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Radfahrer fordern Konsequenzen für „Totalversagen bei der Verkehrswende“ in Stuttgart - Stadt wehrt sich

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Von: Nadja Pohr

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Ein E-Bike-Fahrer überholt eine Fußgängerin.
Kaum Fahrradstraßen und zu wenig Abstellmöglichkeiten: so lauten die Kritikpunkte der Stuttgarter Radfahrer gegenüber der Stadt. Diese wehrt sich nun gegen die Anschuldigungen (Symbolbild). © Sebastian Gollnow/dpa

Die Bürger in Stuttgart sind beim Thema Radfahren sehr unzufrieden. Das Thema ist regelmäßig Gegenstand hitziger Diskussionen im Netz. Nun hat sich die Stadt gegen einige Kritikpunkte gewehrt.

Stuttgart - Ein Thema, das viele Menschen in der Landeshauptstadt Stuttgart immer wieder beschäftigt, ist das Radfahren. Die Radler in der Region fühlen sich unsicher, unbeachtet und vernachlässigt. Auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) spricht von „Horrorstrecken“ in Stuttgart und sammelte bereits Verbesserungsvorschläge. Trotz ständiger Kritik tut sich jedoch nichts, finden die Radfahrer.

Ihre Ansätze, Vorschläge und Beweise für die vermeintliche Untätigkeit der Politik in Stuttgart beim Thema Fahrradfahren veröffentlichen die Stuttgarter fleißig auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Zuletzt beschwerten sich User dort unter anderem über falsch parkende Autos auf Radwegen, die von der Stadt toleriert würden, oder über durch Baustellen versperrte Wege wie im Schlossgarten. Den Vorwurf der Unfähigkeit gegenüber der Stadt Stuttgart verstärken sie durch Beispiele aus anderen Städten Deutschlands - doch die Verwaltung will das nun nicht mehr auf sich sitzen lassen.

Stadt Stuttgart wehrt sich gegen Vorwurf des Versagens in der Verkehrswende

Auf Twitter teilte der User „critical mass stuttgart“ einen Beitrag aus dem nordrhein-westfälischen Essen, wo eine Bürgerinitiative „Radentscheid Essen“ auf 82 Fahrradstraßen verweist, die nun mit Schildern, auf denen die geltenden Regeln stehen, ergänzt wurden. Von so vielen Fahrradstraßen könne man in Stuttgart nur träumen, vermittelt der Nutzer mit seinem Tweet.

„Ist die Stadtverwaltung von Stuttgart ein autozentriertes Fürstentum, das die Demokratie untergräbt? Wann folgen personelle Konsequenzen für das Totalversagen bei der Verkehrswende?“, fragt er sich. Kritik gibt es auch dafür, dass sich die Verwaltung damals gegen einen Radentscheid in der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg aussprach und so die Mitsprache der Bürger verhinderte.

Die Stadt Stuttgart wehrte sich auf Twitter nun gegen die Kritik der verärgerten Radfahrer. Zum einen habe der Radentscheid aus „formal-juristischen Gründen abgelehnt“ werden müssen. Daraufhin habe Gemeinderat jedoch die Inhalte größtenteils übernommen, kommentiert die Stadt. Darüber hinaus entstehen momentan weitere Fahrradstraßen - unter anderem der Wiesbadener Straße und in der Möhringer-/Burgstallstraße. „Zudem finden Arbeiten zum Ausbau der Hauptradroute 2 statt“, heißt es weiter.

Stuttgarter stellen der Stadt beim Thema Radfahren dennoch kein gutes Zeugnis aus

Die Stadt verweist auch darauf, dass die Bürger die Fortschritte der Projekte für die „Fahrradstadt Stuttgart“ jederzeit auf der städtischen Homepage nachlesen könnten. Zudem startet in der Region bald das Pilotprojekt einer schwebenden Fahrradautobahn, die ebenfalls für Verbesserung sorgen soll. Die Stuttgarter stellen dem Gemeinderat dennoch ein schlechtes Zeugnis aus. „Diese Hinhaltetaktik ist mittlerweile einfach nur peinlich“, lautet das Urteil eines Users. „Würden Treppen so gebaut, wie Stuttgart Radwege baut, wäre jede 5. Stufe schief, glatt oder versperrt“, ärgert sich ein anderer Nutzer.

Peter Pätzold, Bürgermeister für Städtebau und Umwelt, habe im Jahr 2019 bis zu 20 Fahrradstraßen und mehr Abstellmöglichkeiten versprochen, drei Jahre später sei für die Bürger in Stuttgart aber noch immer keine Veränderung erkennbar. „Es gibt heute weniger Abstellmöglichkeiten als 2019“, kritisiert ein Nutzer. Hätte man 2019 schon die versprochenen 20 Fahrradstraßen bekommen und in einem höheren Tempo weitergemacht, wäre man inzwischen auch so weit wie Essen, ist sich die Community auf Twitter einig.

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