Aktion am Bismarckplatz

Unbekannte benennen nachts den Bismarckplatz in Stuttgart um - mit einem „passenderen“ Namen

  • Valentin Betz
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Am Bismarckplatz in Stuttgart haben Unbekannte Schilder und eine Infotafel mit dem Namen von George Floyd überklebt. Jetzt ermittelt das Ordnungsamt.

  • In Stuttgart haben Unbekannte den Bismarckplatz in George Floyd Platz umbenannt.
  • Der US-Amerikaner war Ende Mai durch Polizeigewalt getötet worden, was Proteste auf der ganzen Welt nach sich zog.
  • Auch in Stuttgart demonstrierten Tausende unter dem Motto „Black Lives Matter“.

Stuttgart - In Stuttgart wird weiterhin dem durch Polizeigewalt getöteten US-Amerikaner George Floyd gedacht und gegen Rassismus demonstriert. Anfang Juni hatten Unbekannte ein riesiges Graffiti an das Parkhaus Züblin in Stuttgart gesprüht. Der Schriftzug „George Floyd“ soll dort sogar bleiben, da der Parkhausbetreiber die Fläche für Graffiti zur Verfügung gestellt hat. Stuttgart-Möhringen diskutiert indes über das Symbol eines „Mohren“, das auf dem Wappen des Stadtteils abgebildet ist. Tausende fordern, dass das rassistische Symbol vom Wappen in Stuttgart verbannt wird.

Am Sonntag machten jetzt Unbekannte auf dem Bismarckplatz in Stuttgarts Westen auf George Floyd aufmerksam. Sie überdeckten eine Infotafel, die das Sanierungsprogramm des Bismarckplatzes vorstellt, mit dem Schriftzug „George Floyd Platz“. Auch ein Straßenschild und die Bushaltestelle benannten die Unbekannten nach dem getöteten US-Amerikaner.

Umbenennung des Bismarckplatzes in Stuttgart: Aktion hat Folgen für die Verantwortlichen

Während sich die Sprayer mit dem Parkhaus Züblin eine legale Fläche für ihr Graffiti ausgesucht haben, droht den Aktivisten vom Bismarckplatz in Stuttgart nun eine Strafe. Wie die Stuttgarter Nachrichten (StN) berichten, handelt es sich bei der Umbenennung des Bismarckplatzes um unerlaubtes Plakatieren. Zwar habe die Polizei Stuttgart die Schriftzüge entfernen können und das Material sichergestellt. Die Aktion selbst stellt allerdings eine Ordnungswidrigkeit dar, weshalb das Ordnungsamt nun ermittelt.

Bismarckplatz in Stuttgart: Unbekannte überklebten Straßenschilder und eine Infotafel mit dem Namen von George Floyd.

Straßenschilder wie das am Bismarckplatz in Stuttgart zu überkleben, sei allein schon aus Sicherheitsgründen problematisch, so eine Sprecherin der Stadt zu den StN: „Straßennamen müssen lesbar sein, etwa wenn ein Rettungswagen kommt.“ Dass die Schriftzüge entfernt werden mussten, habe nichts mit deren Botschaft zu tun, sondern habe vielmehr einen bürokratischen Hintergrund. „Plakatieren muss erlaubt werden und Straßenschilder müssen eben frei sein“, so die Pressesprecherin gegenüber den StN.

Aktion am Bismarckplatz in Stuttgart: „Black Lives Matter“-Organisatoren haben nichts damit zu tun

Laut Stuttgarter Nachrichten haben die Organisatoren der Stuttgarter „Black Lives Matter“-Demo nichts mit der Aktion am Bismarckplatz in Stuttgart zu tun. „Ich finde es besser, wenn man den offiziellen Weg geht, wenn man das bei der jeweiligen Stadt offiziell beantragt“, erklärte Sandra Salem aus dem Organisationsteam des Silent Protest den StN. Man setze lieber auf richtige Diskussionen als auf eine willkürliche Aktion, die über Nacht von einzelnen gemacht worden sei. Sandra Salem selbst würde es grundsätzlich gut finden, wenn Straßen und Plätze auch hierzulande nach Opfern von rassistisch motivierter Gewalt benannt würden. „Das würde daran erinnern, dass Rassismus auch hierzulande ein Problem ist“, so Sandra Salem zu den StN.

Den Bismarckplatz im Westen von Stuttgart haben sich die Unbekannten wahrscheinlich nicht willkürlich für ihre Aktion ausgesucht. Das Areal um den Platz ist seit 2013 als Sanierungsgebiet ausgewiesen, zwischen 2014 und 2015 gab es ein umfangreiches Bürgerbeteiligungsverfahren. Im Rahmen der Sanierung soll dort nicht nur das Wohnungsangebot in Stuttgart gestärkt und verbessert werden, sondern auch die Grün- und Freiflächen. Und: Der Bismarckplatz soll als Aufenthaltsfläche und Quartierszentrum aufgewertet werden. Denn bislang wird der "Platz" von der Schwabstraße durchtrennt. Nicht auszuschließen, dass die Bewohner in Zukunft also auf dem George Floyd Platz picknicken.

Nicht nur in Stuttgart, sondern auch in Freiburg wird derzeit gegen die Verwendung von historisch vorbelasteten Namen aufbegehrt. Zwölf Straßen wurden beziehungsweise werden dort derzeit umbenannt. Zudem beantragte das Erzbistum den Abbau einer umstrittende Bronzebüste, die sich seit mehr als hundert Jahren vor der Konviktskirche befindet. Sie stellt einen bekennenden Judenhasser dar.

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