Verschollene Bundeswehr-Waffen

„Kampfmittelverdachtszone“: In Stuttgart wird vor Lebensgefahr durch Waffen gewarnt

Auf dem Schlossplatz in Stuttgart hängen Plakate vom Zentrum für Politische Schönheit mit einer Warnung.
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Auf dem Schlossplatz in Stuttgart hängen Plakate vom Zentrum für Politische Schönheit mit einer Warnung.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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In Stuttgart hängen seit Montag zahlreiche auffällige Plakate, die vor Lebensgefahr in der Landeshauptstadt warnen - ihr Absender ist angeblich die Bundeswehr.

Stuttgart - Dass derzeit Bundeswehr-Soldaten in Stuttgart gesichtet werden, weil sie dort die Behörden wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg unterstützen - daran hat sich die Bevölkerung vermutlich mittlerweile gewöhnt. Wundern dürften sich derzeit jedoch Passanten auf dem Schlossplatz in der Landeshauptstadt.

Unter anderem an den Säulen des Königsbaus hängen dort nämlich seit Montag signalrote Plakate mit unheilvollen Botschaften wie „Die Bundeswehr warnt. Sie befinden sich in einer Kampfmittelverdachtszone!“ oder „Vorsicht: Lebensgefahr!“.

Besagte Lebensgefahr soll laut den Plakaten von Sprengstoff- und Munitionsdepots in der Umgebung von Stuttgart ausgehen. Um die Mithilfe der Bürger wird gebeten: Sie sollen bei der Suche nach „Waffen, Munition und Sprengstoffen“ helfen, „die in allen Truppenteilen entwendet worden sind“.

Stuttgart: Landeshauptstadt wird zur „Kampfmittelverdachtszone“ erklärt - Plakate warnen

Sogar von einem „Kopfgeld“ ist die Rede - 1.000 Euro würden für „jeden Hinweis, der zur Ergreifung der Täter oder zum Auffinden der gestohlenen Ausrüstung“ ausgezahlt werden. Als Urheber der Plakate geben sich augenscheinlich die Bundeswehr beziehungsweise der Militärische Abschirmdienst (MAD) zu erkennen, die angeblich „auf Weisung der Ministerin“ die Suchaktion durchführen.

Es handelt sich bei den Plakaten, die bundesweit auch in vielen anderen Großstädte aufgehängt wurden, jedoch um Fälschungen. Sie sind Teil der Kampagne „Wo sind unsere Waffen?“ des Zentrums für Politische Schönheit (ZPS). Was hinter der Aktion steckt, erklären die Künstler auf Twitter: „Rechtsextreme Netzwerke haben der Bundeswehr Unmengen an Kriegswaffen geklaut. Deshalb haben wir jetzt den Militärischen Abschirmdienst (MAD) übernommen und holen uns gemeinsam mit Dir unsere Waffen zurück“.

Ein Blick auf die Homepage beziehungsweise das angebliche Hinweisportal der Gruppierung offenbart, dass in Baden-Württemberg neben Stuttgart auch Calw und Leonberg zu „Kampfmittelverdachtszonen“ erklärt wurden. Hintergrund dürften diverse Skandale, die insbesondere im Zusammen mit dem Kommando Spezialkräfte (KSK), das in Calw stationiert ist, in den vergangenen Jahren für Aufsehen gesorgt haben.

Nach einer Serie rechtsextremistischer Vorfälle wurde erst im Juli die 2. Kompanie der Elitesoldaten aufgelöst. Sie waren an der berüchtigten „Schweinekopf-Party“ im April 2017 beteiligt gewesen, bei der mit Schweineköpfen geworfen sowie Rechtsrock gehört und der Hitlergruß gezeigt worden war. In einem anderen Fall wurde auf dem Grundstück eines KSK-Soldaten im Mai dieses Jahres ein Waffenversteck mit Munition und Sprengstoff entdeckt.

Suche nach verschwundenen Waffen der Bundeswehr: In Stuttgart warnen Plakate

Das ZPS möchte mit der Aktion auf die Missstände in den Sicherheitsbehörden sowie die verschwundenen Waffen aufmerksam machen. Zu diesem Zweck präsentiert die Gruppierung auf ihrer Homepage eine Auflistung der bekannten gestohlenen Ausrüstungsteile mit Berufung auf die Bundeswehr. Demnach würden unter anderem nach 60 Kilogramm Sprengstoff, mehr als 74.000 Schuss Munition diverser Kaliber, mehreren Gewehren und Pistolen (darunter Sturmgewehre und Maschinenpistolen) sowie Fliegerfäusten gesucht werden.

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