1. bw24
  2. Stuttgart

Vier Messerangriffe am Wochenende in Stuttgart - Waffenverbotszone rückt wieder in den Fokus

Erstellt:

Von: Nadja Pohr

Kommentare

Eine Gruppe Polizisten läuft über den Schlossplatz in Stuttgart
Die Polizei Stuttgart hofft, dass durch eine Waffenverbotszone die Zahl der Messerangriffe in der Innenstadt zurückgeht. © IMAGO/Arnulf Hettrich

Stuttgart diskutiert seit längerem über eine Waffenverbotszone in der Innenstadt. Vier Angriffe mit einem Messer geben Grund zum Anlass der Debatte. Doch es gibt auch Gegenwind.

Stuttgart - Seit einiger Zeit diskutiert die Politik in Stuttgart über eine Waffenverbotszone in der Innenstadt. Nach der Krawallnacht im Juni 2020 und immer wiederkehrenden Partys in der City, soll die Landeshauptstadt sicherer werden. Doch die Umsetzung der Maßnahme lässt auf sich warten. Stuttgarts Polizeipräsident Markus Eisenbraun kündigte Anfang August an, dass die geplante Waffenverbotszone erst im Herbst zu erwarten ist.

Ende September drängte auch Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) nochmals auf die Einführung, die jedoch erst nach der Zustimmung des Gemeinderats erfolgen könne. Die Rahmenbedingungen seien bereits geschaffen, sagte Nopper dem SWR. „Wenn es nach mir geht, können wir die Entscheidung noch im Oktober herbeiführen. Und dann könnte die Waffenverbotsverordnung ab 1. November in Kraft treten“, so der OB. Es regt sich jedoch Widerstand aus der Stadtverwaltung - und gleichzeitig nimmt die Zahl der Messerangriffe in der Landeshauptstadt zu.

Stuttgart: Vier Messerangriffe am Wochenende - „Ist inzwischen Grundausstattung einer Handtasche“

Die Polizei Stuttgart meldete vom vergangenen Wochenende vier Fälle, bei denen ein Messer im Spiel war. Im Stadtteil Bad Cannstatt kam es am Samstagabend zu einem Streit zwischen zwei Männern, bei dem ein Unbekannter auf einen 37-Jährigen einstach und ihn lebensgefährlich verletzte. In Obertürkheim eskalierte ebenfalls ein Streit zwischen einem 19-Jährigen und einem 22-Jährigen in einer Gaststätte und endete mit einem Messerangriff. In Stuttgart-Münster und in der Innenstadt wurden zwei Personen ausgeraubt und mit einer Klinge bedroht.

Unser Stuttgart-Newsletter versorgt Sie regelmäßig mit allen relevanten News aus der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Hier geht es zur Anmeldung.

Messer spielen immer häufiger eine Rolle bei Auseinandersetzungen. Seit fünf Jahren verzeichnet die Polizei einen Anstieg, wie Markus Eisenbraun mitteilte. Auch bei den Bürgern wächst die Unsicherheit angesichts der steigenden Fälle. „Das kann doch nicht sein“, reagiert ein Facebook-User auf die Taten vom Wochenende. „Vier an einem Wochenende? Das ist doch alles nicht mehr normal“, kommentiert ein anderer. „Das Messer gehört in Stuttgart inzwischen zur Grundausstattung einer Handtasche“, schreibt eine Userin. „Warum wird nicht endlich hart durchgegriffen?“, fragt sich jemand.

Widerstand von FDP und Linke gegen Waffenverbotszone in Stuttgarter Innenstadt lässt Pläne stocken

Der Grund, warum in Stuttgart die Waffen- oder auch sogenannte Messerverbotszone noch nicht verabschiedet ist, ist der Widerstand der FDP und des Linksbündnisses. „Objektiv haben wir keine Zahlen, die eine Messerverbotszone rechtfertigen“, sagt die FDP-Fraktionsvorsitzende Sibel Yüksel. Linken-Stadtrat Luigi Pantisano argumentiert die Ablehnung damit, dass man der Polizei kein zusätzliches Instrument an die Hand geben wolle, um weitere unbegründete Kontrollen zu machen. „Ich halte es für nicht unwahrscheinlich, dass eine Mehrheit dagegen sein wird“, sagte Pantisano den Stuttgarter Nachrichten (StN).

Tatsächlich hält auch der ein oder andere Bürger im Netz nichts von der geplanten Waffenverbotszone. „Was soll eine Messerverbotszone bringen, außer dass gesetzestreue Bürger dann unbewaffnet sind, wenn sie von Leuten angegriffen werden, denen Gesetze und Verbote egal sind“, beschwert sich ein User. Viele glauben kaum, dass sich die Situation durch ein Verbot verbessern würde. „Wer glaubt, dass in einer Messerverbotszone keine Messer mitgeführt werden, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten“, schreibt ein Nutzer. Menschen, die bereit seien, einen anderen mit einem Messer zu verletzen, werden sich dennoch darüber hinwegsetzen, fürchtet ein weiterer. Die Stuttgarter Polizei hingegen sieht die Waffenverbotszone als einen Weg zur Lösung des zunehmenden Problems.

Auch interessant

Kommentare