Verbotene Aktion

OB-Wahl in Stuttgart: Unerlaubte Lichtprojektion wirbt an Fernsehturm und Staatsbibliothek für Marian Schreier

  • Valentin Betz
    vonValentin Betz
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Marian Schreier will bei der OB-Wahl in Stuttgart ohne Partei im Hintergrund gewinnen. Unterstützer seines Programms haben jetzt bei einer Aktion wohl über die Stränge geschlagen.

Stuttgart - Die Politik in Stuttgart bekommt am 8. November einen neuen Chef. Dann wählt Stuttgart einen neuen Oberbürgermeister ins Rathaus. Der aktuelle Amtsinhaber Fritz Kuhn von den Grünen war nicht erneut zur Wahl angetreten.

Unter den vierzehn Kandidaten für das Amt ist auch Marian Schreier. Der 30-Jährige könnte neuer OB in Stuttgart werden - ohne die Unterstützung seiner Partei. Kurz vor der Wahl droht dem Bewerber allerdings juristischer Ärger. Denn bereits am vergangenen Sonntag waren in Stuttgart Lichtprojektionen aufgetaucht, die dazu aufriefen, Marian Schreier zu wählen - ohne Genehmigung.

OB-Wahl in Stuttgart: Marian Schreier droht Ärger wegen Marketing-Aktion vor der Wahl

Wie der SWR berichtet, hätten laut Marian Schreier Unterstützer aus der Clubszene am vergangenen Wochenende Wahlwerbung für ihn auf verschiedene Sehenswürdigkeiten in Stuttgart mit einer Laserkanone projiziert. Neben dem Fernsehturm, dem Rathaus und der Stadtbibliothek war die Leuchtschrift auch am Hauptbahnhof zu sehen.

Unklar ist allerdings, ob die Unterstützer auch im Auftrag von Marian Schreier handelten. Seinen Aussagen gegenüber dem SWR zufolge war es eine Guerilla-Marketing-Aktion unter dem Namen „Change Stuttgart“. Das dabei entstandene Material - Videos und Fotos - will er aber weiterhin für die eigene Wahlwerbung einsetzen, so der SWR. Das Problem: Die Aktionen waren nicht genehmigt.

OB-Wahl in Stuttgart: Marian Schreier ist erst 30, traut sich das Amt des Oberbürgermeisters aber zu.

Der SWR ist Eigentümer des Fernsehturms und teilte mit, nicht über die Aktion informiert gewesen zu sein. Der Sender verhalte sich politisch neutral und hätte eine zusätzliche Beleuchtung des Fernsehturms aus Tierschutzgründen untersagt. Genauso sieht es beim Rathaus und der Stadtbibliothek aus. „Das Rathaus ist keine Projektionsfläche für Werbung jedweder Art“, so ein Sprecher zur dpa. Die Stadt bat deshalb Marian Schreier um eine Stellungnahme und prüft juristische Schritte.

OB-Kandidat Marian Schreier: Sprecher verteidigt die Guerilla-Marketing-Aktion im Wahlkampf

Marian Schreier ist nicht der erste Kandidat, dem während des Wahlkampfs für die OB-Wahl in Stuttgart juristische Probleme drohen. Ein weiterer OB-Kandidat in Stuttgart stand wegen Hausfriedensbruchs vor Gericht. Hannes Rockenbauch hatte sich mit Kollegen illegal Zugang zu einer leerstehenden Wohnung verschafft und dort ein Interview gefilmt. Inzwischen wurden die drei Männer vom Amtsgericht Stuttgart zu Geldstrafen verurteilt.

Ob das auch bei Marian Schreier passieren könnte, ist noch unklar. Wirklich einsichtig zeigte man sich beim Team des OB-Kandidaten jedenfalls nicht. „Dass sich junge Leute - noch dazu aus der von Corona arg gebeutelten Kulturszene - politisch für kommunale Themen engagieren, finden wir erst einmal gut“, so ein Sprecher von Marian Schreier zur dpa. „Wenn dann bei so einer kreativen und corona-konformen Aktion an der einen oder anderen Stelle vielleicht über das Ziel hinausgeschossen, bzw. -geleuchtet wird, sollte man das nicht überbewerten.“

Rubriklistenbild: © Gerber & Loesch / Marian Schreier

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