Zuschuss für Vermieter

Stuttgart zahlt Vermietern Geld, wenn sie an Einkommensschwache vermieten

Blick auf ein Wohnquartier in der Innenstadt von Stuttgart.
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In Stuttgart ist der Wohnraum knapp - die Stadt will deshalb mit Förderungen Vermieter und auch Mieter unterstützen.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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In der größten Stadt Baden-Württembergs ist der Wohnraum knapp. Die Stadt Stuttgart orientiert sich deshalb an Karlsruhe und will einen Anreiz für Vermieter schaffen.

Stuttgart - Die Landeshauptstadt Stuttgart hat durch international bekannte Unternehmen wie die Daimler AG, Bosch oder die Porsche AG eine starke Wirtschaft und gilt daher als Wohlstandmotor der gesamten Region. Allerdings wird der Wohnraum in der Schwaben-Metropole immer knapper. Viele Angestellten pendeln deshalb von Städten und Gemeinden im Umkreis in die Stadt, da es einfach keine verfügbaren Mietwohnungen mehr gibt. Zusätzlich sind auch die Mieten in der baden-württembergischen Landeshauptstadt deutlich höher als in anderen Städten - mit Ausnahme der bayrischen Landeshauptstadt München.

Für wohnungslose Menschen oder jene aus einkommensschwachen Haushalten ist die Lage in Stuttgart derzeit besonders dramatisch. Die Stadt wandte sich deshalb an die Haus- und Wohnungseigentümer und will einen Anreiz für die Vermietung leer stehender Immobilien schaffen, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet. Deshalb sollen Vermieter umfangreiche Garantien und auch Zuschüsse für Sanierung von der Stadt bekommen, wenn sie ihre Wohnungen an einkommensschwache Personen vermieten.

Stuttgart: „Wohnungsakquise für Wohnungslose“ - bis zu 10.000 Euro Zuschuss für Vermieter

Unter dem Namen „Wohnungsakquise für Wohnungslose und einkommensschwache Haushalte“ startete die Landeshauptstadt Stuttgart im Juli 2019 ein Programm, um Wohnungen an Menschen zu vermieten, die in Stuttgart wohnungslos geworden sind, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt. Dadurch erhalten private Vermieter bis zu 10.000 Euro Zuschuss für die Instandhaltung ihrer Wohnimmobilien, wenn sie gezielt an einkommensschwache Personen vermieten. Voraussetzung für eine Forderung sei der Abschluss eines Garantievertrags mit dem Sozialamt der Stadt. „Wer einen solchen Garantievertrag abschließt, erhält vom Sozialamt eine Mietausfallgarantie über zehn Jahre sowie einen direkten Ansprechpartner beim Amt, der sich um die Abwicklung des Mietverhältnisses kümmert“, heißt es in der Mitteilung.

Um einkommensschwachen Menschen in Stuttgart eine Wohnung zu ermöglichen, sucht das Sozialamt die Mieter aus und steht Vermietern auch bei der Vermietung und eventuellen Komplikationen zur Seite. Im Gegenzug zu den Förderungen müssen die Vermieter eine Mietobergrenze einhalten, die vom Sozialamt und dem Jobcenter festgelegt wird. Zudem sei eine weitere Voraussetzung, dass die Vermieter ihre Immobilien ausschließlich an Mieter vermieten, die vom Sozialamt vorgeschlagen wurden. Laut der Stuttgarter Zeitung sei das Vorbild die Stadt Karlsruhe. Dort sei es in den Jahren 2005 bis 2018 gelungen, 732 Wohnungen an einkommensschwache Personen mithilfe des Sozialamtes zu vermieten.

Wohnungen in Stuttgart: So könnte das Verfahren ablaufen

Laut der Pressemitteilung der Stadt Stuttgart wurden seit Juli 2019 bis März 2021 bereits elf Vermieter für das Programm gewonnen und insgesamt sei 29 Menschen mit Wohnungsnot geholfen worden. Interessierte Vermieter, die ebenfalls am Programm der Landeshauptstadt teilnehmen wollen, vereinbaren einen Termin mit dem Sozialamt, berichtet die Stuttgarter Zeitung. Gemeinsam werde dann die Immobilie begutachtet und die Art und der Umfang der Instandhaltungsmaßnahmen besprochen. Diese lässt der Vermieter dann vornehmen, kann die Rechnung im Nachhinein jedoch beim Sozialamt einreichen. Das Sozialamt stellt dann einen geeigneten Mieter, mit dem der Vermieter einen unbefristeten Vertrag eingeht.

Im Laufe des Mietverhältnisses übernimmt das Sozialamt die Kosten für eventuell entstandene Schäden des Mieters, sofern dieser sie nicht selbst zahlen kann. Dabei gibt es jedoch eine Grenze von 1.000 Euro pro Jahr, beziehungsweise maximal 5.000 Euro für die gesamte Mietdauer von zehn Jahren, berichtet die Stuttgarter Zeitung. Nach dem Ende des Mietvertrages erhält der Vermieter für eine erneute Instandhaltung bei eventuell entstandenen Schäden jedoch erneut einen Zuschuss von 1.000 Euro pro Jahr beziehungsweise maximal 5.000 Euro. Bislang sei das Feedback der Vermieter durchweg positiv, schreibt die Stadt Stuttgart. „Diese schätzen besonders, dass sie keinen Aufwand mit der Mietersuche und einen ständigen Ansprechpartner für alle Belange der Mietverhältnisse haben.“

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