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Stuttgart plant neuen Stadtteil Rosenstein fast ohne Parkplätze – „Jeder, der da wohnt, tut mir leid“

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Von: Nadja Pohr

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Die Stadt Stuttgart will bei der Planung des neuen Stadtteils Rosenstein neue Wege in Sachen Mobilität einschlagen. Daher werde dort weniger Parkraum geschaffen.

Stuttgart - Durch den Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs erhält die Stadt die Möglichkeit, die frei werdenden Gleisflächen im Zentrum der Landeshauptstadt neu zu bebauen. Die Stadt hat für den neuen Stadtteil Rosenstein große Visionen. Es soll ein „lebendiger, vielfältiger Stadtteil mit einem starken ‚Wir-Gefühl‘“ unter den Bewohnern werden, heißt es auf der Seite des Projekts.

Für das Rosensteinquartier sind 85 Hektar mit bis zu 5800 Wohneinheiten geplant. Darüber hinaus sollen dort Schulen, Kitas, Gewerbe, Handel und Büros entstehen. Im Gegensatz dazu werde in dem neuen Stadtteil für Autos weniger Plätze geschaffen. Dies hat der Gemeinderat Stuttgart mehrheitlich beschlossen. „Stuttgart Rosenstein ist als innovativer und damit zukunftsweisender Stadtteil konzipiert, in dem wir auch im Bereich der innerstädtischen Mobilität neue Wege gehen“, sagte Bürgermeister Peter Pätzold zu der Entscheidung, die er als „wichtige Etappe“ sieht.

Nur noch 0,3 Parkplätze je Wohnung: Stuttgart schränkt Parkraum im Rosensteinquartier stark ein

Die Stadt Stuttgart hat für das Neubaugebiet Rosenstein einen Schlüssel von maximal 0,3 Parkplätzen je Wohnung beziehungsweise 0,2 im Europaviertel wegen der Nähe des Hauptbahnhofs beschlossen. Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik hat der Planung bereits im November 2022 zugestimmt. Durch einen guten Anschluss an den ÖPNV und ein breites Carsharing-Angebot wolle man Autos für das Rosensteinquartier überflüssig werden lassen.

Visualisierung eines Quartiershubs in Stuttgart Rosenstein.
Visualisierung eines Quartiershubs in Stuttgart Rosenstein. © asp Architekten/Koeber Landschaftsarchitektur

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Das Mobilitätskonzept sehe vor, dass für jeweils 10 Wohnungen ein Stellplatz mit einem Carsharing-Fahrzeug zur Verfügung stehe, heißt es in der Pressemitteilung. Besucher des Stadtteils können auf kostenpflichtigen Stellplätzen vor Ort parken. „Ein Ausweichen des Parksuchverkehrs in angrenzende Stadtgebiete soll über das kostenpflichtige Parkraummanagement verhindert werden“, teilt die Stadt mit. Für soziale Dienste, Handwerker oder Kurier- und Logistikdienste plane man darüber hinaus spezielle Parkflächen.

Zum Scheitern verurteilt oder richtige Strategie? Stuttgarter diskutieren über Plan für Rosensteinquartier

Im Netz spaltet sich die Meinung der Stuttgarter zur Parkplatz-Planung für das Rosensteinquartier. Einige können sich durchaus vorstellen, dass das Konzept funktionieren werde. „Mir gefällt diese Idee“, freut sich ein Facebook-User. „Super Idee. Wäre genau mein Ding und es gibt bestimmt genug Interessenten“, schreibt ein weiterer auf Instagram. „Wie schön das sein muss, wenn man nicht immer von nervigen Autos beim Radeln gestört wird“, schwärmt ein Nutzer. Das sieht auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club so und kommentiert: „Wie das funktionieren soll? Wir sind gespannt. Aber die Kombination aus Fuß, Rad, ÖPNV und Auto ist innovativ. Wir freuen uns darauf und hoffen auf mehr Platz fürs Rad.“

Luftbild des Rosensteinparks in Stuttgart
Im Zuge des Umbaus des Hauptbahnhofs Stuttgart werden die Gleisflächen in der Nähe des Rosensteinparks verschwinden. Entstehen soll dort dann ein neuer Stadtteil. © IMAGO/Imagebroker

Viele treten dem Plan jedoch auch skeptisch gegenüber und sehen die Strategie zum Scheitern verurteilt. „Als ob Menschen, die sich teure Neubaumieten in der Innenstadt leisten können, freiwillig auf individuelle Mobilität verzichten werden“, gibt ein User zu bedenken. „Klar, schön überteuert und auch noch aufs Auto verzichten. Jeder, der da wohnt und den Dreck unterstützt, tut mir leid“, äußert ein anderer. „Schlechte Planung. Wenigstens Tiefgaragen sollte man bauen“, schreibt ein Nutzer.

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