In nur einer Stunde

Initiative sammelt in Stuttgart weggeworfene Kippen - Bußgeld-Wert von 3,9 Millionen Euro

Eine Frau raucht eine Zigarette.
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Eine Initiative sammelte in Stuttgart innerhalb einer Stunde mehr als 29.000 weggeworfene Kippen.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Eine Initiative sammelte auf dem Schlossplatz in Stuttgart Tausende achtlos weggeworfene Zigarettenkippen - in einem Bußgeld-Wert von 3,9 Millionen Euro.

Stuttgart - Obwohl das Zigarettenrauchen in Deutschland nahezu beständig teurer wird, gibt es noch immer viele Menschen, die diesem Laster nachgehen. Vor allem in den Großstädten sind achtlos weggeworfene Kippenstummel auf Straßen, Plätzen und vor Mülleimern keine Seltenheit. Wer seine fertig gerauchte Zigarette nicht in einem Aschenbecher entsorgt, sondern einfach irgendwo hinwirft, muss allerdings mit einem Bußgeld rechnen. In Baden-Württemberg werden laut dem Bußgeldkatalog für eine weggeworfene Zigarettenkippe oder -schachtel 50 bis 250 Euro Strafe fällig.

Im Rahmen einer Challenge sammelten die Musiker Felix und Till Neumann zusammen mit der Initiative Cleanup Network und verantwortungsbewussten Stuttgartern am Samstag weggeworfene Zigarettenkippen auf dem Schlossplatz in der Landeshauptstadt Stuttgart*, wie die Stuttgarter Nachrichten berichten. Das Ziel war ursprünglich, innerhalb einer Stunde 50.000 Zigarettenkippen in Flaschen und Kunststoffschalen zu sammeln.

Stuttgart: Knapp am Rekord vorbei - und dennoch Gutes getan

Wie alle Großstädte hat auch Stuttgart immer wieder mit Verschmutzungen von Plätzen und Bereichen zu kämpfen. Durch das Coronavirus in Baden-Württemberg* und den mehrmonatigen Lockdown hat sich diese Situation jedoch noch verschlimmert. Da Clubs seit langem geschlossen sind und auch Restaurants und Bars lange geschlossen waren, verlagerte sich das Nachtleben auf beliebte Plätze wie den Marienplatz. Nach dem Feiern blieb dort oft viel Müll zurück, der Marienplatz wurde so zum Schandmal (BW24* berichtete). Doch nicht nur auf dem Marienplatz liegt oftmals Müll wie weggeworfene Kaffeebecher, Kaugummiverpackungen, Essensreste oder eben Zigarettenkippen herum.

Auch der Platz vor dem neuen Schloss, einem der wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Stuttgart* ist oftmals von Müll gezeichnet. In Stuttgart kostet eine weggeworfene Kippe 135 Euro Bußgeld. Die Brüder Neumann, mehrere freiwillige Stuttgarter Bürger und das Cleanup Network sammelten am Samstag innerhalb einer Stunde 29.100 Zigarettenstummel auf dem Schlossplatz und dem Pavillon und entsorgten sie ordnungsgemäß in den Mülltonnen, berichten die Stuttgarter Nachrichten. Die Summe an gesammelten Kippen entspricht bei einer angesetzten Strafe von 135 Euro pro Stück einem Gesamtbußgeldwert von 3,9 Millionen Euro. Eine stolze Summe, obwohl das angestrebte Ziel von 50.000 gesammelten Kippen nicht ganz erreicht wurde.

Stuttgarter Netzwerk koordiniert Aufräum-Aktionen in ganz Deutschland

Die Kippen-Sammel-Aktion am Samstag wurde laut den Stuttgarter Nachrichten zwar von den Brüdern Neumann aus Freiburg und der Region Straßburg Kehl initiiert, das teilnehmende Cleanup Network veranstaltet solche Aktionen jedoch in ganz Deutschland. „In Stuttgart startete das Cleanup Network, von dort wird das Netzwerk koordiniert“, heißt es auf der Internetseite. Inzwischen gehören deutschlandweit viele Initiativen zu dem Netzwerk, beispielsweise in Berlin aber auch in Mannheim, Reutlingen oder Konstanz, die allesamt zum Ziel haben, ihre Städte sauberer zu machen.

Mit der Aktion in Stuttgart haben die Initiatoren die Landeshauptstadt nicht nur ein stückweit sauberer gemacht, sondern auch gezeigt, was mit gemeinsamen Kräften in nur einer Stunde erreicht werden kann. Dabei sind Zigarettenkippen nicht das einzige Problem, aber wohl das gravierendste. „Zigarettenreste sind das Schlimmste“, sagt Thomas Venugopal vom Cleanup Network laut den Stuttgarter Nachrichten. „Allein das Nikotin einer Zigarette vernichtet in tausend Litern Wasser alle Kleinlebewesen, und es dauert 15 Jahre, bis eine Kippe verrottet.“ Er fordert deshalb die strikte Umsetzung der Bußgelder und Aschenbecher an den Bushaltestellen. Gegen das Rauchen habe die Initiative nichts, erklärt er. „Nur gegen das Wegwerfen von Kippen.“ *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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