Stuttgart-West „unsicher“

„Schockierende Ergebnisse“: Junge Mädchen haben in Stuttgart abends Angst

Eine Frau mit Mundschutz sitzt in einer Straßenbahn in Stuttgart. Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg gilt eine Maskenpflicht.
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Frauen und Mädchen fühlen sich in einigen Stuttgarter Stadtteilen nachts nicht sicher (Symbolbild).
  • vonEva Kaczmarczyk
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Mädchen und junge Frauen fühlen sich unsicher auf den Straßen in Stuttgart-West. Betrunkene und zu wenig Beleuchtung sehen sie als Bedrohung.

Stuttgart - Ein erschreckendes Ergebnis für die Landeshauptstadt Stuttgart: Mädchen und junge Frauen im Alter zwischen elf und 19 Jahren im Bezirk Stuttgart-West fühlen sich dort offenbar nicht sicher. Das fanden Mailu Niehaus und Malte Kruth vom Jugendrat Stuttgart-West in einer Umfrage heraus. Befragt wurden 764 Schülerinnen in acht Schulen mithilfe eines Fragebogens. Bezirksräte sind fassungslos. Sie wollen darauf reagieren.

Als häufigste mögliche Verbesserung wurden mehr Licht, Kontrollen und mehr Kameras gefordert, auch wenn das aus rechtlicher Sicht schwierig ist, berichteten Niehaus und Kruth im Interview mit der Stuttgarter Zeitung. Vor allem das Sicherheitsgefühl in den Abend- und Nachtstunden sei alarmierend, erklären die beiden. Von 764 Umfrage-Teilnehmerinnen fühle sich nur ein Bruchteil sicher in der Gegend. Die Angaben „sehr unsicher“ waren häufig vertreten. „Die Ergebnisse sind schockierend, aber wir haben ehrlich gesagt mit ihnen gerechnet“, sagt Mailu Niehaus. Der 16-Jährigen schweben mehr Kontrollen, besseres und helleres Licht und Kameraüberwachung als logische Konsequenzen der Befragung vor.

Stuttgart-West: An vielen Plätzen fehlt Beleuchtung

„Rund um den Feuersee ist die Beleuchtung zum Beispiel sehr dunkel. Man könnte da mit LED-Lampen arbeiten, das würde schon viel helfen“, sagt Niehaus. Vielen öffentlichen Plätzen im Bezirk fehle es abends deutlich an Beleuchtung. Gerade die Elisabethenanlage, einer der zentralen Parkanlagen im Bezirk, und der Feuersee zählen dazu.

56 Prozent der Befragten fühlten sich aber auch an Haltestellen nicht sicher. Parks (54 Prozent), Straßen (51 Prozent), öffentliche Verkehrsmittel (36 Prozent) und Sportplätze (23 Prozent) seien aber auch Orte, die die befragten Mädchen und Frauen nach Einbruch der Dunkelheit ungern aufsuchen. Gassen und Unterführungen wurden im Feld für eigene Angaben zusätzlich genannt.

Mädchen haben Angst vor Belästigung in Stuttgart-West

Angst haben Mädchen und Frauen vor allem vor der Begegnung mit Betrunkenen, wie die Umfrage ergeben hat. Situationen entstünden, in denen sie angeschaut oder angesprochen würden, die Furcht vor Belästigungen steigt. Die Frage „Wurdest du schon einmal belästigt?“ konnten mehr als zwei Drittel der Gruppe der elf- bis 13-jährigen Mädchen aber verneinen. Bei den 17- bis 19-Jährigen sieht die Lage der Umfrage zufolge dramatischer aus. Von ihnen konnte nicht einmal mehr ein Viertel auf diese Frage mit „Nein“ antworten. Auch körperliche Belästigung wurde von einem Viertel der Mädchen mit „Ja“ beantwortet. Verbale Belästigung musste sich mehr als die Hälfte der Befragten gefallen lassen.

Als weiteren Verbesserungsvorschlag wurde die Aufklärung von Jungs gefordert. „Kostenlose Selbstverteidigungskurse“ wurden ebenso gefordert. Ein „abendliches Alkoholverbot“, sowie „höhere Strafen“ tauchten auch in den Fragebögen auf. Im nächsten Schritt hat der Jugendrat die Umfrage an Gregor Belgardt weitergeleitet, der sich als Leiter der Stabstelle Sicherheitspartnerschaft um die kommunale Kriminalprävention der Stadt Stuttgart kümmert. Man wolle nun überlegen, welche Maßnahmen sinnvoll seien. „Wir haben auch vor, dazu konkrete Anträge im Bezirksbeirat zu stellen“, sagt Mailu Niehaus.  

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