Krimiserie im SWR

Stuttgart-„Tatort“ blamiert sich mit falschem Schwäbisch: „Nervt extrem“

Ulrike (Christiane Rösinger) bringt die Kommissare Sebastian Bootz (Felix Klare) und Thorsten Lannert (Richy Müller, r) in den Gemeinschaftsraum des Hauses in einer Szene des „Tatort: Das ist unser Haus“.
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Am Sonntag ermittelten die Tatort-Kommissare Lannert und Bootz in Stuttgart - ein Aspekt der Folge stieß auf massive Kritik.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Am Sonntag, dem 17. Januar, lief im SWR die neue Folge der beliebten Serie „Tatort“ mit Handlungsort in der Landeshauptstadt Stuttgart. Ein Aspekt der Sendung stieß bei den schwäbischen Zuschauern auf besondere Kritik.

Stuttgart - Die Fernsehserie „Tatort“ kann als deutsches Kulturgut bezeichnet werden. Die Krimireihe in der ARD feierte im vergangenen Jahr bereits ihr 50-jähriges Jubiläum, insgesamt sind schon über 1.150 Folgen ausgestrahlt worden. Am Sonntag, dem 17. Januar, strahlte der SWR den neuen „Tatort“ aus der Landeshauptstadt Stuttgart aus.

Die Folge „Das ist unser Haus“ ist bereits der 27. „Tatort“ aus der schwäbischen Metropole. Die fiktiven Ermittler Thorsten Lannert und Sebastian Bootz ermittelten nach einem Leichenfund im Umfeld einer Baugenossenschaft.

Die Handlung der neuen „Tatort“-Folge aus Stuttgart sollte laut den Drehbuchautoren Dietrich Brüggemann und Daniel Bickermann Themen aus dem Alltag der baden-württembergischen Landeshauptstadt aufgreifen, heißt es auf der Tatort-Seite. Dass das Thema Wohnungsbau in Stuttgart ein viel diskutiertes Problem ist, ist hinreichend bekannt. Eine Facette der Sendung, die wohl das typische schwäbische Leben widerspiegeln sollte, löste bei vielen Zuschauern allerdings Unmut aus.

Stuttgart: „Tatort“ in der schwäbischen Hauptstadt - Zuschauer stören sich am vielen Schwäbisch

Dialekte in Film und Fernsehen sind oftmals eine heikle Angelegenheit. Sprache ist bekanntermaßen nicht nur ein Mittel zur Kommunikation, sondern auch eine Form der Identifikation und der Zugehörigkeit zu einem kulturellen Umfeld. Während gut eingesetzte Dialekte im Film als Hommage an eine bestimmte Sprache verstanden werden können, rücken falsch oder gezwungen klingende Sätze das Ganze schnell Richtung Parodie.

In der neuen „Tatort“-Folge aus Stuttgart wurde nach Meinung vieler Zuschauer deutlich zu viel Schwäbisch gesprochen. Und das, obwohl der schwäbische Dialekt gerade in der Landeshauptstadt immer weiter verschwindet, wie die Stuttgarter Nachrichten (StN) berichten.

Inzwischen hört man den schwäbischen Dialekt in Stuttgart eher in älteren Teilen der Bevölkerung. Oder als hippes Marketing, etwa in Restaurants, die mit Maultaschen und Käsespätzle Heimatgefühle wecken wollen. Die „Tatort“-Folge vom Sonntag erweckte jedoch den Eindruck, dass der Dialekt auch bei Sitzungen von Baugenossenschaften noch zum Standard gehört.

Tatsächlich wurde in der neuen Folge sogar mehr Schwäbisch gesprochen als jemals zuvor, wie die StN berichten. Das ging nicht nur den Zuschauern aus der Landeshauptstadt gegen den Strich, sondern auch denen aus anderen Teilen der Bundesrepublik. „Bei allem Lokalkolorit und Stärkung der Regionen: Zu viel Mundart und Dialekt im Tatort muss jetzt auch nicht sein“, schrieb ein Nutzer auf Twitter.

„Tatort“ Stuttgart: Zuschauer fordern beim nächsten Mal „echte Schwaben“ zu casten

Bei der Bewertung der neuen „Tatort“-Folge aus Stuttgart gehen die Meinungen deutlich auseinander, wie ein Blick auf Twitter zeigt. Während viele durchaus gut unterhalten waren, fanden einige die Folge zu langwierig oder zu unlogisch. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, der schwäbische Dialekt wurde in den Kommentaren jedoch besonders häufig kritisiert.

Neben der Häufigkeit führte auch die Art, wie das Schwäbische im „Tatort“ dargestellt wurde, zu Kritik in den sozialen Medien. „Auch wenn ich den Tatort Stuttgart erstklassig fand, möchte ich doch darum bitten, beim nächsten Mal echte Schwaben zu casten“, schrieb eine Zuschauerin auf Twitter.

Au weia, das schwurbelt aber im Tatort Stuttgart

Kommentar auf Twitter

Trotz des häufigen Gebrauchs des schwäbischen Dialekts war die „Tatort“-Folge aus Stuttgart wohl in ganz Deutschland zu verstehen, stieß jedoch auch im ganzen Land auf Kritik. „Ein Minus für das überhandnehmende Schwäbeln“, schrieb ein Zuschauer aus Sachsen auf der Tatort-Fanseite. „Was wieder extrem nervt, ist das Schwäbische“, kritisierte auch ein User aus Norddeutschland.

Nach der Ausstrahlung der Folge sprachen manche von einem enttäuschenden Start der Krimireihe im neuen Jahr. Es gab jedoch auch viele Gegenstimmen. „Für mich war das der beste „Tatort“ Stuttgart ever“, schrieb ein User auf Twitter. „Tolles Kammerspiel. Ein Juwel, das nicht geschliffen werden muss“, bewerte eine weitere Zuschauerin die Folge.

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