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Leere Regale in Stuttgarter Tafelläden durch Zustrom an Ukraine-Flüchtlingen - „Situation verschärft sich“

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Von: Nadja Pohr

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Einkäufe in einem Tafelladen liegen an einer Kasse
Die Lieferungen an Lebensmitteln für die Tafelläden ist um fast 30 Prozent zurückgegangen, wie der Verein Schwäbische Tafeln berichtet (Symbolbild). © Horst Rudel/IMAGO

Mittlerweile erleben auch die Tafelläden in Stuttgart die ersten Ausmaße durch den Zustrom an Ukraine-Flüchtlingen: Bedürftige Menschen stehen vor leeren Regalen.

Stuttgart - In Stuttgart kommen täglich neue Flüchtlinge aus der Ukraine an. „Sie weinen und rufen, sie seien endlich frei“, beschreiben Helfer die Situation am Hauptbahnhof Stuttgart. Die Stadt richtete für die Geflüchteten sogar einen Koordinationsstab ein, um unter anderem nach Wohnungen für sie zu suchen.

Bei den Unterkünften kommt die Stadt Stuttgart allerdings bereits an ihre Kapazitätsgrenzen und prüft deshalb gerade die Nutzung von Büros, Sporthallen und Veranstaltungshallen. Aber auch in anderen Bereichen der Landeshauptstadt macht sich der Zuwachs durch die Ukraine-Flüchtlinge bemerkbar: Den Tafelläden in Stuttgart fehlen die Lebensmittel für die Bedürftigen.

Stuttgart: Leere Regale in Tafelläden, weil Lebensmittel direkt in die Ukraine geschickt werden

Während die Schlangen vor den Tafeln in Stuttgart immer länger werden, geht das Angebot an Waren zurück. Unter anderem auch, weil die Supermärkte ihre Lebensmittel teilweise direkt in die Ukraine schicken, um zu helfen. Die Lieferungen an die Tafelläden ist deshalb um fast 30 Prozent zurückgegangen, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet. Hilli Pressel, stellvertretende Projektleiterin vom Verein Schwäbische Tafel, zeigt hierfür aber Verständnis. „Wir wollen nicht Not mit Not vergleichen“, sagt sie.

Dennoch äußert sie sich besorgt über die steigende Nachfrage in den Tafelläden. „Für die Kundschaft verschärft sich die Situation“, so Pressel. Denn durch den Krieg werden bei Kaufland, Lidl und Co. wichtige Alltagslebensmittel knapp und teuer - das treibt die Betroffenen in die Filialen. Auch die steigenden Energiepreise bereiten dem Tafelverein aus Baden-Württemberg Probleme. Es werden nicht nur hohe Kosten für die gestiegenen Spritpreise fällig, auch die Stromrechnung für Kühlhäuser und Kühltruhen ist in die Höhe geschossen, wie Hilli Pressel erzählt.

Verein für Stuttgarter Tafeln ist auf Geldspenden angewiesen

Auch die Lebensmittelhändler reagieren auf die gestiegenen Energiekosten und setzen mittlerweile auf eine bessere Kalkulation und weniger Ausschuss - das erschwert die Bedingungen der Tafeln zusätzlich. Da man die Mehrkosten für Sprit und Strom nicht an die Kunden weitergeben könne und die Lebensmittel von den Supermärkten fehlen, ist der Verein für die Stuttgarter Tafeln nun vermehrt auf Geldspenden angewiesen.

Dem Verein ist es eigentlich verboten, Waren einzukaufen. Es ist die Aufgabe des Staates, für die Versorgung der bedürftigen Menschen zu sorgen, doch die Tafeln sehen keinen anderen Weg. Es fehle an Obst und Gemüse in den Filialen und auch andere wichtigen Lebensmittel seien Mangelware. Zwar müsse niemand hungern, wie Hilli Pressel betont, aber sie warnt davor, dass dadurch die Ernährung der Menschen einseitiger und ungesünder werde.

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