Immobilienpreise in der Landeshauptstadt

In Stuttgart werden günstige Mieten bestraft - „Finde es unehrlich von der Politik“

Blick über Stuttgart
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Die Mietpreise sind in Stuttgart ohnehin hoch. Vermieter, die jedoch zu günstige Mieten anbieten, werden vom Finanzamt bestraft.
  • Nadja Pohr
    VonNadja Pohr
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In Stuttgart sorgten Fälle für Aufsehen, bei denen Vermieter für günstigere Mieten bestraft wurden. Ein Experte klärt auf, worin die Probleme liegen.

Stuttgart - Wohnen in Stuttgart ist eine teure Angelegenheit. Doch nicht nur in der Region müssen Mieter tief in die Tasche greifen - überall in den großen Städten Deutschlands explodieren die Mietpreise. Nun wurden Fälle in der Landeshauptstadt bekannt, bei denen Vermieter für das Anbieten günstigerer Mieten vom Finanzamt abgestraft wurden.

Wie viel Miete ein Vermieter verlangen darf, regelt sich hierzulande über die ortsübliche Vergleichsmiete. Sie setzt sich aus mehreren Aspekten wie beispielsweise Art, Größe sowie Beschaffenheit und Lage des Wohnraums zusammen und dient als Maßstab für Preiserhöhungen. Auch der Mietspiegel wird dabei berücksichtigt. Haben Vermieter Aufwendungen für ihre Immobilien in Stuttgart geleistet, können sie diese als sogenannte Werbungskosten von der Steuer absetzen - und hier greift das Finanzamt ein.

Experte über Strafen für zu günstige Mieten in Stuttgart: Niedrige Preise sind „nicht verboten“

Erst wenn die Miete mindestens 66 Prozent des ortsüblichen Vergleichs beträgt, können die Werbungskosten vollständig abgesetzt werden. Liegt sie zwischen 50 und 66 Prozent, kann sie nur teilweise abgeführt werden. Darunter gibt es nichts mehr.

Das Finanzministerium pocht auf das „Gebot der Steuergerechtigkeit“:  Nur wenn durch eine Tätigkeit steuerpflichtige Einnahmen erzielt werden, seien die Aufwendungen dafür grundsätzlich steuermindernd zu berücksichtigen. „Es ist nicht verboten, wenn Vermieter günstige Mietpreise anbieten, man kann dadurch eben keine oder teilweise Werbungskosten von der Steuer absetzen“, erklärt Ulrich Wecker, Geschäftsführer von Haus & Grund in Stuttgart, im Gespräch mit BW24. Der Verband steht unter anderem für einen fairen Interessenausgleich zwischen Mietern und Vermietern.

Mietpreise in Stuttgart: „Gutmütigkeit wird leider häufig bestraft“

In der Landeshauptstadt Baden-Württembergs seien ohnehin nur wenige Ausnahmefälle bekannt und wenn sei das eine private Entscheidung jedes einzelnen, erklärt der Geschäftsführer. Meist würden günstige Mieten bei der Unterbringung von Verwandten vereinbart. „Gutmütigkeit wird jedoch leider häufig bestraft“, sagt der Experte. „Vor allem beim Verkauf führt dies zu Preisabschlägen“.

Missbrauch des Mietspiegels: Experte findet Verhalten der Politik „unehrlich“

Aus Sicht des Experten sei dies aber auch im Grunde richtig. „Wir haben ein funktionierendes System“, sagt Ulrich Wecker. Kritik äußert er dennoch wegen des Missbrauchs des Mietspiegels von der Politik. „Der Mietspiegel diente ursprünglich als ein Begründungs-Instrument für Vermieter, um Mietpreise anzupassen“, so Wecker. „Heute wird damit versucht, die Mieten zu dämpfen und so in den Markt eingreifen zu können.“

„Meiner Meinung nach wird so versucht, ein politisches Versagen zu vertuschen“, sagt der Experte. Denn die Stadt Stuttgart setze eher auf die Verdichtung der Innenstadt und will unberührte Flächen im äußeren Bereich der Region nicht bebauen. Die Konsequenz: Mangelnder Wohnraum und weiterhin hohe Mieten. „Ich finde das Verhalten der Politiker deshalb unehrlich. Am Morgen spricht man sich für den Erhalt Ackerflächen und Wiesen aus, und am Nachmittag beklagt man sich dann über zu hohe Mieten. Ursächlich für diese ist aber, dass zu wenig gebaut wird. Wenn das Angebot gering ist, steigt der Preis.“

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