Bisher drohte Bußgeld

Stuttgart: Tauben füttern soll erlaubt werden - „Meine Güte, haben wir Probleme in The Länd“

Eine Taube sitzt auf einer Hand auf der Futter liegt
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In Stuttgart drohte für das Füttern von Tauben bisher ein Bußgeld zwischen 50 und 100 Euro (Symbolbild).
  • Nadja Pohr
    VonNadja Pohr
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Ein Gutachten soll das Fütterungsverbot für Tauben auch in Stuttgart aufheben. Die Bürger in der Region können die Debatte nicht nachvollziehen und äußern Kritik.

Stuttgart - Tauben gibt es in Deutschland massig. Während die einen sie als Plage sehen und sie als „Ratten der Lüfte“ bezeichnen, erfreuen sich andere daran, die Vögel zu füttern. Wer dies allerdings in der Landeshauptstadt Stuttgart tut und erwischt wird, zahlt ein Bußgeld von 50 bis 100 Euro - im Wiederholungsfall sogar bis zu 5.000 Euro. Ein Gutachten könnte das Fütterungsverbot für Tauben nun aufheben.

Katharina Herrmann, Tierschutzbeauftragte in Berlin, hat die neue Beurteilung in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Laut Experten sei das Verbot rechtswidrig und verstoße gegen das Tierschutzgesetz, denn Tauben seien keine Wildtiere, sondern Haustiere. Die Stadt Stuttgart prüfe nun das Gutachten, wie Pressesprecher Martin Thronberens gegenüber dem SWR erläutert. Eine Meinung habe man sich dazu jedoch noch nicht gebildet.

Taubenfütterung in Stuttgart: Bürger in Baden-Würrtemberg haben kein Verständnis für Diskussion

Für die Diskussion, ob man Tauben nun füttern dürfe oder nicht, haben die Bürger in Baden-Württemberg wenig Verständnis und teilen ihre Meinung im Netz. „Meine Güte, haben wir Probleme in ‚The Länd‘“, ärgert sich eine Twitter-Userin. Ein anderer Nutzer findet, das seien „typische Probleme einer Wohlstandsgesellschaft“. „In der Ukraine hat ein Krieg begonnen und in Stuttgart macht man sich Gedanken ums Tauben füttern“, regt sich ein Mann auf.

Auch die Taubenbeauftragte des Stuttgarter Tierschutzvereins, Silvie Brucklacher-Gunzenhäußer, kann die Diskussion nicht befürworten. Sie findet das Vorhaben sogar „schrecklich“. Aus Sicht der Taubenbeauftragten müsse man gezielte Futterstellen in Stuttgart und anderen Städten einrichten, damit „die Tauben ihre Plätze wissen, wo sie fressen können und nicht in Cafés auf den Tischen tanzen“. Diese Meinung teilen auch viele Nutzer auf Facebook.

Tauben in Stuttgart sollen zum Weltkulturerbe werden

Die Politik in Stuttgart wird sich nun mit dem Gutachten auseinandersetzen. Derweil geht der Verein „Straßentaube und Stadtleben“ aus der Landeshauptstadt sogar noch einen Schritt weiter. Die Mitglieder retten nicht nur verletzte Vögel und kümmern sich um die Begrenzung der Population, sie haben auch einen Antrag gestellt, die Stadttaube zum Weltkulturerbe zu machen.

Auch wenn die Taube nun als Haustier bezeichnet wird, erobern mittlerweile auch andere Wildtiere die Stadtgebiete von Stuttgart. Ebenso steigt die Sorge bei den Experten, weil sich immer mehr Wölfe in der Region ausbreiten. Das tierische Treiben in Baden-Württemberg wird also vermutlich noch häufiger Thema sein.

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