Dating-Show M.O.M

Eigentlich verboten: Anzügliche Plakate in Stuttgart sorgen für Empörung

Die Streaming-Plattform Joyn wirbt in Stuttgart mit großen Plakaten für ihre neue Dating-Show. Drei Politikerinnen der Grünen-Ratsfraktion sind davon absolut nicht begeistert - und fordern, dass die Werbung entfernt wird.

  • Drei Stadträtinnen der Grünen-Fraktion haben in einem Antrag die Entfernung von Werbeplakaten für eine Dating-Show in Stuttgart gefordert.
  • Sie werfen der verantwortlichen Streaming-Plattform Joyn Sexismus vor.
  • Eigentlich sind sexistische oder diskriminierende Inhalte auf Außenwerbeflächen in Stuttgart verboten.

Stuttgart - Drei grüne Stadträtinnen haben sich in einem Antrag über Werbeplakate der Dating-Show M.O.M in der Landeshauptstadt Stuttgart beschwert. Die Werbung ist laut dem Antrag auf Plakatwänden an mehreren stark frequentierten Stadtbahnhaltestellen zu sehen, unter anderem am Charlottenplatz, dem Hauptbahnhof und dem Killesberg.

In dem Antrag heißt es, auf den Plakaten der Dating-Show M.O.M. würden Frauen mit sexistischen Motiven und Texten herabgewürdigt. Unterzeichnet haben ihn die Stuttgarter Fraktionsvorsitzende Gabriele Nuber-Schöllhammer (Grüne) sowie die Stadträtinnen Jitka Sklenárová und Petra Rühle.

Werbeplakate in Stuttgart: Kampagne für Dating-Show nicht zulässig

Aufreger in Stuttgart: Drei grüne Stadträtinnen fordern, dass die Werbeplakate für eine Dating-Show entfernt werden, weil sie sexistisch seien.

Die Dating-Show „M.O.M - Milf oder Missy“ wird auf der Streaming-Plattform Joyn ausgestrahlt. Auf den Plakaten sind die Teilnehmerinnen der Sendung abgebildet, teilweise mit tiefem Ausschnitt und begleitet von Sprüchen wie „Was Altes? Was Junges? Was Neues!“ Laut der Streaming-Plattform Joyn geht es in der Show um einen 57-Jährigen und einen 28-Jährigen aus unterschiedlichen Lebenswelten, die sich auf die Suche nach ihrer persönlichen Traumfrau machen. Dazu treffen sie sich mit 14 Frauen zwischen 24 und 46 Jahren. „Missy“ steht dabei für jüngere Frauen, „Milf“ ist eine sehr anzügliche Beschreibung einer attraktiven Mutter.

Auf Twitter kritisierten bereits viele Nutzer das Format der Dating-Show. Joyn selbst zeigt auf Twitter allerdings nur wenig Verständnis für die Kritik: „M.O.M ist ein Format, das sich einem Tabu-Thema stellt, das in der Gesellschaft natürlich sehr präsent ist und laut diskutiert wird. Joyn will mit Konventionen brechen und das Thema Altersunterschied in Beziehungen enttabuisieren.“

In Stuttgart sind Plakate mit Motiven wie bei der Dating-Show M.O.M. verboten

Die Stadträtinnen in Stuttgart sind aber nicht nur wegen der sexistischen Inhalte der Dating-Show und der Plakate aufgebracht. Ihrer Ansicht nach hätten die Plakate nämlich erst gar nicht in Stuttgart aufgehängt werden dürfen, denn sexistische Werbung ist in der Landeshauptstadt ausdrücklich untersagt. „Da in Verträgen der Stadt Stuttgart mit dem Betreiber der Plakatwände festgelegt ist, dass eine solche Art der Werbung nicht zulässig ist, sind wir sehr erstaunt und empört über diese Plakate", heißt es in dem Antrag der Grünen-Fraktion.

Die Politikerinnen fordern daher, dass die Werbeplakate für die Dating-Show von den Haltestellen verschwinden: „Wir beantragen, dass die städtische Gleichstellungsbeauftragte gemeinsam mit dem Rechtsamt der Stadt Stuttgart umgehend dafür Sorge trägt, dass diese Plakate aus Stuttgart entfernt werden.“

Werbung für Dating-Show: Plakate werden in Stuttgart vom Tiefbauamt geprüft

Ursula Matschke, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Stuttgart, sagte auf Anfrage der Stuttgarter Nachrichten: „Ich werde in der Sache tätig und fordere, dass diese Plakate abgehängt werden.“ Werbung mit diskriminierenden oder sexistischen Inhalten dürfte laut verwaltungsinternen Richtlinien in Stuttgart eigentlich nicht aufgehängt werden, auch nicht für eine Dating-Show. Die Betreiber von Außenwerbungsflächen müssten die Inhalte auf Werbeplakaten vor Beginn einer Kampagne zur Prüfung vorlegen.

„Dies muss beim Tiefbauamt geschehen. Wenn das Tiefbauamt Zweifel hat, werde ich eingebunden“, so Ursula Matschke zu den Stuttgarter Nachrichten. Im Falle der sexistischen Plakate für die Dating-Show in Stuttgart sei sie allerdings nicht kontaktiert worden. Entsprechend müsse auch geklärt werden, ob das Tiefbauamt keine Bedenken in Bezug auf die Plakate hatte oder selbst nicht in Kenntnis gesetzt worden war.

Jetzt, wo die Plakate in Stuttgart bereits hängen, müsse das Rechtsamt entscheiden, ob man einen Rechtsstreit riskiere. „Eine Möglichket zum Widerspruch ist zudem eine Beschwerde beim Deutschen Werberat“, so Ursula Matschke gegenüber den Stuttgarter Nachrichten.

Inzwischen hat die Streaming-Plattform Joyn auf die Kritik auch über Stuttgart hinaus reagiert. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, zieht Joyn die Werbung für die Dating-Show zurück. Darüber hinaus wird nur noch „M.O.M“ als Name der Dating-Show verwendet und die Sendung sogar neu vertont.

Unbekannte sprühen George Floyd-Graffiti an Parkhausfassade in Stuttgart

Am Parkhaus Züblin in Stuttgart ist ein riesiges Graffiti in Gedenken an George Floyd aufgetaucht. Der US-Amerikaner war Ende Mai durch Polizeigewalt getötet worden, ein Video der Tat geht seither um die Welt. Graffitis sind von den Betreibern des Parkhauses allerdings explizit geduldet. Anders als die Plakate für die Dating-Show darf das Graffiti also aller Voraussicht nach bleiben.

Rubriklistenbild: © Gemeinderatsfraktion von Bündnis 90/Die GRÜNEN

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