„Rettet das Rosental“

Seilbahn-Projekt in Stuttgart: Bürger hegen einen ungeheuren Verdacht gegen die Stadt

  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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In Stuttgart werden aktuell mögliche Seilbahn-Verbindungen geprüft. Anwohner in Vaihingen halten nichts von den Plänen und hegen zudem einen ungeheuren Verdacht.

Stuttgart - Autofahren ist in Stuttgart zumeist kein Vergnügen. Kaum Parkmöglichkeiten und ein viel zu großes Verkehrsaufkommen, das häufig in Stau endet, kosten vor allem Pendler zu den Stoßzeiten morgens und am späten Nachmittag Zeit und Nerven - viele Einwohner, die sich innerhalb der Schwaben-Metropole gerne mit Bus und Stadtbahn beziehungsweise dem Fahrrad fortbewegen sind ebenfalls genervt.

Um den Verkehr in Stuttgart zu entlasten, diskutiert die Politik in der Landeshauptstadt daher schon länger über die Möglichkeit eines völlig neuen Verkehrsmittels im öffentlichen Nahverkehr. Der Plan: Personen sollen in Zukunft mithilfe von Seilbahnen durch die ganze Stadt befördert werden - beispielsweise vom Hauptbahnhof zum Neckarpark in Bad Cannstatt. Eine Machbarkeitsstudie bestätigte bereits, dass die Umsetzung einer Trassenführung in Stuttgart-Vaihingen möglich wäre. Gegen die Pläne regt sich jetzt jedoch Widerstand.

Stuttgart: Landeshauptstadt prüft Seilbahn-Verbindungen - in Vaihingen regt sich Widerstand

Die Stadt Stuttgart prüft Seilbahn-Verbindungen im öffentlichen Nahverkehr.

In Stuttgart-Vaihingen sind einige Anwohner wenig für das Seilbahn-Projekt von Politik und Verkehrsplanern zu begeistern. Dort nehmen bereits Pläne für eine mögliche Verbindung zwischen dem Eiermann-Campus über den Bahnhof Vaihingen bis hin zum Gewerbegebiet SynergiePark Gestalt an - eine Weiterführung zur A8 wird ebenfalls überprüft.

Die Gemüter einiger Anwohner werden jedoch insbesondere durch die Pläne einer zusätzlichen Zwischenstation am Freibad Rosental erhitzt. Anwohner befürchten dort durch die Trassen eine Zerstörung des örtlichen Naherholungsgebiets, wie die Stuttgarter Nachrichten (StN) berichten. Eine neu gegründete Bürger-Initiative mit dem Namen „Rettet das Rosental“ versucht, das Vorhaben daher zu verhindern.

„Wir sind im Moment noch 20 bis 30 Leute, aber das Thema wird Fahrt aufnehmen, weil viele Leute gar nicht glauben wollten, was uns hier vorgesetzt wird“, wird Eva Klingenstein, eine Mitbegründerin der Initiative, von dem Blatt zitiert. Die Seilbahn-Idee klinge zwar attraktiv. Für die meisten der künftigen Bewohner auf dem Eiermann-Campus bestehe dafür jedoch gar kein Bedarf, weil diese ohnehin nicht zum Bahnhof Vaihingen fahren wollten. Ein weiteres Problem: Die Anwohner würden durch die Verschattung aufgrund der Gondeln im Minutentakt gestört werden.

Bürgerinitiative „Rettet das Rosental“ wehrt sich gegen Seilbahn-Pläne in Stuttgart

Die Mitglieder der Bürger-Initiative hegen zudem einen ungeheuren Verdacht gegen die Stadt Stuttgart. In einem Flugblatt werfen sie den Verantwortlichen vor, dass es sich bei den geplanten Seilbahnen um ein Prestige-Projekt zulasten der Bürger in Vaihingen und der ganzen Stadt handle. „Wir haben den Eindruck, dass es die Internationale Bauausstellung 2027 ist, die das Seilbahn-Projekt gegenüber anderen Verkehrsmitteln vorantreibt“, so Eva Klingenstein gegenüber der StN.

Zur Erklärung: Für die Internationale Bauausstellung in Stuttgart soll bis zum Präsentationsjahr 2027 im Stadtgebiet eine Vielzahl von Projekten entstehen, die die Zukunft der Region erproben und exemplarisch erlebbar machen: „Dies werden anspruchsvolle Bauvorhaben sein – Quartiere, Gebäude, Infrastrukturen“, heißt es dazu auf der Seite des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg.

Seilbahn-Projekt in Stuttgart: Entscheidung zu Trassen in Vaihingen steht noch aus

Aufgrund der schwierigen topografischen Verhältnisse in Stuttgart erscheinen die Vorteile von Seilbahnen offensichtlich: Höhenunterschiede könnten mithilfe der Trassen einfacher überwunden werden, als etwa mit Stadtbahnen. Da sie in der Luft schweben, verbrauchen sie zudem wenig Bodenfläche, die aufgrund der Kessellage in der Landeshauptstadt ohnehin nur begrenzt vorhanden ist. Die Bau- und Betriebskosten wären des Weiteren vergleichsweise gering.

Ob die geplante Seilbahn-Verbindung in Stuttgart-Vaihingen tatsächlich realisiert wird, ist laut StN bislang noch nicht entschieden. Grünes Licht gebe es aufgrund des positiven Ergebnisses der Machbarkeitsstudie jedoch für eine vertiefende Untersuchung. Zudem würde auch eine Stadtbahn-Verbindung zwischen Eiermann-Campus und SynergiePark als Alternative geprüft.

Rubriklistenbild: © Fotomontage: Sebastian Gollnow/dpa, Thomas Frey/dpa

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