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„Sie verdienen Respekt“: Wird eine „Antibabypille“ für Ratten bald in Stuttgart eingesetzt?

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Von: Julia Hawener

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Zwei Ratten.
Ratten übertragen Viren, Pilze und Bakterien, die beim Menschen Krankheiten verursachen können und werden daher in Großstädten häufig zum Problem. © Imago Images/Lehmann Heiko

In Stuttgart werden Ratten bisher noch mit Giftködern getötet. Das soll sich aus Sicht der städtischen Tierschutzpartei ändern. Die Stadt prüft nun den Einsatz einer Art „Antibabypille“.

Stuttgart - Sie besetzen Spielplätze, klettern Hausfassaden hoch und durchwühlen Mülleimer: Ratten, genauer gesagt Wanderratten, gelten als Ekeltier und vor allem in Großstädten als Plage. Auch in Stuttgart sind die allesfressenden Nager fester Bestandteil des Stadtbildes. Experten-Schätzungen dazu, wie viele Ratten genau es in den Städten gibt, weichen teils stark voneinander ab. Die genaue Anzahl der Ratten sei aber ohnehin irrelevant, sagte Erik Schmolz vom Umweltbundesamt gegenüber dem Spiegel. „Es geht darum, die Tiere loszuwerden.“ Denn bereits wenige Nager können für den Menschen zum Problem werden.

Giftköder verursachen „qualvollen Tod“

Zum einen übertragen Ratten Viren, Pilze und Bakterien, die beim Menschen Krankheiten verursachen können. Zum anderen richten sie teils enormen Schaden an. Im Jahr 2018 beispielsweise zerstörten Ratten in der Bibliothek der Universität Stuttgart rund 8.000 Bücher im Wert von etwa 200.000 Euro. Bisher werden die allesfressenden Nager in der baden-württembergischen Landeshauptstadt mit Giftködern getötet - ähnlich wie in vielen anderen Knotenpunkten in Deutschland.

Der Wirkstoff in den Lockmitteln hemmt nach Angaben von Aktiontier die Blutgerinnung. „Es kommt zu inneren Blutungen und einem teilweise tagelang andauernden, qualvollen Tod“, schreibt die Organisation auf ihrer Webseite. Das soll sich nach Ansicht der Tierschutzpartei in Stuttgart zukünftig ändern. Ratten seien nämlich aus Sicht der Partei „empfindungsfähige Säugetiere“ und „verdienen deshalb auch nicht weniger Respekt als andere Tiere“.

Süße Flüssigkeit soll Ratten bekämpfen

Als alternative Lösung schlägt die Partei in einem offiziellen Antrag ein Mittel namens ContraPest von der Firma SensesTec vor, das bereits seit einigen Jahren in zahlreichen großen amerikanischen Städten Anwendung findet. Anders als bei der Antibabypille für Menschen handelt es sich dabei um eine Flüssigkeit, die die Fruchtbarkeit der Tiere beeinträchtigt. Kurz gesagt: Die Nager können sich nicht mehr vermehren. Das Mittel wird in Trinkspendern in den Städten verteilt. Die Tiere sollen das Mittel nach eigenen Angaben von ContraPest wegen des süßen Geschmacks und des hohen Fettanteils auch dann trinken, wenn anderes Essen oder Trinken in der Nähe ist.

Neben dem moralischen Aspekt, ist diese „Antibabypille“ aus den USA laut dem Hersteller ein ganzheitlicher Ansatz zur Bekämpfung der wachsenden Rattenpopulation. Herkömmliche Methoden wie Giftköder oder Fallen seien nur eine vorübergehende Lösung. „Das Problem ist, dass sich Ratten wahnsinnig schnell fortpflanzen“, erklärt Ken Siegel, SEO von SenesTech USA Today. „Man könnte sie gar nicht so schnell töten, dass dadurch die Reproduktionsrate kompensiert wird.“

Ratten bleiben für etwa 100 Tage unfruchtbar

Alleine zwei geschlechtsreife Raten könnten innerhalb eines Jahres für etwa 15.000 weitere Ratten verantwortlich sein. Wie Siegel erklärt, bleiben die Ratten, nachdem sie die Flüssigkeit konsumiert haben, für etwa 100 Tage unfruchtbar und in dieser Zeit keinen Nachwuchs zeugen. Die ursprüngliche Idee kam der Bild zufolge von Stadtrat Matthias Gottfried von der Tierschutzpartei. Eine Parteifreundin habe ihn darauf aufmerksam gemacht, dass die Methode schon in den USA eingesetzt wird. Die Stadt prüfe nun, ob das Mittel tatsächlich gegen die Rattenpopulation in des Landeshauptstadt helfen könnte.

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