Stadtteil Stuttgart-Möhringen

Tausende fordern, dass rassistisches Symbol von Wappen in Stuttgart verbannt wird

Wappen von Stuttgart-Möhringen, im Hintergrund ist die Stadt zu sehen
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Das Wappen von Stuttgart-Möhringen enthält ein rassistisches Symbol
  • Valentin Betz
    vonValentin Betz
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Eine Online-Petition fordert, dass das Wappen des Stuttgarter Stadtteils Möhringen geändert wird. Der Grund: Darauf ist der Kopf eines „Mohren“ abgebildet.

  • Eine Online-Petition fordert die Änderung des Wappen von Stuttgarter-Möhringen, weil es rassistisch sei.
  • Das Wappen besteht aus vier Symbolen, eines davon eine klischeehafte Darstellung einer dunkelhäutigen Person.
  • Nach dem gewaltsamen Tod des US-Amerikaners George Floyd demonstrieren auch in Deutschland Tausende unter dem Motto „Black Lives Matter“ gegen Rassismus.

Stuttgart - Nachdem der US-Amerikaner George Floyd bei einem Polizeieinsatz getötet wurde, gab es auch in Stuttgart und Baden-Württemberg Demonstrationen gegen Rassismus. In Stuttgart demonstrierten Tausende unter dem Motto „Black Lives Matter“. Andere drückten ihre Anteilnahme still aus: So gedachten Unbekannte George Floyd am Parkhaus Züblin mit einem riesigem Graffiti.

Jetzt fordert eine Online-Petition ganz konkrete Maßnahmen gegen Rassismus in Stuttgart. Anlass ist das Wappen des Stadtteils Möhringen. Darauf sind vier Symbole abgebildet: eine dreilatzige Fahne, fünf schwarze Kreise, ein zerbrochenes Rad und der Kopf eines „Mohren“. Letzterer zeigt auf klischeehafte Weise eine dunkelhäutige Person, mit dicken roten Lippen, krausem Haar und übergroßen Kreolen-Ohrringen.

Rassistische Darstellung auf Wappen: „Mohrenkopf“ weit entfernt von „Black Lives Matter“

„Die Bezeichnung ‚Mohr‘ und die groteske Skizzierung des ‚Mohrenkopfs‘ (oftmals als Diener abgebildet) stammt aus der deutschen Kolonialzeit und hat eine klare rassistische Konnotation und ist wegen der menschenverachtenden Anmaßung Schwarze Menschen im historischen Kontext abwertend darzustellen nicht als Stadtteilwappen geeignet und gehört abgeschafft“, heißt es in der Petition.

Okan Alaca, der Ersteller der Petition, fordert daher, dass „in Anbetracht des laufenden Diskurses über systematische Verharmlosung rassistischen Gedankenguts und dessen visuelle Abbildung“ das Wappen geändert wird. Die Petition richtet sich unter anderem an Evelyn Weis, Bezirksvorsteherin des Stadtteils Stuttgart-Möhringen. Wie die Stuttgarter Zeitung (StZ) berichtet, zeigt diese nur teilweise Verständnis für die Petition. „In der aktuellen Situation kann ich den Unmut beziehungsweise das Unverständnis über das Wappen selbstverständlich nachvollziehen. Ich verwehre mich aber dagegen, die Inhalte des Wappens von Möhringen auf eine Stufe mit den menschenverachtenden Vorkommnissen in den USA zu stellen“, sagt Weis gegenüber der StZ.

Wappen von Stuttgart-Möhringen: Entstehung des Ortsnamens hat nichts mit „Mohren" zu tun

In Möhringen sei wegen des Wappens schon vor Bekanntwerden der Petition eine Arbeitsgruppe gebildet worden, die sich mit dem Wappen auseinandersetze und dessen Entstehung und Entwicklung recherchiere, so Weis zur StZ. Derzeit ist nicht ganz klar, wie der Kopf des „Mohren“ überhaupt auf das Wappen gekommen ist. Denn selbst die Homepage des Stadtteils Stuttgart-Möhringen gibt an, dass der Ursprung des Ortsnamens anders hergeleitet wird. Die Bezeichnung käme vom alamannischen Sippennamen des Gründers Moro. Zwischen 1100 und 1300 wird der Ort in Zeugnissen entsprechend auch als „Moringen“ bezeichnet.

„Bei dem Möhringer Stadtwappen handelt es sich um ein sogenanntes sprechendes Wappenbild“, so Bezirksvorsteherin Evelyn Weis zur StZ, „das heißt, es nutzt die Lautsprache – sodass es auch für Menschen zugänglich ist, die nicht lesen und schreiben können“. Das Bild des „Mohren“ werde dabei als Bild für Möhringen genutzt.

Petition gegen rassistisches Wappen in Stuttgart: Ziel schon fast erreicht

Okan Alaca hat deshalb in seiner Petition gleich einen Vorschlag, wie das künftige Wappen aussehen soll: „Wir schlagen vor den Wappenteil zum Beispiel mit einer Möhre zu ersetzen, da diese genau so wenig mit der Wortherkunft Möhringens zu tun hat wie Schwarze Menschen.“

Das Ziel der Petition ist es, 7.500 Stimmen gegen das aktuelle Wappen des Stuttgarter Stadtteils Möhringen zu sammeln und so eine Änderung zu bewirken. Am Montag Nachmittag waren bereits 5.400 Stimmen erreicht.

Bismarckplatz in Stuttgart: Unbekannte gedenken mit nächtlicher Aktion George Floyd

Mit einer nächtlichen Aktion haben Unbekannte am Sonntag dem durch Polizeigewalt getöteten George Floyd gedacht. Sie benannten den Bismarckplatz in Stuttgart um - in "George Floyd Platz". Auch ein Straßenschild und eine Bushaltestelle überklebten die Aktivisten mit dem Namen von George Floyd. Jetzt ermittelt das Ordnungsamt wegen unerlaubten Plakatierens.

In Freiburg wird derzeit ebenfalls über historisch vorbelastete Namen und Personen diskutiert. Eine Bronzebüste vor der Konviktskirche stellt einen zu Lebzeiten bekennenden Judenhasser hab. Das Erzbistum Freiburg beantragte daher den Abbau des Denkmals. Zudem wurden beziehungsweise werden insgesamt zwölf Straßennamen in Freiburg umbenannt.

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