Verbindungen auf dem Prüfstand

Verkehr der Zukunft: Stuttgart prüft Seilbahnen durch die ganze Stadt

Fotomontage: Seilbahnen in Stuttgart.
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Bald könnten in Stuttgart Seilbahnen den Verkehr entlasten.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Stau in Stuttgart ist keine Seltenheit. Um den Verkehr in der Landeshauptstadt zu entlasten, sollen bald Seilbahnen im öffentlichen Nahverkehr zum Einsatz kommen.

Stuttgart - In Deutschland wird derzeit vielerorts die Möglichkeit eines neuen Verkehrsmittels für den öffentlichen Nahverkehr geprüft. Auch in Stuttgart und der Region überlegt man, wo und inwieweit der Verkehr mithilfe von Seilbahnen entlastet werden könnte. In der Landeshauptstadt stehen aktuell bereits mehrere Verbindungen auf dem Prüfstand - etwa vom Hauptbahnhof zum Neckarpark in Bad Cannstatt.

Die FDP-Fraktion hatte im Regionalverband Stuttgart einen Antrag eingereicht, woraufhin Verkehrsexperten nun nach einer Prüfung mehrere Korridore identifiziert haben, bei denen der Einsatz von Seilbahnen möglich wäre. Wie die Stuttgarter Zeitung (StZ) berichtet, würde mit den betroffenen Kommunen nun die weitere Vorgehensweise besprochen werden.

Stuttgart: Untersuchung mehrerer potentieller Seilbahn-Verbindungen in der Landeshauptstadt

  • Eiermann Campus – Vaihingen/Möhringen (mit möglicher Weiterführung zum Flughafen)
  • Hauptbahnhof - Neckarpark in Bad Cannstatt
  • Degerloch - Plieningen
  • Ostendplatz - Pragsattel

Die Vorteile von Seilbahnen im öffentlichen Nahverkehr liegen auf der Hand: So sind zum Beispiel die Bau- und Betriebskosten vergleichsweise gering. Vor allem die Stadt Stuttgart mit ihren schwierigen topografischen Verhältnissen könnte von dem neuen Verkehrsmittel stark profitieren. Da die Seilbahnen in der Luft schweben, verbrauchen sie wenig Bodenfläche, die aufgrund der Kessellage in der Landeshauptstadt ohnehin nur beschränkt vorhanden ist.

Noch dazu können Höhenunterschiede einfacher überwunden werden, als etwa mit einer Stadtbahn. Stuttgart ist in Bezug darauf Rekordhalter unter deutschen Großstädten - zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Punkt liegen in der Landeshauptstadt mehr als 340 Meter. Im öffentlichen Nahverkehr könnten sich Seilbahnen also bezahlt machen. Eine weitere positive Eigenschaft, die gerade der schadstoffgeplagten Landeshauptstadt zugute kommt: Seilbahnen produzieren keine Abgase.

Wie die Stadt Stuttgart mitteilt, wären die Seilbahnverbindungen auch äußerst leistungsfähig. So soll „die Zahl der transportierten Personen [...] bei einem Gesamtausbau der Trasse vom Eiermann‐Campus bis zu einem Parkhaus an der A8 bei über 10.000 Fahrgästen pro Tag liegen“.

Stuttgart und Region: Mögliche Seilbahn-Linien auf dem Prüfstand

  • Böblingen - Breuningerland Sindelfingen (über Daimler-Werk)
  • Neuhausen - Oberesslingen
  • Mettingen - Ostfildern-Ruit
  • Bahnhof Esslingen - Burg Esslingen
  • Bahnhof Esslingen - Neckarhalde
  • Bahnhof Esslingen - Pliensauvorstadt

Auch in der Region rund um Stuttgart werden nun mehrere Seilbahnlinien untersucht. So etwa eine mögliche Verbindung zwischen Böblingen und dem Breuningerland in Sindelfingen: Für diese ist ein Zwischenstopp im ansässigen Werk der Daimler AG angedacht - das Fahrgastaufkommen wäre dementsprechend hoch. Auch am Standort Schwieberdingen, wo Bosch und bald auch die Porsche AG Gewerbequartiere haben, wird aus diesem Grund über die Einrichtung einer Seilbahn diskutiert.

Laut StZ kommt außerdem eine Seilbahnlinie zwischen Neuhausen und Oberesslingen in Frage. Als Alternative für eine neue Bahnverbindung zwischen dem Flughafen Stuttgart und dem Neckartal könnten damit Kosten gespart werden. Startpunkt wäre die ab 2026 nutzbare S-Bahn-Haltestelle Neuhausen. Vom Bahnhof in Esslingen sogar werden gleich mehrere Verbindungen untersucht. Um den Verkehr in der Innenstadt zu entlasten, könnte beispielsweise eine Linie direkt zur Burg oder aber zur Neckarhalde eingerichtet werden.

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