LGBTQ-Aktion

„Stuttgart ist oberpeinlich“: Stadt will keine Regenbogen-Flagge am Rathaus

Ein Mann hält eine Regenbogenflagge nach oben.
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Die Stadt Stuttgart hängte zum EM-Spiel zwischen Deutschland und Ungarn keine Regenbogen-Fahnen am Rathaus auf.
  • Berkan Cakir
    VonBerkan Cakir
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Die Stadt Stuttgart hängte zum EM-Spiel zwischen Deutschland und Ungarn keine Regenbogen-Fahnen am Rathaus auf. Im Gemeinderat und in den sozialen Netzwerken hagelt es Kritik.

Stuttgart - Zahlreiche Kommunen in Baden-Württemberg waren am Mittwochabend von Regenbogenfarben geprägt: Die Rathäuser größerer Städte wie Mannheim, Freiburg und Heidelberg hissten die bunten Fahnen, ebenso hingen sie am Böblinger Rathaus wie auch in Esslingen, Schorndorf und vielen anderen Städten.

In der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart blieb der Verwaltungssitz allerdings farblos. Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) hatte es abgelehnt, die Botschaft des Regenbogens zu senden. Am Rathaus wurden zum EM-Gruppenspiel zwischen Deutschland und Ungarn deshalb keine bunten Farben gehisst.

Stadt Stuttgart: Mit der Aktion hätte ein Zeichen gesetzt werden können

Mit der Aktion hätte die Stadt ein Zeichen gegen Diskriminierung, Hass und Ausgrenzung setzen können. Zum einen ist derzeit Pride Month. Im Juni demonstriert die LGBTQ-Community jedes Jahr weltweit für ihre Rechte. Auch viele Unternehmen nehmen das zum Anlass zur symbolischen Solidarisierung. So zeigt etwa Daimler deshalb einen bunten Mercedes-Stern auf den sozialen Netzwerken.

Der Anlass am Mittwoch bezog sich indes auf das EM-Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Ungarn. Dort war zuletzt ein umstrittenes LGBTQ-Gesetz beschlossen worden. Homo- und Transsexualität sollen demnach per Gesetz aus der Öffentlichkeit verschwinden. Die bayerische Landeshauptstadt München, wo das EM-Spiel stattfand, hatte die EM-Partie zum Anlass nehmen wollen, die Fußball-Arena München demonstrativ in Regenbogenfarben erleuchten zu lassen. Die UEFA allerdings verbot das Vorhaben.

Gemeinderat der Stadt Stuttgart stellt sich mehrheitlich gegen OB Frank Nopper

In vielen deutschen Städten wurde darauf reagiert. Nicht nur Rathäuser hissten Fahnen. Auch Theaterhäuser, Opern und Stadthallen leuchteten in bunten Farben. Noch am Vormittag des Mittwochs verkündete die Stadt Stuttgart ihren Standpunkt dazu. Es sei besser, „die ungarische Nationalmannschaft nicht mit einer Regenbogen-Botschaft zu empfangen“, hieß es in einer Mitteilung. Man wolle stattdessen am Christopher-Street-Day im Juli eine Botschaft an die ungarische Regierung senden.

Die Entscheidung der Verwaltung stieß auf Kritik. Noch am selben Abend stellte sich der Stuttgarter Gemeinderat mehrheitlich gegen OB Frank Nopper. „Angesichts der jüngsten Entwicklungen in Ungarn sollte es heute Abend selbstverständlich sein, dass auch die Stadt Stuttgart mit einer einfachen Geste am Rathaus Haltung zeigt“, schrieben Grüne, SPD, FDP, FrAKTION und die Fraktionsgemeinschaft Puls in einer gemeinsamen Erklärung.

Stuttgarts Image ist bereits stark beschädigt

Auch in den sozialen Netzwerken wurde die Entscheidung kritisiert. „Stuttgart ist einfach nur noch oberpeinlich!“, schreibt ein Twitter-Nutzer. Mit der Entscheidung, so ein weiterer Kommentator, stelle sich das Rathaus gegen die Menschen in der Stadt. „Ihr sprecht damit nicht für die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt.“ Der offizielle schwul-lesbische VfB Stuttgart-Fanclub „Stuttgarter Junxx“ schreibt: „Wie kann man sich nur dermaßen ins Abseits bugsieren. Beschämend wie sich Stuttgart hier positioniert.“

Die Debatte findet auch vor dem Hintergrund statt, dass das Image von Stuttgart ohnehin stark beschädigt ist. Die „Krawallnacht“, bei der junge Menschen randalierend durch die Innenstadt zogen, Geschäfte plünderten und Polizisten angriffen, war selbst in internationalen Medien wie BBC im Gespräch. Auch die außer Kontrolle geratene Corona-Demo in der Landeshauptstadt, bei der im April Journalisten angegriffen wurden, machte Schlagzeilen.

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