Brandbrief an die Stadt

„Unerträglich“: Stuttgarter Wirt fordert Hilfe vom Rathaus - Randalierer am Kleinen Schlossplatz belästigen Gäste

Krawall-Macher hinterlassen ihre Spuren in der Stuttgarter Innenstadt.
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Krawall-Macher hinterlassen ihre Spuren in der Stuttgarter Innenstadt.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Ein Wirt am Kleinen Schlossplatz in Stuttgart ist verzweifelt: Pöbler urinieren von der oberen Treppe auf seine Gäste und werfen mit Bierbechern nach ihnen. Er fordert Unterstützung von der Stadt.

Stuttgart - Die Lage am Kleinen Schlossplatz in Stuttgart spitzt sich zu. Laut der angrenzenden Wirte kommt es fast jedes Wochenende zu Krawallen. Auch Restaurant-Gäste werden offenbar immer wieder von Unruhestiftern angepöbelt. Der Wirt der Alten Kanzlei sagt sogar, der Platz um die Freitreppe habe sich zum „neuen Ghetto von Stuttgart“ entwickelt. Auch der Wirt der Gaststätte „Ochs‘n Willi“ ist am Ende seiner Geduld. Gegenüber der Stuttgarter Zeitung berichtet er von unglaublichen Vorgängen, bei denen junge Krawall-Macher von der Treppe aus auf die Gäste in seinem Biergarten gepinkelt hätten.

„Ich bin eigentlich ein friedlicher Mensch“, sagt Urs Zondler der Zeitung. Doch angesichts dessen, was gerade um seinen „Ochs‘n Willi“ herum passiere, packe auch ihn die Verzweiflung. „So schlimm wie in den vergangenen Wochen war es in der ganzen Zeit noch nie“, berichtet er. „Rabauken“ hätten von der oberen Plattform des Kleinen Schlossplatzes aus nicht nur auf seine Gäste uriniert, sondern auch mit halb vollen Bierbechern nach ihnen geworfen.

Stuttgart: Wirt schreibt Brandbrief an OB Frank Nopper

Urs Zondler versteht die Welt nicht mehr: Während die Stadt Verweilverbote am Marienplatz und Feuersee verhängt hat, wurde ein solches für den Kleinen Schlossplatz - trotz der geschilderten Widrigkeiten - bislang nicht beschlossen. Nun hofft Zondler, die Stadt mit einem Schreiben an Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) zum Handeln zu bewegen. Darin fordert er den OB auf, „den unhaltbaren Zustand möglichst rasch abzustellen“. Wie die Stadt gegenüber der Stuttgarter Zeitung bestätigte, hat der Brief das Rathaus erreicht. Man wolle zeitnah über Ordnungsbürgermeister Clemens Maier das Gespräch mit Zondler suchen, heißt es von der Stadt.

Auf Anfrage beteuerte die Stuttgarter Polizei, die Präsenz am Kleinen Schlossplatz bereits aufgestockt zu haben. „Es wäre sonderbar, wenn die Polizei ein Jahr nah der Krawallnacht und den jüngsten Vorgängen rund um Freitreppe und Schlossplatz mit zu wenig Beamten argumentieren würde“, sagt Polizeisprecher Stefan Keilbach der Stuttgarter Zeitung - und betont, dass am Kleinen Schlossplatz ein Schwerpunkt der Kontrollen liege.

Immer wieder Ausschreitungen in Stuttgart - Polizei stockt Präsenz auf

Nach den Ausschreitungen im sonst so friedlichen Stuttgart im Juni 2020 wird viel diskutiert, wie Krawalle an den Brennpunkten der Stadt eingedämmt werden können. Ende Mai 2021 kam es jedoch erneut zu Auseinandersetzungen in Stuttgart, die böse Erinnerungen an die Krawallnacht weckten. Rund 600 Menschen versammelten sich abermals an der Freitreppe. Die Bilanz: Tätliche Angriffe, Sachbeschädigungen, Beleidigungen von Beamten und Verstöße gegen die Corona-Regeln. Die Polizei betonte daraufhin, mehr Präsenz in Baden-Württembergs Städten zu zeigen.

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