Kopie der Landeshauptstadt

Es gibt ein zweites Stuttgart in den USA - es ist das genaue Gegenteil

Screenshot von Google Maps zeigt die Lage der US-Stadt Stuttgart im Bundesstaat Arkansas
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Im US-Bundesstaat Arkansas gibt es ein zweites Stuttgart, das von einem schwäbischen Auswanderer gegründet wurde
  • Sabrina Hoffmann
    vonSabrina Hoffmann
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Neben der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg gibt es noch ein anderes Stuttgart: Eine Stadt in den USA. Sie wurde von einem Schwaben gegründet, doch ist heute ganz anders als das Original.

  • Die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg ist Namensvorbild für eine Stadt in den USA
  • Stuttgart liegt im US-Bundesstaat Arkansas und wurde von einem Schwaben aus Filderstadt gegründet
  • Doch die US-Kopie ist das genaue Gegenteil des schwäbischen Originals

Stuttgart - Welche Stadt in Deutschland ist die schönste? Stuttgart landet in den Rankings nicht sehr weit oben, aber die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg hat Fans. „Stuttgart ist schön. Gegen dieses Scheißmünchen ein Paris“, dichtete einst Joachim Ringelnatz - ein Sachse wohlgemerkt.

Der Schwabe schätzt seine Hauptstadt, die Heimat im Ländle. Stuttgart bietet einige beliebte Sehenswürdigkeiten und landet immerhin in der Top 30 der Städte mit der höchsten Lebensqualität weltweit. Und auf manche Stuttgarter hat ihre Heimatstadt einen solch bleibenden Eindruck hinterlassen, dass sie sogar neu gegründete Siedlungen in den USA nach ihr benannt haben.

Stuttgart hat eine Schwesterstadt in Arkansas, USA

Jenseits des Atlantiks gibt es zwei Orte mit dem Namen Stuttgart - einen in Arkansas und einen in Kansas. Beide wurden im 19. Jahrhundert von Siedlern aus Deutschland gegründet, die den Namen ihrer Heimatstadt ehren wollten. Stuttgart in Kansas besteht inzwischen nur noch aus einigen wenigen Gebäuden. Das Stuttgart in Arkansas dagegen hat 10.000 Einwohner und sogar einen eigenen Flughafen. Wie lebt es sich im amerikanischen Stuttgart? Was erinnert noch an den schwäbischen Ursprung der Stadt?

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Stuttgart!!... in Arkansas🇺🇸

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Die amerikanische Kopie von Stuttgart hat sich völlig anders entwickelt als das Original. Das deutsche Stuttgart ist Autostadt. Eine Brutstätte für Technologie und Fortschritt, wie der Blick auf die Wirtschaft in Stuttgart zeigt. Das Stuttgart in Arkansas ist auch ein Brutstätte - ganz buchstäblich sogar. Denn in den umliegenden Reisfeldern lassen sich Enten und Wildgänse nieder. Das amerikanische Stuttgart trägt deshalb den Beinamen: „Rice and Duck Capital of the World“ (Welthauptstadt des Reises und der Enten).

Stuttgart in den USA: Statt Daimler und Technologie dreht sich alles um Reis und Enten

Statt der Daimler AG ist der größte Arbeitgeber in Stuttgart das Unternehmen Riceland Foods, das einen Drittel der US-Reisernte produziert. Die amerikanische Schwesterstadt ist landwirtschaftlich geprägt. Geflutete Reisfelder schimmern im Abendrot. Darüber flattern Schwärme von Enten, schnatternd. Unten: Hobby-Jäger in Tarnkleidung, die mit Gewehren auf der Lauer liegen. Wenn man sich die Gebäude und Schilder anschaut, scheint die Zeit in Stuttgart, Arkansas, stehen geblieben zu sein - irgendwo in den 80ern.

Stuttgart in Arkansas wurde 1878 von dem deutschen Siedler Adam Bürkle gegründet. Bürkle stammte aus dem Gebiet des heutigen Filderstadt und kam als evangelischer Pfarrer nach Nordamerika. Der in einfachen Verhältnissen aufgewachsene Adam Bürkle war wohl dem amerikanischen Traum von Wohlstand und Freiheit gefolgt, den besonders viele protestantische Auswanderer hegten. Er wollte in Arkansas eine Siedlung gründen, deren Zentrum seine Kirche bilden sollte. Bürkle benannte den Ort nach seiner Heimat Stuttgart.

Stuttgart: Shrimps statt Maultaschen, Moskito-Plage statt Feinstaub

Mit Temperaturen von durchschnittlich fünf Grad Celcius im Januar und 27 Grad Celsius im Juli ähnelt das Klima im amerikanischen Stuttgart dem der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg. Die US-Kopie von Stuttgart ist allerdings sehr viel weniger dicht besiedelt. Nur 590 Einwohner kommen auf einen Quadratkilometer. Beim schwäbischen Original sind es 3.000.

Statt Maultaschen und Spätzle gibt es in Stuttgart, Arkansas, Südstaaten-Gerichte wie das „Shrimp po boy Sandwich“: Panierte Shrimps mit Remouladensauce auf Knoblauchbrot. Vom Feinstaubalarm hat in Stuttgart, Arkansas, noch nie jemand gehört. Dafür gibt es eine Behörde für Moskito-Kontrolle, weil sich die Insekten in den feuchten Reisfeldern vermehren.

Die Dokumentarfilmerin Yvonne Arnold befragte die Bewohner von Stuttgart, Arkansas, welchen Bezug sie zur schwäbischen Heimat des Gründers haben. Sie traf sogar den Urenkel von Adam Bürkle, der 2014 noch immer in der Stadt lebte. „Schwäbisch? Nie gehört“, lautet die Antwort auf die Fragen der Dokumentarfilmerin.

12 Kilometer vom amerikanischen Stuttgart entfernt liegt übrigens Ulm. Aber das ist eine andere Geschichte.

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