Weniger Verspätungen

S-Bahn in Stuttgart setzt neue Technik ein, die für Fahrgäste enorme Erleichterungen mit sich bringt

Zwei U-Bahnen stehen an einer Haltestelle.
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Mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) will die Deutsche Bahn nicht bloß im ÖPNV neue Maßstäbe setzten. In Stuttgart läuft aktuell ein Pilotprojekt (Archivbild).
  • Jason Blaschke
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Riesen-Innovation im ÖPNV: Ein Pilotprojekt bei der S-Bahn Stuttgart hat Vorbildcharakter für andere Städte – es geht um künstliche Intelligenz (KI).

Stuttgart - Egal ob in der Medizin, der Mobilität oder auch der Wissenschaft – der Einsatz von KI ist in vielen Bereichen längst Realität. Auch in Baden-Württemberg, wo vor fünf Jahren der Forschungsverbund ‚Cyber Valley‘ ins Leben gerufen wurde. Viele namhafte Konzerne wie Amazon, BMW, Mercedes-Benz oder auch Porsche sind Mitglied in dieser Gruppe, die vor allem ein Ziel vor Augen hat: „Bloß nicht den Anschluss verlieren.“ Das Land will beim Thema Künstliche Intelligenz ganz vorne mit dabei sein – davon zeugt auch das neueste KI-Projekt aus dem Südwesten.

Konkret geht es um KI im S-Bahnverkehr der Deutschen Bahn, wo die Technik für reibungslose Abläufe und pünktliche Züge sorgen soll. DB-Digitalvorständin Daniela Gerd tom Markotten sagt: „Wir sind mit der KI in der Lage, vorausschauend einzugreifen, wenn wir sehen, dass sich Verzögerungen im Betriebsablauf anbahnen.“ Die Mitarbeiter in den Leitstellen könnten mithilfe von gewissen Algorithmen schneller entscheiden, welche Züge wann zuerst in den Bahnhof einfahren sollten.

S-Bahn in Stuttgart setzt Künstliche Intelligenz ein – so profitieren die Kunden

In Stuttgart – wo die neue KI-Technik im S-Bahnverkehr der Deutschen Bahn schon als Pilotprojekt zum Einsatz kommt – trägt das Vorhaben Früchte. Verspätungen von bis zu acht Minuten könnten ausgeglichen werden, betont Gerd tom Markotten. Und es gibt noch einen weiteren, großen Vorteil der neuen Technik. Die KI simuliere zudem auf Basis des Live-Betriebs laufend die Entwicklung der Verkehrslage und melde Konflikte frühzeitig.

UnternehmenDeutsche Bahn AG
HauptsitzPotsdamer Platz, Berlin
GründungJanuar 1994 in Berlin
Umsatz44,43 Milliarden EUR (2019)
CEORichard Lutz (seit März 2017)

„Im Ergebnis fließt der Verkehr besser: Züge müssen seltener ihre Geschwindigkeit reduzieren oder warten, wenn ein anderer Zug einen Streckenabschnitt blockiert“, heißt es von der Deutschen Bahn auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur (DPA) weiter. „Umgerechnet auf das Beispiel der S-Bahn in Stuttgart wären 17 Züge pro Tag und Richtung mehr auf der Stammstrecke möglich.“ Das Pilotprojekt in Stuttgart zeigt: Im ÖPNV ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz eine Bereicherung – für die Bahn, aber auch die wartenden Fahrgäste am Bahnsteig.

Künstliche Intelligenz nicht bloß in der S-Bahn – DB-Expertin enthüllt Pläne

Mittelfristig soll die KI-Technik aber nicht nur auf S-Bahnen beschränkt sein. Der Einsatz Künstlicher Intelligenz für mehr Kapazitäten im Bahnbetrieb sei einer von drei Schwerpunkten, welchen die DB im Bereich Digitalisierung 2022 setzen wolle, erklärt Daniela Gerd tom Markotten. Die ehemalige Daimler-Managerin hatte im September im DB-Konzern das Vorstandsressort für Digitales und Technik übernommen. In dieser Funktion will sie auch das Thema Handy- und Internetempfang im Zug verstärkt angehen.

„Wir sind mit der KI in der Lage, vorausschauend einzugreifen“: Daniela Gerd tom Markotten (l.) und Sigrid Nikutta, ebenfalls im Vorstand der Deutschen Bahn.

Es sei der Anspruch der Deutschen Bahn, dass künftig alle Kunden auf allen Strecken unterbrechungsfrei und mit ausreichend hoher Bandbreite unterwegs sein können. Ein Problem für die Bahn ist, dass entlang der Fernverkehrsstrecken der Mobilfunkempfang oft unterbrochen ist. Das liegt unter anderem schlicht daran, dass entlang der Strecken die nötige Infrastruktur fehlt. Daran kann die DB bloß bedingt etwas ändern, da der Mobilfunkausbau Sache der Mobilfunkanbieter ist.

Digital-Offensive der Deutschen Bahn: KI ist bloß ein Pfeiler eines großen Plans

Laut Gerd tom Markotten will die DB allerdings die Voraussetzungen schaffen, damit die Fahrgäste künftig auch im Zug stabil und schnell unterwegs sind. Gerd tom Markotten nennt als ein Beispiel die Funk-durchlässigen Scheiben, mit welchen neue Fernzüge standardmäßig ausgestattet sind und die das Signal besser ins Innere der Wagen leiten können. Zudem peile die Bahn gemeinsam mit der Telekom an, bis 2024 rund 7800 Gleiskilometer mit Download-Geschwindigkeiten von 200 Mbit pro Sekunde auszustatten.

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im S-Bahnverkehr – wie schon in Stuttgart – ist also bloß ein Pfeiler, welchen die DB im Zuge ihrer Digital-Offensive verfolgt. Im Fokus stehen dabei Effizienz und Geschwindigkeit – auf der Strecke, aber auch in Form von Mbits im Zug. Im nächsten Schritt soll das KI-Projekt auf die S-Bahnen Rhein-Main und München ausgeweitet werden. „Wir sind uns einig, dass wir mehr und schnellere Digitalisierung brauchen“, betont Gerd tom Markotten. Wichtig sei hier vor allem das Ineinandergreifen aller digitalen Komponenten.

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