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Stuttgarter Schülerin legt Widerspruch gegen Abinote ein und muss 250 Euro zahlen - „Fühlen uns betrogen“

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Von: Nadja Pohr

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Schüler auf dem Pausenhof
Eine Schülerin und ihre Mutter haben beim Regierungspräsidium Stuttgart Widerspruch gegen eine Abitur-Note eingelegt. Die Klage wurde zurückgewiesen, die Familie muss 250 Euro zahlen. (Symbolfoto) © IMAGO/Sven Simon

Eine Schülerin aus der Region Stuttgart legte nach ihrem Abitur Widerspruch gegen eine Note ein und wird dafür zur Kasse gebeten. Für die Mutter hat das nichts mit Chancengleichheit zu tun.

Stuttgart - Im Laufe der Schulzeit hat wohl jeder einmal eine Schulnote hinnehmen müssen, mit der man nicht zufrieden war. Egal, ob es letztlich an fehlender Leistung scheiterte oder die Lehrkraft Schuld daran hatte - auf die Idee, gegen eine Note zu klagen, kommt wohl kaum einer. Die 18-jährige Schülerin eines Gymnasiums in der Region Stuttgart war von ihrer Abinote in Geschichte jedoch so schwer enttäuscht, dass sie und ihre Mutter beschlossen, dagegen vorzugehen.

Ihre 10,5 Punkte wurden im Zeugnis auf zehn Punkte abgerundet und es sei nicht das erste Mal gewesen, dass sie sich von ihrem Lehrer schlecht benotet gefühlt hatte, berichtet die Stuttgarter Zeitung (StZ). Mutter und Tochter suchten daher nach dem Abitur zunächst den Austausch mit der Lehrkraft. Weil deren Erklärung aus ihrer Sicht jedoch unschlüssig war, wandte sich die Mutter erst an das Kultusministerium Baden-Württemberg und schließlich ans Regierungspräsidium Stuttgart.

Abiturientin aus der Region Stuttgart soll für Widerspruch gegen Abitur-Note 250 Euro zahlen

Das Regierungspräsidium informierte die beiden darüber, dass die Möglichkeit bestehe, gegen die Abinote Widerspruch einzulegen - wofür sie sich letztlich auch entschieden. Doch Wochen später hatten Mutter und Tochter plötzlich eine Zustellurkunde mit einem Gebührenbescheid im Briefkasten, in dem 250 Euro für den Widerspruchsbescheid verlangt werden. Denn die Klage gegen die Note wurde zurückgewiesen - die Kosten des Verfahrens trage die Widerspruchsführerin.

„Wir sind schier in Ohnmacht gefallen“, berichtet die Mutter der StZ. Man habe sich extra den Rat beim Regierungspräsidium geholt, da man sich in der Sache ja nicht auskenne. Dass der Widerspruch mit Kosten verbunden sei, hätte ihnen niemand gesagt. „Es kann doch unmöglich angehen, dass man als normale Eltern, als Nichtjuristen, als 18-Jährige über so ein Kostenrisiko völlig im Unklaren gelassen wird“, beschwert sich die Mutter weiter. „Wir fühlen uns hier regelrecht betrogen und unzureichend aufgeklärt.“ Hätten sie im Vorfeld von den Kosten gewusst, hätten sie keinen Widerspruch gegen die Zeugnisnote eingereicht.

Können sich nur reiche Schüler einen Widerspruch leisten?

Die Mutter der Abiturientin bewertet die Vorgehensweise als „beschämend“ und sieht keine Chancengleichheit gegeben, wenn sich nur reiche Schüler leisten können, gegen eine Note vorzugehen. Dies wies das Regierungspräsidium allerdings im Gespräch mit der StZ zurück. Bei nachgewiesener Bedürftigkeit könne Prozesskostenhilfe gewährt werden, teilte eine Sprecherin mit. Die Schülerin und ihre Mutter wissen noch nicht, ob sie die Gebühren bezahlen oder klagen werden.

In der Vergangenheit sorgte schon eine andere Schülerin aus Stuttgart in den Medien für Aufsehen, weil sie ihre Schule verklagte. Vor Gericht ging Joya Theresa unter anderem wegen besseren Schulnoten, Abgabefristen oder fehlenden Zeugnissen. Zuletzt aber, weil sie sich von dem Direktor der Schule gemobbt fühlte und ihm „psychische Körperverletzung“ vorwarf. Für eine miese Schulnote hat sie vom Richter sogar Recht bekommen, woraufhin diese aus dem Zeugnis radiert wurde.

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