Reaktionen auf US-Pläne

„Keine Morde mehr“: Twitter-Nutzer feiern den Abzug der US-Soldaten aus Stuttgart

  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Viele zeigen sich betroffen aufgrund des geplanten Abzugs der US-Truppen aus Stuttgart. Das Vorhaben soll negative Folgen für die Wirtschaft haben. Im Netz auf Social Media sehen es dagegen einige Kommentatoren positiv.

  • Die USA wollen etwa 12.000 ihrer 36.000 Soldaten, die in Deutschland stationiert sind abziehen. Betroffen ist auch der Standort Stuttgart.
  • Politik und Wirtschaft fürchten negative Folgen durch den Abzug der US-Truppen.
  • Auf Social Media sind die Kommentatoren größtenteils anderer Meinung und sehen in dem Vorhaben eher eine Chance für Stuttgart.

Stuttgart - In den vergangenen Tagen kündigte es sich bereits an - jetzt ist es Gewissheit: Von den rund 36.000 in Deutschland stationierten Soldaten will US-Präsident Donald Trump 12.000 abziehen - 2.000 Soldaten mehr als im Vorfeld angekündigt. Das erklärte Verteidigungsminister Mark Esper laut einer Meldung der Deutschen Presseagentur am Mittwoch in Washington.

Grund für den Truppenabzug ist, dass die Bundesregierung ihren Verpflichtungen angeblich nicht nachkam. Gefordert ist, dass Nato-Mitgliedsstaaten zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts in den Verteidigungsetat investieren - in Deutschland liegen die Ausgaben mit 1,38 Prozent weit darunter. Betroffen ist unter anderem der Standort Stuttgart, wo sich seit der US-Besatzung im kalten Krieg die Kommandozentralen für die in Europa und Afrika befinden. Die Eucom in den Patch Barracks in Stuttgart-Vaihingen soll jetzt nach Mons in Belgien verlegt werden. Ein Umzug der Africom in den Kelley Barracks in Stuttgart-Möhringen steht ebenfalls zur Debatte.

Stuttgart: Kommandozentrale für die US-Truppen in Europa soll nach Belgien verlegt werden

US-Soldaten stehen nach ihrer Ankunft auf der US-Airbase in Wiesbaden-Erbenheim vor einer US-Flagge.

Für die Wirtschaft in Stuttgart könnte der Truppenabzug einen Schaden großen bedeuten. Wie Johannes Schmalzl, Hauptgeschäftsführer der Industie- und Handelskammer Region Stuttgart, den Stuttgarter Nachrichten mitteilte, seien die US-Streitkräfte ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region: „Die stationierten Truppen sind Konsumenten, sie investieren in Güter und nutzen Dienstleistungen.“ Laut Schmalzl würden mit dem geplanten Abzug auch langjährige wirtschaftliche Verbindungen wegbrechen.

Auch Oberbürgermeister von Stuttgart Fritz Kuhn (Grüne) bedauert das Vorhaben eines Truppenabzugs aus dem Großraum Stuttgart. Er sieht in den Plänen eine Strafaktion gegen einen Verbündeten. Die US-Administration unter US-Präsident Trump kündige laut Kuhn „Hals über Kopf“ die seit Jahrzehnten gewachsene enge Zusammenarbeit auf. „Stuttgart hat immer gute Beziehungen zu den US-Soldaten, den Zivilangestellten und ihren Angehörigen gepflegt. Wir müssen nun abwarten, was das genau für die Standorte der US-Truppen in Stuttgart und der Region bedeuten wird und über welchen Zeitraum hinweg“.

Geplanter Abzug der US-Truppen polarisiert: Menschen auf Social Media begrüßen das Vorhaben

Während sich Politik und Wirtschaft bestürzt über den geplanten US-Truppen-Abzug aus Stuttgart zeigen, finden sich im Netz auf Social Media eher positive und hoffnungsvolle Reaktionen. Ein Kommentator bei Twitter schreibt etwa: „Sehen wir es positiv: Keine Drohnenmorde mehr von Stuttgart aus“.

Die meisten Twitter-Nutzer kommentieren jedoch weniger die militärischen Hintergründe, sondern sehen viel mehr die Chance, die der Abzug der Streitkräfte der Stadt Stuttgart in Bezug auf den Wohnraummangel eröffnet. „50 Prozent der Truppen bleiben in Europa, daher keine Schwächung der Verteidigungsfähigkeit“, heißt es in einem Tweet beispielsweise, und weiter: „Dafür werden in Stuttgart 185 Hektar frei, zum Beispiel für Wohnungsbau und innerstädtische Grünanlagen. Warum sehen Sie nicht die Chancen, die uns Donald Trump bietet?“

Ein anderer Twitterer schätzt die Lage ähnlich ein und schreibt: „Der Abzug der US-Truppen ist die Chance, die für Stuttgart 21 freiwerdenden Flächen nicht zu bebauen sondern aufzuforsten: ein Wald in der Stadt, Wohnen auf dem Burgholzhof oder in Vaihingen auf ehemaligen US-Gelände!“

Folgen für die Wirtschaft: Ministerpräsidenten betroffener Länder wollten Abzug der US-Truppen verhindern

Bereits im Vorfeld, als die Plänen der US-Regierung bekannt wurden, stieß das Vorhaben auf viel Kritik, unter anderem bei der Landesregierung von Baden-Württemberg. Neben der Wirtschaft hängen auch tausende regionale Arbeitsplätze an den Stützpunkten. Winfried Kretschmann und die Ministerpräsidenten der anderen betroffenen Bundesländern Bayern, Hessen und Rheinland-Pflanz sollen laut „Stuttgarter Zeitung“, „Stuttgarter Nachrichten“ und „Süddeutscher Zeitung“ deshalb einen Brief an 13 US-Senatoren und Kongressabgeordnete geschrieben haben, mit dem sie den Teilabzug der in Deutschland stationierten Truppen verhindern wollten.

Rubriklistenbild: © Foto: Frank May/dpa

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