Vermeintliches Softwareupdate

Stuttgarter Aktivisten manipulieren Bahnautomaten - Fahrgäste fahren kostenlos mit

Eine Frau mit Mundschutz steht an einer Haltestelle der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB).
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Kostenloser Nahverkehr in Stuttgart: Aktivisten manipulierten Ticketautomaten und ließen Pendler im Glauben, die Fahrt sei umsonst (Symbolbild).
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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Ein kostenloser öffentlicher Nahverkehr wäre für viele Großstädte ein Traum. In Stuttgart wurde dieser nun vermeintlich für kurze Zeit wahr - wegen einer Protestaktion.

Stuttgart - Der Verkehr in Stuttgart ist besonders zu den Stoßzeiten mitunter ein Albtraum. Mit dem Auto kann es auf den stark befahrenen Straßen dann gut sein, dass Pendler mehr stehen, als fahren. Der öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) ist da häufig schneller unterwegs. Eines haben Auto und Bahn allerdings gemeinsam: umsonst gibt es beide nicht.

Gerade der kostenlose öffentliche Nahverkehr wurde aber bereits vielfach diskutiert und gefordert, sowohl von Politik als auch der Gesellschaft. Auch in Baden-Württembergs Landeshauptstadt Stuttgart steht die Idee zur Debatte, ist aber noch weit entfernt von einer Umsetzung in der Realität - bis jetzt. Denn wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, durften Pendler vergangenen Freitag kurzzeitig kostenlos fahren. Die Aktion ging allerdings nicht von der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) aus, sondern war ein Protest der Initiative „Kostenloser ÖPNV in Stuttgart“.

Nahverkehr in Stuttgart: Initiative fordert kostenlosen ÖPNV - und manipuliert dafür Ticketautomaten

Dabei war der ÖPNV in Baden-Württemberg zuletzt weiter als sonst davon entfernt, kostenlos zu werden. Die Corona-Pandemie hat sich mit sinkenden Fahrgastzahlen dramatisch auf die Kassen der Verkehrsunternehmen im Land ausgewirkt. Entsprechend steigen als Corona-Folge für Bus und Bahn mancherorts die Ticketpreise. Viele Verkehrsbetriebe sind sogar auf die Unterstützung des Staates angewiesen. Die Landesregierung versprach zuletzt 170 Millionen Euro, um den öffentlichen Nahverkehr zu retten.

Ungeachtet dessen wünscht sich die Initiative „Kostenloser ÖPNV in Stuttgart“ trotzdem einen Wandel in der Landeshauptstadt. Vergangenen Freitag präparierten die Aktivisten deshalb mehr als 100 Ticketautomaten der SSB, um auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen. Sie beklebten die Automaten mit Plakaten, die einen Ausfall aufgrund eines vermeintlichen Softwareupdates vorgaukelten. Daher sei eine kostenfreie Nutzung der Stadtbahn erlaubt.

ÖPNV in Stuttgart: Aktivisten führen Pendler hinters Licht, SSB zeigt sich unbeeindruckt

Laut Aussagen der Initiative zeigten die Plakate auch bei etlichen Nutzern der Stadtbahn Wirkung, die daraufhin den öffentlichen Nahverkehr ohne ein Ticket nutzten. Die Stuttgarter Straßenbahnen AG zeigte sich von der Aktion allerdings unbeeindruckt und glaubt nicht an deren Erfolg. „Wir haben tatsächlich am Freitagmorgen ein paar Zettel aus den Haltestellen entfernt. Bei den Fahrgästen hatten diese aber offenbar nicht zu Missverständnissen geführt“, erklärte eine Pressesprecherin der Stuttgarter Zeitung.

Die Initiative „Kostenloser ÖPNV in Stuttgart“ wollte mit der Ticketautomaten-Aktion sowohl Menschen den kostenlosen Nahverkehr ermöglichen, als auch die Entscheider der Verkehrspolitik zur Verantwortung ziehen. „Wir wissen, dass diese Aktion nicht ganz legal ist. Angesichts der Untätigkeit der Politik im Hinblick auf die Klimakrise sehen wir uns aber gezwungen, den Kampf dagegen selbst in die Hand zu nehmen“, schreibt die Initiative in einer Mitteilung. „Mit der Aktion schaden wir weder den Beschäftigten des VVS, noch den Fahrgästen.“

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