Anwohner im Clinch

Stuttgarterin soll nach 8 Jahren „Schwätzbänkle“ abbauen - weil es die neuen Nachbarn stört

Eine leere Sitzbank steht neben einem kleinen runden Tisch.
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Eine Bank sorgt in Stuttgart für Aufregung (Symbolfoto).
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Im Stuttgarter Westen tobt ein Nachbarschaftsstreit. Der Grund: Ein „Schwätzbänkle“, das seit acht Jahren vor dem Haus steht und plötzlich manche Anwohner stört.

Stuttgart - Viel Wirbel um eine kleine Sitzbank: Im Westen der Landeshauptstadt Stuttgart will das Ordnungsamt das private „Schwatzbänkle“ einer Anwohnerin entfernen, nachdem sich Nachbarn beschwert haben. Diese stören sich offenbar an dem Mobiliar, das, an der Hauswand stehend, 50 Zentimeter des 2,50 Meter breiten Bürgersteigs einnimmt. Marina Mayer, die die Bank vor acht Jahren dort aufgestellt hat, versteht die Welt nicht mehr.

„Eigentlich habe ich ein gutes Nachbarschaftsverhältnis“, erklärt Marina Mayer gegenüber dem SWR. Mit allen Nachbarn stehe sie gut da. „Seit zwei Jahren sind aber Neue hier zugezogen, und denen passt das Bänkle nicht.“ Im April ist der Eigentümer aufgefordert worden, die Bank unverzüglich aus dem öffentlichen Raum zu entfernen. Für ungehinderten Fußgängerverkehr müsse der Gehweg 2,50 Meter breit sein, erklärt das Ordnungsamt. Marina Mayer findet das eine schreiende Ungerechtigkeit: „Es stehen so viele Privat-Bänke vor den Häusern im Stuttgarter Westen - und da tut sich nichts. Nur hier bei mir.“

„Schwatzbänkle“: Noch nie hat sich jemand beschwert - jetzt prüft das Ordnungsamt den Fall

Mayer betont: An der Bank komme jeder Rollstuhlfahrer vorbei, es gäbe keinen Lärm und nachts auch keinen Tabak-Geruch - was die besagten Anwohner offenbar vorwerfen. Noch nie habe sich jemand beschwert. Im Gegenteil: Andere Anwohner, mit denen der SWR gesprochen hat, schätzen das „Schwätzbänkle“ vor dem Haus: „Es kommen Berufsschüler von drüben oder ältere Leute, wenn sie vom Markt kommen, und ruhen sich hier aus“, sagt Anwohnerin Alexandra Hoch. Auch die Blumen, die Frau Mayer neben der Bank aufgestellt hat, würden sehr gerne betrachtet. „Und jetzt auf einmal soll dieses Bänkle weg. Was wir alle nicht verstehen können.“

Offenbar wurde das Ordnungsamt erst durch die Beschwerde der Nachbarn auf das Bänkle aufmerksam. Im Raum stehen Anschuldigungen wie Lärm, Blockierung des Gehwegs oder Geruchsbelästigung durch Raucher, die sich an der Bank aufhalten. „Private Möblierungen im öffentlichen Raum sind grundsätzlich erstmal genehmigungspflichtig“, sagt Susanne Scherz vom Amt für öffentliche Ordnung im Gespräch mit dem SWR. „Der öffentliche Raum gehört erstmal der Allgemeinheit und muss für alle einen Mehrwert bieten. Wenn ich dort etwas errichten möchte, muss ich vorher die Spielregeln geklärt haben.“

Ordnungsamt will im Herbst entscheiden: „Für und Wider prüfen“

Aktuell prüft das Ordnungsamt, ob die Bank auf dem öffentlichen Gehweg stehen bleiben darf. „Ob man hier eine Aufenthaltsmöglichkeit für die Nachbarschaft oder für alle schaffen darf, ist eine neue Fragestellung“, so Susanne Scherz vom Ordnungsamt laut SWR. „Diese Fragestellung müssen wir in der Verwaltung erst klären und abstimmen.“ Man prüfe nun das „Für“ und „Wider“ und werde dann im Herbst mit den Bezirksvorstehern und der Politik in Kontakt treten.

Da Marina Mayer und die „Schwatzbänkle“-Befürworter nicht bis Herbst abwarten wollen, haben sie die Bank einfach wieder aufgestellt - dafür nehmen sie auch ein Bußgeld in Kauf. Zu einem ganz ähnlichen Nachbarschafts-Streit kam es kürzlich in einer anderen Stadt in Baden-Württemberg: Im Juli verbot die Stadt Heidelberg den Einwohnern, mit Klappstühlen vor der Haustüre zu sitzen, nachdem Anwohner sich beschwert hatten. Letztlich hat die Stadt Heidelberg in dem Fall jedoch eingelenkt und das Verbot aufgehoben. Das Thema hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.

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