Wahl am Sonntag

Stuttgart der Zukunft: Bilder zeigen, wie die OB-Kandidaten die Stadt verändern wollen

Lageplan der Auwiesen
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So könnten die Auwiesen am Neckar in Zukunft wieder aussehen.
Die Visualisierung eines Weges entlang am Neckar.
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Cannstatter Wasen: In Stuttgart ist der Neckar bislang kaum zugänglich. Wege sollen künftig Flanieren ermöglichen.
Visualisierung der Umgestaltung des Hechtkopfs
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Auch am Hechtkopf soll es in Stuttgart künftig möglich sein, die Füße in den Neckar zu halten.
Flussterrassen im Lindenschulviertel
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Das Lindenschulviertel in Stuttgart Untertürkheim soll ein Erlebnisort mit Flussterrassen werden.
Neuer Stadtraum B14: Die Umgestaltung am Neckartor bietet mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer.
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Am Neckartor stehen künftig nicht mehr Autos, sondern Fußgänger und Radfahrer im Mittelpunkt.
Neuer Stadtraum B14: Der Bereich am Neckartor wird weitläufig umgestaltet.
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Zwischen Neckartor und Heilmannstraße soll ein Stadtboulevard für Fußgänger und Radfahrer entstehen.
Neuer Stadtraum B14: Anstelle weiterer Fahrstreifen für Autos entsteht inmitten der B14 eine Rambla.
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Kultur Ramblas: Die B14 bekommt weniger Fahrstreifen, stattdessen entsteht eine Rambla - ein 30 Meter breiter, alleengesäumter Parkstreifen.
Neuer Stadtraum B14: „Leonhards Wohnzimmer“ soll eine Art städtisches Wohnzimmer werden.
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Leonhards Wohnzimmer: Leonhardskirche, Gustav-Siegle Haus und Kulturquartier werden eine Art „städtisches Wohnzimmer.“
  • Valentin Betz
    vonValentin Betz
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Die Grünen galten lange als Vorreiter beim Thema Umweltschutz. Doch die Programme der Stuttgarter OB-Kandidaten zeigen: An Ideen für ein „grünes“ Stuttgart mangelt es keinem.

Stuttgart - Der 8. November 2020 ist ein wichtiger Tag für die Landeshauptstadt. Dann wird bei der Wahl des neuen Oberbürgermeisters entschieden, wer künftig die Politik in Stuttgart maßgeblich mitbestimmt. Zuletzt hatte eine Umfrage der Universität Hohenheim ergeben, dass ein Viertel der Stuttgarter Wähler noch unentschlossen ist.

Ein großer Teil der Bevölkerung ist momentan offenbar für OB-Kandidat Frank Nopper (CDU), der Stuttgart ein neues Image verpassen will. Zwischen 12 und 16 Prozent würde hingegen für Marian Schreier stimmen. Damit könnte auch der 30-jährige SPD-Politiker Stuttgarts neuer OB werden.

Die Wahlprogramme der insgesamt 14 Bewerber für das Amt des Oberbürgermeisters in Stuttgart unterscheiden sich im Detail mitunter stark. Allerdings fällt bei genauerer Betrachtung auf: Die Themen Klima- und Umweltschutz sind nicht mehr alleiniges Hoheitsgebiet der Grünen. Viele Kandidaten sind sich, was Mobilität und Klimaschutz angeht, bemerkenswert einig.

Wie das neue, grüne Stuttgart aussehen soll, zeigen die Fotos in der Bildergalerie oben.

Hier sind die wichtigsten Punkte, die die Kandidaten für den Posten des Oberbürgermeisters in Stuttgart beim Thema Klima und Umwelt beschäftigen:

1. Verkehr in Stuttgart: Weniger Feinstaub, mehr Radwege

Der Verkehr in Stuttgart ist eines der maßgeblichen Themen in den Wahlprogrammen der OB-Kandidaten. In der Vergangenheit war die Landeshauptstadt vor allem bekannt für den Feinstaub in Stuttgart. Hauptverursacher dieses Problems ist bekanntermaßen der dichte Autoverkehr. Beim Mobilitätsmix sind sich die Kandidaten für die OB-Wahl in Stuttgart dagegen nicht wirklich einig. Fest steht, dass die Mehrheit aber die Bedeutung von Radfahren und zu Fuß gehen deutlich anheben will.

Häufig fällt das Stichwort des „durchgängigen und sicheren Radwegenetzes“. Das war nicht zuletzt auch beim städtebaulichen Wettbewerb „Neuer Stadtraum B14“ wichtig. Der Siegerentwurf will den Verkehr zwischen Marienplatz und dem Schwanenplatztunnel künftig oberirdisch führen und dafür sogar Fahrspuren aufgeben. „Jetzt soll diese Schneise, eine Art Stadtautobahn, zu einer normalen Stadtstraße werden. Das schafft mehr Raum für Radler und Fußgänger“, so der noch amtierende Oberbürgermeister Fritz Kuhn.

