Geringe Einnahmen

Stuttgart: 700.000 Euro für Fahrradgaragen, die kaum jemand nutzt - Stadt will weitere bauen

Fahrradgarage am Hauptbahnhof Stuttgart
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Seit November 2020 können Pendler und Reisende in einer Fahrradgarage am Stuttgarter Hauptbahnhof ihr Rad sicher unterstellen. Bisher wurde das Angebot jedoch kaum genutzt.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Wer in Stuttgart sein Fahrrad sicher unterstellen will, kann drei Garagen in der Stadt nutzen. Weitere Unterstände sollen folgen - obwohl es offenbar kaum Nachfrage gibt.

Stuttgart - Weniger Autos, mehr Zonen für Fußgänger und Radfahrer - das soll in der Landeshauptstadt Stuttgart künftig kommen. Um dieses Ziel umzusetzen, hat die Stadt schon einiges unternommen. Die Stuttgarter Innenstadt soll bald autofrei werden. Dafür mussten bereits rund 350 Parkplätze weichen. Damit soll der Stadtkern zudem schöner und attraktiver werden.

Um noch mehr Menschen dazu zu bewegen, vom Auto aufs Rad umzusteigen, fördern Stadt und Land zum Beispiel auch die Lastenräder. Doch bisher hat es das Lastenrad in Stuttgart schwer. Auch sonst zeigen die Stuttgarter den Rad-Projekten die kalte Schulter. Fahrradgaragen sollten vor allem Pendlern die Möglichkeit bieten, ihr Rad sicher unterzustellen. Doch wie aktuelle Zahlen zeigen, werden diese kaum genutzt. Und trotzdem will Stuttgart weitere bauen. Eine Verschwendung von Steuergeldern?

Stuttgart: Angebot wird nicht angenommen - Fahrradgaragen stehen größtenteils leer

Das Vorhaben der Stadt Stuttgart war gut gemein, doch von den Menschen werden die Fahrradgaragen offenbar nicht gut angenommen. Am Hauptbahnhof Stuttgart, dem Mittleren Schlossgarten und an der Paulinenbrücke wurden diese Unterstände errichtet. Doch wie schwarzbuch.de berichtet, werden die Anlagen kaum genutzt. Das machen die Zahlen deutlich, die die Stadt auf Anfrage des „Bundes der Steuerzahler Baden-Württemberg“ nun herausgegeben hat.

Die 80 Plätze der Fahrradgarage am Hauptbahnhof etwa sind nur gering ausgelastet. Seit der Eröffnung im November 2020 wurden gerade einmal 23 Jahrestickets, 27 Monats-, 16 Wochen- und 96 Tagesbuchungen getätigt. Schlecht verkaufen sich auch die Tickets am Mittleren Schlossgarten. Nur acht Jahres-, elf Monats-, neun Wochen- und 98 Tagesbuchungen wurden dort registriert. Auch die Garage an der Paulinenbrücke ist nur spärlich ausgelastet. So wurden laut Angaben der Stadt seit Dezember 2019 für die 40 Plätze lediglich 15 Jahreskarten, neun Monats-, 17 Wochen- und 55 Tagestickets verkauft.

Doch eine ganz andere Zahl zeigt das wahre Desaster der Fahrradgaragen auf: Gerade einmal 2.340 Euro inklusive Umsatzsteuer haben die Garagen der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg bisher eingebracht. Das ist nichts im Vergleich zu dem, was die Garagen die Stadt gekostet haben. Mit 662.000 Euro schlug der Bau der drei Fahrradgaragen zu Buche. Hinzu kommen noch die jährlichen Kosten für Betrieb und Instandhaltung: Mehr als 8.000 Euro werden jährlich für das Betreiben der Anlagen und das Buchungssystem fällig. Alles durch Steuergelder bezahlt.

Stadt Stuttgart optimistisch: Weitere Fahrradgaragen sollen im Stuttgarter Westen kommen

Schuld an der geringen Auslastung der Fahrradgaragen ist laut Auffassung der Stadt Stuttgart die Coronapandemie in Baden-Württemberg. Durch Corona seien weniger Pendler unterwegs, folglich sei auch die Nachfrage in den Fahrradgaragen geringer. Doch anstatt die Coronakrise abzuwarten und dann zu sehen, wie gut die Stellplätze für die Fahrräder angenommen werden, plant die Stadt sogar weitere Garagen in Stuttgart-West. Diese sollen im Zuge eines Designwettbewerbs in Zusammenarbeit mit der Media-Akademie der Stuttgarter Hochschule entworfen werden. Ob letzten Endes die Coronapandemie Schuld am Flop der Garagen ist, oder ob sie bei den Menschen einfach keinen Anklang finden, das wird die Zukunft zeigen.

Wer statt dem Zweirad lieber mit dem E-Roller in Stuttgart unterwegs ist, findet diese in der Stadt zu Hauff. Die Stadt wollte mit den elektrisch betriebenen Rollern die Mobilität in Stuttgart verbessern. E-Scooter sind völlig unnötig, findet hingegen unser BW24-Autor.

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