Sicherheit im Nachtleben

Stuttgart plant Tracker in Läden und Clubs, die bei „gefährlichen Begegnungen“ Alarm schlagen

Gäste in einem nachtclub
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Ein Clubbesuch könnte mit einen Distanztracker möglich werden.
  • Berkan Cakir
    VonBerkan Cakir
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Die Stadt Stuttgart will ein Distanztracker einsetzen, das bei zu nahem Personenkontakt ein Warnsignal sendet. Es soll im Kulturbereich und Kaufhäusern zum Einsatz kommen.

Stuttgart - Die Landeshauptstadt Stuttgart will mit einem Distanzmessgerät den Aufenthalt in größeren Menschenmengen sicherer machen. Dafür soll ein Feldversuch über mehrere Monate mit einem sogenannten Distanztracker gestartet werden. Das kleine Gerät, das im Nacht- und Kulturleben zum Einsatz kommen soll, gibt Warnsignale, wenn sich Personen zu nahe kommen, und hilft dabei, Kontaktpersonen von Corona-Infizierten zu ermitteln.

Das Projekt sei gemeinsam mit der Universität des Saarlandes entwickelt worden und habe sowohl die Landesregierung als auch den Städtetag überzeugt, teilte die Stadt am Freitag mit. Neben dem Kultur- und Clubbereich, der aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg besonders von Schließungen betroffen war, kämen außerdem auch Kaufhäuser als Einsatzbereich infrage.

Stadt Stuttgart will mit dem Tracker schneller Infizierte identifizieren

„Die Besucher erhalten beim Betreten der Location einen Tracker, der zu jedem Zeitpunkt die genaue Position des Besuchers erkennt“, sagte der Saarbrücker Pharmazie-Professor Thorsten Lehr gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Ein Echtzeit-Warnsystem piepse oder vibriere bei „potenziell gefährlichen Begegnungen“. Zudem sei nachvollziehbar, welche Menschen sich für wie lange nahekommen.

„Das System hat den Charme, dass man auf einem engen Raum die Leute mit Kontakten schnell identifizieren kann und nicht gleich die ganze Masse der Menschen im Raum in Quarantäne schicken muss“, so Thorsten Lehr. Gesundheitsämter könnten so bei der Kontaktnachverfolgung entlastet werden.

Die Stadt Stuttgart würde das Projekt rund eine halbe Million Euro kosten

Die Stadt Stuttgart will für das Projekt, das auf neun Monate angelegt ist, rund 500.000 Euro investieren. Die Entscheidung, ob das Tracking-System eingesetzt wird, soll der Gemeinderat am kommenden Donnerstag, 17. Juni, entscheiden. Unter dem Titel „SaarCoKids“ hat Thorsten Lehr bereits eine saarlandweite Studie aufgesetzt, bei der die elektronische Distanzmessung als Teil eines Projekts unter anderem in drei Schulen erfasst wird.

Auch im vergangenen Jahr waren digitale Formate auf Bundesebene als Maßnahme gegen das Coronavirus eingesetzt worden - allerdings mit bisher geringem Erfolg. Die Corona-Warn-App wurde zur Bruchlandung. Auch sie ist für die bessere Nachverfolgung von Infektionsketten gedacht. Der Großteil der Bevölkerung nutzt die Anwendung laut einer Umfrage im Auftrag des Staatsministeriums aufgrund datenschutzrechtlicher Bedenken aber nicht.

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