrigere Geschwindigkeitskultur. „Der Schutz der Wild- und Haustiere vor dem Straßentod ist eine fachliche und moralische Verantwortung“, sagt Gerhard Pfeifer.

Besonders die Statistik des städtischen Tiernotdienstes ruft bei den Tierschützern Entsetzen aus. 629 Wild- und Haustiere wurden allein 2021 überfahren. Darunter zahlreiche Füchse, 100 Schwäne und Enten, 25 Dachse, 20 Rehe und 220 weitere Wildtiere wie Igel, Eichhörnchen oder Marder. Die Forderung des Naturschützers: auf der Wildparkstraße, auf der Hedelfinger Filderauffahrt, zwischen Feuerbach und Weilimdorf, rund um den Fernsehturm, Asemwald, Botnang sowie im Bereich der Weinberge im Neckartal sollten die vorgeschriebenen Geschwindigkeiten deutlich gesenkt werden.

Stuttgart: Tiere verursachen jährlich Schäden im sechsstelligen Bereich

So wichtig der Schutz der Tiere ist, so wichtig sind auch Präventivmaßnahmen. Durch die Ausbreitung der Wildtiere in bebauten Gebieten kommt es unweigerlich zu Problemen. Marder, Mäuse, Ratten oder auch Waschbären, die sich immer auch in Deutschland zu Hause fühlen, nisten sich in Häusern und Wohnungen ein. Dachse und Wildschweine hingegen sind immer häufiger auch in Gärten von Wohnsiedlungen anzutreffen. Dort wühlen sie Blumenbeete und Rasenflächen auf der Suche nach Nahrung um. Müllsäcke und -tonnen sind ebenfalls beliebt. Die Abfallwirtschaft findet immer wieder aufgerissene Gelbe Säcke vor. An diesen machen sich gerne Marder, Krähen und andere Tiere zu schaffen.

Besonders hoch sind die Schäden, wenn Gebäude und Bauwerke betroffen sind. „Im Bereich der Straßentunnel und Brücken gibt es Schäden durch Siebenschläfer oder Marder, die in Schaltkästen der Stromversorgung für diese Objekte Leitungen beschädigen“, teilt das Tiefbauamt den Stuttgarter Nachrichten mit. Störungen in der Betriebstechnik sind häufig die Folge. Zwar werden Vorkehrungen getroffen, um die Tiere am Eindringen und Einnisten zu hindern, doch diese sind nicht immer erfolgreich. Etwa Tauben nisten sich trotz Schutzmaßnahmen ein, verschmutzen durch ihren Kot Gebäude, Tunnel und Anlagen. Das kostet: Bis zu 100.000 Euro im Jahr werden für Schäden, Reinigung und Sicherung fällig.

Auch invasive Arten, also Arten, die eigentlich nicht bei uns heimisch sind, sorgen immer mehr für Probleme. Die Stadt Heilbronn kämpft bisher erfolglos gegen aggressive Nilgänse. Kanada- und Graugänse verschmutzen mit ihrem Kot ebenfalls Parkanlagen und Freibäder. Ein weitaus größeres Problem als die Hinterlassenschaften der Tiere ist die Tatsache, dass die Vögel einheimische Arten verdrängen.

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