„Kein Ghosting, keine Fake-Profile“

Tinder war gestern: Startup aus Stuttgart bringt Menschen im „echten Leben“ zusammen

Teilnehmer von Meetalike sitzen in Stuttgart zusammen am Tisch.
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Bar-Hopping mit vielen neuen Gesichtern statt verkrampfte Einzel-Dates: „Meetalike“ bringt Gruppen zusammen, die zusammen passen.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Ein Abend, drei Bars und viele neue Menschen, die gut zu dir passen: Bei „Meetalike“ in Stuttgart wird das Konzept Dating und Freunde finden komplett neu aufgerollt.

Stuttgart - Ganz egal, ob man gerade erst nach Stuttgart gezogen ist oder schon eine Weile hier wohnt: Die Frage „Wie kann ich spontan neue Leute kennenlernen?“ ist gar nicht so leicht zu beantworten. Wer keine Lust mehr auf die ewige Tinder-Wischerei hat, gleichzeitig sein Glück aber nicht dem Zufall überlassen möchte, hat jetzt bei „Meetalike“ die Möglichkeit, seinen Bekanntenkreis zu erweitern - und dabei vielleicht sogar „Mr.“ oder „Mrs.“ Right zu finden.

„Wir versuchen, das Beste aus Online-Dating und echtem Leben zusammenzubringen“, erklärt Thomas Jonczy, Gründer von Meetalike, gegenüber BW24. „Kein Ghosting. Keine Fake-Profile - bei uns zählen echte Vibes.“ Wer wen trifft, entscheidet ein intelligenter Algorithmus anhand von Persönlichkeitsprofilen, die man im Voraus erstellt. „Anders als beim Speed-Dating werden bei uns die Teilnehmer Gruppen zugeteilt, in denen Menschen sind, die gut zu ihnen passen“, so Thomas. „Ob daraus Dates oder Freundschaften entstehen, ist bewusst ganz offen gehalten - das können die Teilnehmer selbst entscheiden.“

Meetalike in Stuttgart: „Wir achten auf ein ausgeglichenes Verhältnis von Frauen und Männern“

Der Ablauf eines Events bei „Meetalike“ gestaltet sich unkompliziert, aber effektiv: Die über 100 Teilnehmer werden in Gruppen mit maximal sechs Personen verteilt, die sich in je einer Bar treffen. Nach 90 Minuten rotiert das System und man besucht eine neue Bar mit Sechser-Gruppe. Weitere 60 Minuten später besuchen die Teilnehmer schließlich die dritte und letzte Bar. „Wir haben einen Pool an Bars in Stuttgart, auf die wir zugreifen“, erklärt Thomas. „Bei der Gruppenaufteilung achten wir auf ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Frauen und Männern und schauen, dass es unter den Gruppenmitgliedern auch vom Alter her passt.“

Am Ende des Abends kommen die über 100 Teilnehmer aus allen Bars noch einmal in einer Location zusammen, sodass man die Möglichkeit hat, noch mehr neue Menschen kennenzulernen. „Während des gesamten Abends können die Teilnehmer Likes an die Personen vergeben, die sie nochmal treffen möchten. Neben den ‚Live-Likes‘ besteht aber auch die Möglichkeit, in Ruhe nach dem Event seine Likes zu vergeben“, sagt Thomas. „Beruht der Like auf Gegenseitigkeit, dann geben wir die Handynummer gegenüber den jeweiligen Matches frei.“

„Ob Partner fürs Leben oder neue Freunde - wen man hier findet, ist völlig offen“

„Das Besondere an Meetalike ist die entspannte Atmosphäre“, so der Gründer gegenüber BW24. „Die Leute haben nicht denselben Stress wie beim Speed-Dating.“ Dass viele Menschen heutzutage bei der Partnersuche auf Dating-Apps vertrauen, sieht er kritisch. „Anstatt sich persönlich kennenzulernen, vergeht bei Tinder und Co. oft viel Zeit, bis man einander wirklich kennenlernt. Da wird entweder ewig hin und her geschrieben, geghostet oder man ist später enttäuscht, wenn man auf eine Person trifft, weil sie nicht so ist, wie man es sich vorgestellt hat. Bei Meetalike haben Teilnehmer die Möglichkeit, Menschen direkt persönlich kennenzulernen und zu entscheiden, ob ihnen jemand gefällt.“

Bewusst haben sich Thomas und Mitgründer Philipp Mittmann dafür entschieden, bei ihrem Konzept komplett auf eine App zu verzichten. „Wir glauben, dass viele Leute gar keine Lust mehr auf eine weitere App haben“, so Thomas. „Daher senden wir alle wichtigen Infos per SMS an unsere Teilnehmer. Also beispielsweise, wenn sie ein Match haben - oder in welche Bar sie an einem der Kennenlern-Abende als nächstes gehen sollen.“

Meetalike in Stuttgart: Jeden Monat ein Event

Zwar wurde Meetalike von Thomas und seinem Kumpel Philipp bereits 2020 gegründet. Bevor es so richtig mit den Events losgehen konnte, hat es aufgrund der Corona-Beschränkungen aber noch ein Weilchen gedauert. „War natürlich leider kein gutes Timing, so etwas während einer Pandemie zu launchen“, so Thomas. Der Startschuss für die Events fiel im Juli 2021. Seither gab es fünf Veranstaltungen in Stuttgart - anscheinend liefen die sehr erfolgreich: „An einem Abend hatten wir bei 120 Teilnehmern 85 Matches“, sagt Thomas. Wenn nicht gerade die Situation rund um das Coronavirus in Baden-Württemberg einen Strich durch die Rechnung macht, sollen die Events in Stuttgart alle vier Wochen stattfinden.

Aktuell betreiben die beiden Gründer ihr Startup nebenbei. Hauptberuflich sind sie in der Automobilbranche tätig. „Kennengelernt haben Philipp und ich uns 2017 im Ausland“, sagt Thomas. Unterwegs in fernen Ländern hätten die beiden festgestellt, dass es in anderen Kulturen oft deutlich einfacher ist, neue Kontakte zu knüpfen, als in Deutschland. „In Deutschland, speziell im Schwäbischen, existiert eine ganz andere, wenig offene Kennenlern-Kultur“, bedauert Thomas. „Diese Feststellung hat uns letztendlich auch auf die Idee gebracht, Meetalike zu gründen.“

Konzept trifft bei Stuttgartern auf viel positives Feedback - Gründer planen Expansion

Nach dem Launch von Meetalike in Stuttgart sind die Gründer noch lange nicht fertig, wie es scheint. „Wir planen, unser Konzept in Zukunft auch auf andere Großstädte in Deutschland zu übertragen“, erklärt Thomas. Dass das Konzept im Schwabenland so gut ankommt, hat ihn zunächst überrascht. „Wir haben aber bereits jetzt Leute, die immer wieder kommen“, freut er sich. Möglicherweise dürfen sich bald auch Menschen außerhalb von Baden-Württemberg über ein Meetalike-Angebot in ihrer Stadt freuen.

Alle Informationen zu Meetalike finden Interessierte unter www.meetalike.de. Eine Altersbeschränkung gibt es nicht. Die Teilnehmer sind zwischen 20 und 55 Jahre alt. Innerhalb der Gruppen beträgt die Altersspanne meist drei bis sieben Jahre.

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