Aufgeheizte Stimmung

„Das neue Ghetto von Stuttgart“: Kleiner Schlossplatz wird zum Brennpunkt

Freitreppe in Stuttgart
+
Bereits in den Mittagsstunden füllt sich die Freitreppe am Kleinen Schlossplatz. Was dort jedoch abends abgeht, beschreiben Wirte als Katastrophe.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
    schließen

Viele Pöbeleien und Schlägereien konzentrieren sich aktuell auf den Kleinen Schlossplatz. Ein angrenzender Gastronom sagt: „Dieser Zustand ist nicht auszuhalten.“

Stuttgart - Immer wieder wird das Zentrum der Landeshauptstadt Stuttgart zum Austragungsort für Krawalle. Besonders ins Blickfeld gerät dabei aktuell der Kleine Schlossplatz. Schlägereien und Pöbeleien gehören laut der angrenzenden Wirte an den Wochenenden zur Tagesordnung. Wie brutal es dort teilweise zugeht, zeigte kürzlich auch ein Video einer Prügelei in Stuttgart, das im Netz viral ging.

Was sich vor der Türe der Bar Waranga auf dem Kleinen Schlossplatz abspielt, hat laut Betreiberin Melanie Matzen seit dem Frühjahr 2020 eine ganz neue Qualität. „Wir sind direkt an der Front“, sagt Matzen der Stuttgarter Zeitung. Einen normalen Samstagabend während der Pandemie beschreibt sie als „angeheizt“.

Dann hätten Männer zwischen 12 und 20 Jahren den Platz geflutet - bei den meisten vermutet sie arabische Wurzeln. Belegen kann sie diese Behauptung nicht. Mit Belästigung von Passanten, Krach und Drogendealerei hätten die Pöbler schließlich auch ihre Gäste vergrault, so die Wirtin.

Betreiber der Alten Kanzlei schimpft: „Mitarbeiterinnen von jungen Migranten belästigt“

Mit Unbehagen beobachtet auch Dennis Shipley, der Wirt der Alten Kanzlei, die Entwicklungen am Kleinen Schlossplatz. „Die Polizei Stuttgart hat die Sache nicht im Griff“, meint er gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Wenn seine Mitarbeiterinnen nachts nach Hause gingen, würden sie „von jungen Migranten belästigt“. Er sei der Meinung, man müsse die Probleme beim Namen nennen. „Dieser Zustand ist nicht auszuhalten.“ Den Kleinen Schlossplatz bezeichnet er als „das neue Ghetto von Stuttgart“.

Mit weniger drastischen Worten beschreibt Winnie Klenk von der Boutique „Abseits“ die Vorgänge rund um den Kleinen Schlossplatz. Jedoch kann auch er bestätigen, dass seine Kunden angepöbelt werden, wenn sie über den Platz laufen. Er fordert Unterstützung durch die Stadt Stuttgart und „einen schönen Platz“.

Nach Krawallen: Angrenzender Händler hat viele Ideen für Entspannung der Lage

Während Melanie Matzen vom Waranga sich mit Kameras gegen die Vorfälle wappnet, spricht Winnie Klenk von kreativen Maßnahmen, durch die sich die Lage am Kleinen Schlossplatz entspannen könnte. Gegenüber der Stuttgarter Zeitung schlägt er vor, jedes Wochenende Musikkappellen aus den Stadtbezirken auf dem Kleinen Schlossplatz auftreten zu lassen. Alternativ könne er sich auch einen DJ vorstellen.

Nach den Krawallen in Stuttgart kündigte die Polizei an, mehr Präsenz in Baden-Württembergs Städten zu zeigen. Etwas entspannt hat sich die Lage auch am Kleinen Schlossplatz offenbar am vergangenen Wochenende, wie die Waranga-Wirtin gegenüber der Stuttgarter Zeitung einräumte. Da hätte die Polizei Präsenz gezeigt. Sie hoffe, dass dies nun erstmal so bleibe.

Debatte um Migrationshintergrund der Krawall-Macher löst heftige Kritik aus

Dass die Wirte in der Debatte um den Kleinen Schlossplatz so vehement von einem Migrationshintergrund der Pöbler sprechen, dürfte die Diskussion nicht gerade entschärfen. Bereits nach den Ausschreitungen im Juni 2020 löste das Vorgehen der Stuttgarter Polizei, die von einer„Stammbaumforschung“ sprach und nach der Herkunft der Jugendlichen fragte, heftige Kritik aus. Politiker von SPD, Grünen, Linken und FDP hatten die Polizei Stuttgart nach dem Erscheinen des damaligen Polizeiberichts stark verurteilt.

Die Grünen-Innenpolitikerin Irene Mihalic sagte in Hinblick auf die Prüfung der Herkunft der Jugendlichen durch die Polizei: „Es gehört bei jugendlichen Tatverdächtigen dazu, festzustellen, ob sie in schwierigen Lebensverhältnissen aufwachsen. Das macht aber in der Regel die Jugendgerichtshilfe und nicht die Polizei.“ Dass man sich in Stuttgart offensichtlich auf die Nationalität der Eltern fokussiert habe, sei sinnlos und rechtlich fragwürdig.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare