Datenschutz nicht geachtet

Dreister Fragebogen: Stuttgarterin geschockt, was Vermieterin von ihr wissen will

Eine Frau arbeitet an einem Laptop in ihrem Wohnzimmer.
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Eine Vermieterin in Stuttgart verlangte von einer Interessentin Auskunft über eine mögliche Schwangerschaft.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Eigentlich wollte sich eine Frau in Stuttgart nur eine Wohnung anschauen. Doch vor der Besichtigung forderte eine Vermieterin eine ungewöhnliche Auskunft.

Stuttgart - Wer in der Landeshauptstadt Stuttgart nach einer Wohnung sucht, hat es schon mal per se nicht einfach. Zwar werden die Mieten auf dem Wohnungsmarkt in Stuttgart aktuell wegen Corona günstiger. Dennoch ist der Markt nach wie vor überlaufen und Mieten in Stuttgart sind inzwischen Luxus. Dass Vermieter sich im Voraus über zukünftige Mieter informieren wollen, ist selbstverständlich. Was jedoch eine Stuttgarter Vermieterin kürzlich von einer Wohnungsinteressentin per Fragebogen forderte, ist in Augen des Mieterbundes nicht erlaubt.

Laut den Stuttgarter Nachrichten musste die Wohnungssuchende gegenüber der Vermieterin einen ärztlichen Nachweis erbringen, dass sie nicht schwanger ist - nur unter dieser Bedingung sei überhaupt eine Besichtigung möglich gewesen. Die Forderung stellte die Vermieterin in einem längeren Fragebogen, den sie der Interessentin übermittelte. Die Wohnungssuchende richtete sich Hilfe suchend an den Stuttgarter Mieterverein. Besonders dubios: Die vermeintliche Vermieterin empfahl der Frau noch eine Online-Sprechstunde, bei der sie den Schwangerschaftsnachweis erfragen könne. Offenbar gab es jedoch die genannte Frauenärztin mit diesem Namen in Stuttgart gar nicht.

Wohnungssuche in Stuttgart: Ob jemand schwanger ist, darf niemand wissen - Abfrage war unzulässig

In Hinblick auf den Datenschutz ist der Fall eindeutig. Die Frage nach einer Schwangerschaft von potenziellen Mietern ist unzulässig, wie Rolf Gaßmann vom Mieterverein Stuttgart den Stuttgarter Nachrichten sagte. Zwar dürfe ein Vermieter fragen, wie viele Kinder mit einziehen, da er ein Interesse daran habe, zu wissen, wie viele Menschen in der Wohnung leben werden. Ob jemand schwanger ist, falle jedoch unter die Privatsphäre. Ebenso unzulässig seien Fragen nach Vorstrafen oder dem Gesundheitszustand des zukünftigen Mieters.

Klar ist: Ein Vermieter benötigt bestimmte Daten, um mit jemandem ein Mietverhältnis eingehen zu können. Natürlich darf der Vermieter, wenn er einen Mieter endgültig ausgesucht hat, Fragen zu dessen Einkünften stellen. Willkürliches Datensammeln im Bewerbungsprozess ist jedoch gesetzlich nicht erlaubt. Maßgebend für die Legalität von Auskünften ist laut Mietrecht immer der Zeitpunkt im Mietprozess. Zur Wohnungsbesichtigung ist lediglich der Name und die Adresse des Interessenten nötig. Auch wäre es aus rechtlicher Sicht kein Grund für die Kündigung, wenn im Nachhinein eine Schwangerschaft der Mieterin bekannt wird.

Vermieter mit fragwürdigen Methoden - „Anbieter von Anzeigen auf Seriosität prüfen“

Dass jemand die Situation einer Wohnungssuchenden in Zeiten horrender Preise für Wohnungen und Immobilien in Stuttgart auf diese Art ausnutzt, ist für die Betroffene unbegreiflich. „Vielleicht sind die Leute nur auf Datenfang?“, spekulierte die Wohnungsinteressentin gegenüber den Stuttgarter Nachrichten. Anfragen der Zeitung beim Online-Portal Ebay Kleinanzeigen, wo die Wohnungsanzeige geschaltet war, ergaben: Fälle wie der Beschriebene sind bislang nicht bekannt. Allerdings komme es immer wieder zu Identitätsdiebstahl- und missbrauch. „Nutzer sollten sich vorab ein Bild vom Anbieter machen und dessen Seriosität prüfen, ehe sie Selbstauskunft geben“, so der Sprecher. Im Zweifel solle man auffällige Anzeigen melden.

Der Polizei Stuttgart sind solche Fälle offensichtlich nicht unbekannt. Häufig tauchen im Netz falsche Wohnungsanzeigen auf, bei denen von den Interessenten eine Anzahlung im Voraus gefordert wird. Ebenso sind Fälle von Datendiebstahl bekannt. Je mehr Daten herausgegeben werden, beispielsweise Bankverbindung oder Personalausweisdaten, desto gefährlicher wird es für die Betrugsopfer.

Da die Wohnungsinteressentin an der Rechtmäßigkeit der Schwangerschaftsauskunft zweifelte, schickte sie eine E-Mail mit ihren Bedenken an die angebliche Vermieterin. Diese tauchte jedoch unter und deaktivierte ihre E-Mail-Adresse.

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