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Stuttgart: Traditionsgeschäft für Spielzeug muss nach 188 Jahren schließen - „es ist jammerschade“

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Von: Valentin Betz

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Historische und neue Aufnahme des Traditionsgeschäfts Spielwaren Kurtz in der Stuttgarter Innenstadt
Das Stuttgarter Traditionsgeschäft Spielwaren Kurtz, das 1833 gegründet wurde, schließt Ende 2021. © Montage: IMAGO/Arkivi & Frey/BW24

Die Geschäfte in Stuttgart erleben eine schwere Zeit. Schon vor Corona bereitete der Onlinehandel Probleme. Ein Traditionsgeschäft in der Innenstadt gibt jetzt auf.

Stuttgart - Die Wirtschaft in Stuttgart wird häufig nur mit den großen Namen der Landeshauptstadt verbunden. Dabei gibt es neben Daimler, Porsche und Bosch noch viel Raum für andere Unternehmen und vor allem andere Branchen. Das Zentrum von Stuttgart ist voller Läden unterschiedliche Größe, die mit diversen Waren ihren Umsatz erwirtschaften.

Corona setzt den Innenstädten Baden-Württembergs aber merklich zu. Die Belastung war für viele Geschäfte schon zu viel, etliche strichen die Segel. Andere können sich noch über Wasser halten, obwohl die Pandemie bei weitem nicht die einzige gefährliche Front ist. Beispielsweise bedroht der Onlinehandel viele Branchen, die ihren Umsatz hauptsächlich über Geschäfte vor Ort machen. Dazu gehört Spielwaren Kurtz im Zentrum der Landeshauptstadt. Wie die Stuttgarter Zeitung (StZ) berichtet, schließt das 1833 gegründete Traditionsgeschäft zum Jahresende.

Traditionsgeschäft schließt: Spielwaren Kurtz gibt es im kommenden Jahr nicht mehr

Offiziell ist die Schließung von Spielwaren Kurtz in Stuttgart eine Kombination aus der Corona-Pandemie und anderen wirtschaftlichen Herausforderungen. „Die rückläufigen Frequenzen in der Innenstadt, einhergehend mit den gleichbleibend hohen Mietkosten und dem sich wandelnden Kaufverhalten der Konsumenten zugunsten des Online-Handels, bringen immer mehr stationäre Händler in Bedrängnis“, heißt es laut StZ vom Unternehmen.

Hinzu käme das zweite Jahr in Folge, an dem das Weihnachtsgeschäft durch die Corona-Pandemie nahezu ausbleibe. Das Traditionsgeschäft lebe normalerweise von den sechs Wochen vor Weihnachten, an denen rund 50 Prozent des gesamten Jahresumsatzes in die Kassen flossen. Laut StZ hat Spielwaren Kurtz noch versucht, die Geschäfte durch die Bitte nach Mietminderung am Laufen zu lassen - ohne Erfolg.

Aus für Spielwaren Kurtz: Traditionsgeschäft schon länger in Abwärtsspirale gefangen

Wie die Stuttgarter Zeitung schreibt, greifen die Corona-Pandemie und der Onlinehandel als Begründung für die Schließung von Spielwaren Kurtz wohl zu kurz. Offenbar hatte sich das Sortiment des Traditionsgeschäfts in der Breite und Tiefe eher verschlechtert, seit die Spielwarenläden der Kurtz GmbH im Jahr 2020 vom Textilhändler Bellybutton International GmbH übernommen wurde.

Seitdem bot das Traditionsgeschäft in Stuttgart nicht nur Spielwaren an, sondern musste sich die Ladenfläche noch mit Textilien teilen. Auch die Flächenverkleinerung und die Aufgabe des Zugangs zum Marktplatz im Jahr 2012 gibt die StZ als Grund für den Abstieg von Spielwaren Kurtz an. Damit reiht sich das Unternehmen in eine unrühmliche Liste ein.

Bereits zu Beginn des Jahres gab ein Stuttgarter Traditionsgeschäft die Schließung nach fast 90 Jahren bekannt: Der Goldknopf bot unter anderem eleganten Brautschmuck an, konnte sich aber durch die Corona-Pandemie nicht mehr halten. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in der Innenstadt von Stuttgart künftig entwickelt. Für Spielwaren sieht es diesbezüglich schlecht aus. Laut StZ kaufen nur noch knapp 40 Prozent der Konsumenten ihr Spielzeug in Geschäften vor Ort, 25 Prozent kaufen über das Internet oder bei Discountern und Drogeriemärkten ein.

Ende von Spielwaren Kurtz trifft Kunden hart: Emotionale Erinnerungen an den Traditionsladen

Dass der Traditionsladen Spielwaren Kurtz ab 2022 nicht mehr in der Stuttgarter Innenstadt existieren wird, trifft viele Kunden hart. Unter einem Facebook-Post des Geschichtsprojekts „Stuttgart-Album“ erinnern sich viele an besondere Momente, die sie mit dem 1833 gegründeten Geschäft verbinden.

„Samstags wurde ich um 10 dort ‚abgesetzt‘ von den Eltern und um 13 Uhr wieder abgeholt! Schachcomputer, Lego, alles da! Sehr schade aber so wie viele Andere ein Opfer von Amazon und am Schluss vollends Corona“, schreibt beispielsweise ein User. „Es war immer so spannend auf den vielen Etagen die vielen Spielsachen nur zu sehen, die vielen Spiele, Puzzles oder die Barbiepuppen mit den vielen Kleidern und so, es gibt so vieles an das ich mich erinnern kann, es war so schön“, pflichtete ihm eine weitere Kundin bei.

„Das ist doch nicht wahr“ und „Es ist jammerschade“, schreiben einige. Und einer anderen Frau blieb, wie vielen anderen, die Dekoration des Geschäfts in Erinnerung: „Echt traurig - ich hatte früher immer Spielsachen von Kurtz bekommen. Das schönste waren die Schaufenster zur Weihnachtszeit- da habe ich die Nase plattgedrückt.“

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