Pop-Up-Bike-Line

Stuttgart: Fahrradspur auf Theodor-Heuss-Straße wird wieder abgeschafft - trotz vieler Nutzer

Zahlreiche Menschen fahren mit ihren Fahrrädern über einen Pop-Up-Radweg in Stuttgart.
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Stuttgart: Zahlreiche Menschen demonstrieren für eine fahrradfreundliche Innenstadt und fahren dabei über einen „Pop-Up-Radweg“.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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In den vergangenen Monaten testete man in Stuttgart eine sogenannte Pop-Up-Bike-Lane. Obwohl sie von Radfahrern gut angenommen wurde, wird sie jetzt wieder entfernt.

Stuttgart - Die Verwaltung der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg will Stuttgart für Radfahrer attraktiver machen. Die Schwaben-Metropole soll künftig nicht mehr nur als Autostadt, sondern auch als Fahrradstadt bekannt sein. „Langfristig soll der Radverkehr 25 Prozent des gesamten Verkehrs ausmachen“, teilt die Stadt auf ihrer Seite mit. Der Ausbau des Routennetzes soll bereits Ende 2030 abgeschlossen sein.

Jährlich investiert die Politik in Stuttgart 40 Euro pro Einwohner in den Radverkehr. Während der Corona-Krise zeigte sich, dass ein Ausbau des Radverkehrsnetzes auch notwendig ist. Wie das Ministerium für Verkehr informiert, stieg in den vergangenen Monaten die Zahl der Radfahrer in Stuttgart immer weiter an - gleichzeitig nahm der Autoverkehr ab. Die Landeshauptstadt reagierte aus diesem Grund und richtete sogenannte Pop-Up-Bike-Lanes ein.

Stuttgart testet Pop-Up-Bike-Lane auf Theodor-Heuss-Straße - trotz vieler Nutzer wird sie wieder entfernt

Das Projekt kostete die Stadt nach eigenen Angaben 130.000 Euro. Die temporären Radwege bieten Zweiradfahrern in Stuttgart sowohl auf der Theodor-Heuss-Straße als auch auf der Holzgartenstraße seit Mitte Juni die Möglichkeit, sich abgeschirmt vom Autoverkehr fortzubewegen.

Die Bezeichnung „Pop-Up“ bezieht sich darauf, dass die Fahrstreifen mehr oder weniger plötzlich auf der rechten Spur der Straßen auftauchen - eine Tatsache, die jedoch auch für Kritik sorgt. Der Stuttgarter OB-Kandidat Frank Nopper CDU erklärte etwa in einer Pressemitteilung am Dienstag: „Dieser Pop-Up-Radweg ist ein Musterbeispiel dafür, wie man Fahrradwege nicht machen sollte. Er beginnt für die Radfahrer urplötzlich und endet im Nichts. Zudem verstärkt eine solche Maßnahme die Konflikte zwischen Autofahrern und Radfahrern“.

Wie sich in den vergangenen drei Monaten jedoch herausstellte, wurden die Pop-Up-Bike-Lanes von der fahrradfahrenden Bevölkerung sehr gut angenommen. Am 21. Juli zählte man laut Angaben der Stadt Stuttgart beispielsweise 1.021 Radfahrer auf der Theodor-Heuss-Straße, am 2. September waren es 779. Zum Vergleich: Bei einer Zählung Mitte Mai wurden auf derselben Straße nur 445 Personen mit einem Fahrrad gesichtet. Trotzdem soll der provisorische Radweg am 4. Oktober wieder entfernt werden.

Der Grund: „Ein derart verbreiteter Radverkehrsstreifen stört den Verkehrsfluss erheblich – dies geht insbesondere zu Lasten des ÖPNV“, erklärte Susanne Scherz, Leiterin der Abteilung Straßenverkehr und der Verkehrsbehörde, in einer Mitteilung der Stadt Stuttgart. Und weiter: „Auch für Fußgänger wirkt sich diese Situation durch reduzierte Grünzeiten an den Ampeln negativ aus“. Die Rückmeldungen der Radfahrer würden hingegen bestätigen, dass perspektivisch ein baulicher Radweg zielführend sei, der über die Möglichkeiten eines Versuchs hinausgeht. Aber: „Dieser ist nur mit dem Umbau der Straße möglich“, so Susanne Scherz. Die Pop-Up-Bike-Lane in der Holzgartenstraße soll jedoch bestehen bleiben.

Provisorischer Radweg in Stuttgart wird entfernt - dabei nutzten ihn täglich zahllose Fahrradfahrer

Auf Social Media wird bereits seit Monaten immer wieder über die schlechte Verkehrslage für Radfahrer in der Landeshauptstadt diskutiert. Der Vorwurf: In anderen europäischen Städten wird das Radverkehrsnetz weit mehr gefördert. „Die Stadt Stuttgart kann kilometerlange Tunnel durch Berge bohren und zu Straßen mit Belüftung, Rettungswegen und aufwändigen Lichtsignalanlagen für Autos ausbauen. [...] Aber Fritz Kuhn scheitert gleichzeitig an der Einrichtung von Radwegen?“, kritisiert ein Twitter-Nutzer. Die Nachricht, dass die Pop-Up-Bike-Lane auf der Theordor-Heuss-Straße wieder entfernt werden soll, stößt ebenfalls auf Kritik.

„Unter dem neuen Ordnungsbürgermeister wird sicher alles ganz anders [...] - erst recht wenn ein benoppter OB wird, dann werden alle Halteverbote vor Schulen aufgehoben und alle Radwege für Autos freigegeben. #autostadtstuttgart“, heißt es in einem zynischen Tweet mit Seitenhieb in Richtung OB-Kandidat Frank Nopper. Eine andere Kommentatorin sieht es ähnlich: „Radwege Bashing als Hobby der CDU Stuttgart. Nach Stefan Kaufmann ätzt nun auch Frank Nopper gegen den Pop-Up-Radweg. Er favorisiere Radwege auf Nebenstrecken - sie sollen wohl bloß nicht auffallen. Nix verstanden. Stuttgart hat mehr verdient!“.

Auch in Esslingen sind die Bürger nicht zufrieden mit dem Ausbau des Radverkehrsnetzes und sehen sich im Vergleich zu Autofahrern im Nachteil. Die Infrastruktur der Stadt, die sich in der Metropolregion Stuttgart befindet, kann bei großem Verkehrsaufkommen eine Gefahr für Radfahrer darstellen, da sie schnell in einen Unfall verwickelt werden können. Für Empörung sorgte jüngst die Fehlplanung einer Fahrradbrücke, für die die Stadt 2,9 Millionen investiert hatte.

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