Darüber hinaus setzen sich die aktuellen OB-Kandidaten in Stuttgart für „kurze Wege“ ein. Arbeiten, Freizeit und Wohnen soll künftig wieder näher zusammenrücken, damit Stuttgarter der Umstieg auf das Fahrrad oder den Weg zu Fuß erleichtert wird.

2. Mobilität in Stuttgart: Zentren für den Pendlerverkehr abseits der Innenstadt

Wer hingegen aus der Region nach Stuttgart pendelt, könnte dabei in Zukunft einen so genannten Mobilitätshub ansteuern - zumindest haben einige OB-Kandidaten diese Idee. Ziel dieser Hubs ist es, dort zahlreiche verschiedene Mobilitätsangebote zu bündeln und den Feinstaub damit vor den Toren der Stadt zu lassen.

Ein Autofahrer könnte dort beispielsweise sein Fahrzeug abstellen und in den ÖPNV umsteigen. Oder jemand reist mit dem Nahverkehr an, um sich im Mobilitätshub ein Carsharing-Auto für eine Dienstfahrt zu mieten. Aber auch Busse, Ladestationen für E-Autos oder E-Bikes sollen die Hubs bieten. Solche Zentren der Mobilität böten sich in Stuttgart an den Bundesstraßen an, die in die Stadt hinein führen, zum Beispiel an der B10/B14 oder an der B27.

3. Klimaschutz in Stuttgart: Das Stadtbild könnte sich radikal verändern

Zu Beginn der Corona-Krise warnte Winfried Kretschmann vor einer größeren Gefahr. „Der Klimawandel kann die ganze Welt nachhaltig erschüttern und ihn können wir nicht irgendwann einfach wegimpfen“, so Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Das haben wohl auch die OB-Kandidaten für Stuttgart erkannt. Grüne Themen gibt es viele in den Programmen.

Ein Vorhaben rücken viele OB-Kandidaten wieder prominent in den Vordergrund: Sie wollen, dass das „Blaue Band“ in Stuttgart wieder stärker verfolgt wird. Damit ist eine lebenswerte Stadt am Neckar gemeint, die in Zukunft erschlossen werden soll. Denn der Fluss ist eigentlich kaum zugänglich und hauptsächlich durch Industrie und Bundesstraßen geprägt.

Die Stadt am Neckar ist ein Dauerthema in der Stuttgarter Politik, die Idee zur Umsetzung kam vom noch amtierenden Oberbürgermeister Fritz Kuhn. Passiert ist diesbezüglich allerdings noch nicht viel. Der Plan hinkt der Realität komplett hinterher. Die Stuttgarter Nachrichten schrieben zuletzt: „Bei der ‚Stadt am Fluss‘ verschiebt sich fast alles.“

4. Stadt am Neckar: Lage am Fluss ist kompliziert

Immerhin gibt es einen Masterplan zum „Erlebnisraum Neckar“, der rund zwanzig Einzelprojekte umfasst, die dort umgesetzt werden sollen. Eingeteilt sind sie nach Zeithorizonten: Bis 2022, ab 2022 und ab 2035. Schon daran lässt sich erahnen, dass die Vision der Stadt am Neckar kompliziert ist. Die Stadt Stuttgart rechnet selbst „frühestens im Jahrzehnt nach der Internationalen Bauausstellung 2027“ damit.

Die Universität Stuttgart hat sich mit der Umsetzbarkeit einer Stadt am Neckar bereits beschäftigt. Das Problem dabei: Die Transformation des industriell geprägter Flussufers hin zu nachhaltigen urbanen Lebensräumen scheitert an den Besitzverhältnissen entlang des Neckars. Wie Markus Blesl von der Uni Stuttgart gegenüber BW24 erklärt, gehören die Flächen entlang des Neckars nicht alle der Stadt oder dem Land, sondern häufig Unternehmen.

5. Stuttgart am Fluss: Energiewende als Chance für die Erschließung des Neckars

Mit der Energiewende könnten beispielsweise das Heizkraftwerk Stuttgart-Gaisburg am Neckar wegfallen, so Markus Blesl. Das Kraftwerk wurde früher mit Kohle betrieben, inzwischen läuft es mit Gas. Ähnlich ist die Lage fast überall entlang des Neckars. Anstatt eines „Blauen Bandes“, wie es sich der Masterplan für den „Erlebnisraum Neckar“ wünscht, wird es daher auf absehbare Zeit eher eine „Perlenkette“ mit einzelnen Perlen geben.

Die komplizierten Besitzverhältnisse entlang des Neckars sind wohl auch ein Grund, warum die OB-Kandidaten für Stuttgart kaum konkrete Vorschläge machen, wie man denn die lang ersehnte Stadt am Neckar möglichst zügig umsetzt. Bis dahin bleibt nur die angenehme Vorstellung, direkt am Neckar spazieren zu gehen, seine Füße in den Fluss zu halten oder die Sonne auf einer Wiese direkt am Wasser zu genießen.

Rubriklistenbild: ©  asp Architekten

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