„Corona-Pandemie war nur der Nackenschlag“

Stuttgarter Traditionsgeschäft schließt nach fast 90 Jahren

Elena Braun Goldknopf Massschneiderin in Stuttgart am Charlotenplatz.
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Elena Braun schließt ihr Traditionsgeschäft.
  • Berkan Cakir
    vonBerkan Cakir
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In Stuttgart muss das nächste Traditionsunternehmen schließen. Nach fast 90 Jahren macht der Goldknopf zu. Allein die Pandemie sei aber nicht Schuld daran, sagt die Chefin.

Stuttgart - Nach fast 90 Jahren ist Schluss. Der Goldknopf in der Landeshauptstadt Stuttgart schließt seine Türen. Der kleine Laden im Alten Waisenhaus beim Karlsplatz war bekannt für den eleganten Brautschmuck, für Ohrringe, Armbänder, Haarnadeln und Ringe, die mit Kristallen, Tüchern und anderen Stoffen verziert waren. Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat das Traditionsgeschäft nun in die Knie gezwungen.

Elena Braun führte die letzten acht Jahre lang den Laden - mit großem Erfolg und steigenden Umsätzen, wie sie sagt. Zu ihrer Kundschaft gehörten neben Stammgästen auch so populäre Stars wie Helene Fischer, die für ihre Auftritte bei ihr einkauften. Letztlich aber, sagt die Chefin, seien die Einnahmen in der Pandemie-Zeit immer weiter zurückgegangen. „Nur noch meine Stammkunden haben mich über Wasser gehalten“, so Elena Braun gegenüber BW24.

Stuttgart: In der Corona-Pandemie erlebt der Einzelhandel harte Rückschläge

Im Januar zog die Stuttgarterin dann die Reißleine. Ausschlaggebend sei letztlich gewesen, dass der Lockdown immer wieder verlängert worden sei und somit eine Planbarkeit für die Zukunft immer mehr ins Ungewisse rückte. Zudem sei sie auf Einnahmen angewiesen gewesen, da sie noch Anfang 2020 - kurz vor der Pandemie - größere Ausgaben für Messen und Werbemaßnahmen gehabt hatte. „Wenn man wüsste, wie viel Zeit man noch überbrücken muss, dann schafft man das auch. Aber nur am Standort zu sitzen und nicht agieren zu können, ist sehr frustrierend“, sagt Elena Braun, „Deshalb habe ich die Entscheidung getroffen, auch wenn es schweren Herzens war.“

Elena Braun ist wie viele andere Einzelhändler immer wieder von harten Rückschlägen in der Corona-Pandemie getroffen worden. Im Lockdown erlebten Geschäfte in Stuttgart den schlimmsten Einbruch. Nach der Schließung zahlreicher Cafés und Restaurants endet mit dem Goldknopf für viele Stuttgart nun aber auch eine kleine, traditionelle Schmuckinstitution, die es seit 1930 in der Stadt gab.

Die Kunden seien angesichts dessen natürlich traurig. „Aber viele haben auch Verständnis für meine Entscheidung gezeigt“, sagt Elena Braun. In der mehr als einjährigen Pandemie-Zeit gab es nur im vergangenen Sommer eine kurze Zeit der Öffnungen, in der sie den Publikumsverkehr wieder in ihrem Laden begrüßen konnte. Wenngleich auch da schon weniger Kundschaft gekommen sei als sonst.

Stuttgart: Bereits vor der Corona-Pandemie begann das Ladensterben

Allein auf die Corona-Pandemie will Elena Braun die Schließung daher nicht zurückführen. Das Sterben des Einzelhandels in der Stuttgarter Innenstadt zeichne sich schon länger ab. „Die Corona-Pandemie war nur der Nackenschlag“, sagt sie. Den Goldknopf habe bereits die Schließung des benachbarten Cafés, das Grand Planie, einiges an Laufkundschaft gekostet. Von der Stadt Stuttgart habe sie zudem wenig Rückhalt gespürt. „Verkaufsoffene Sonntage hätten uns sehr geholfen“, sagt sie. Bei der Stadt sei man damit aber nur auf verschlossene Türen gestoßen. „Für eine Landeshauptstadt ist das schon ein bisschen traurig“, so Elena Braun.

Immerhin den Namen des Traditionsgeschäfts hält die 34-jährige Designerin, die schon als Praktikantin im Goldknopf gearbeitet hatte und mit Mitte 20 den Laden übernahm, aber noch am Leben. Auch die vielen Schmuckgegenstände stehen nach wie vor zum Verkauf. Mit den zahlreichen altehrwürdigen Schränken und Vitrinen ist Elena Braun mittlerweile nach Walldürn in der Nähe von Bad Mergentheim gezogen.

Im Elternhaus hat sie aus dem ehemaligen geräumigen Wohnzimmer einen Verkaufsraum gemacht, wo sie die Accessoires ausgestellt hat, die sie nun auch online noch zum Verkauf stellt. „Manche Stammkunden haben mich auch schon besucht und das mit einem Ausflug in die Natur verbunden“, sagt sie. Vorerst will die Künstlerin von dort aus den Goldknopf weiter betreiben. Was die Zukunft bringt, kann sie noch nicht sagen. „Ich werde das Beste aus diesem Jahr machen. Alles darüber hinaus kann ich noch nicht beantworten“, sagt sie.

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