„Potenzialanalyse Wohnen“

Stuttgart will mit massiver Nachverdichtung 18.000 neue Wohnungen schaffen

Mehrfamilienhäuser, Hochhäuser und Reihenhäuser sind im Stuttgarter Stadtteil Rohracker zu sehen.
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Wohnraum in Stuttgart ist knapp. Die Stadt will dem Problem deshalb mit einer umfangreichen Nachverdichtung begegnen.
  • Valentin Betz
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Wohnraum in Stuttgart ist teuer und knapp, aber gleichzeitig heiß begehrt. Die Stadt will das Problem nun angehen, denn laut einer Analyse gibt es viel Potenzial für Nachverdichtung.

Stuttgart - Wer sich die Preise für Wohnungen und Immobilien in Stuttgart anschaut, kann leicht Schwindelgefühle entwickeln. Nicht nur der Kauf ist in der Landeshauptstadt teuer, auch Mieten belastet den Geldbeutel der sparsamen Schwaben schwer.

Vor kurzem ergab ein Ranking sogar, dass keine deutsche Großstadt bei den Mieten so teuer wie Stuttgart ist. Für die Attraktivität der Autostadt sind solche Nachrichten nicht gerade gut. Entsprechend will die Stadt das Problem angehen und damit gleich zwei Probleme gleichzeitig lösen. Die „Potenzialanalyse Wohnen“ ergab, dass in Stuttgart viele Möglichkeiten zur Nachverdichtung bestehen. Damit könnten neue Wohnungen geschaffen und der Druck auf Mieten reduziert werden.

Nachverdichtung in Stuttgart: Analyse offenbart große Diskrepanz zwischen Theorie und Realität

Bei der Nachverdichtung geht es darum, bereits bebautes Gebiet in Stuttgart weiter zu verdichten. Das schafft mehr Wohnungen, aber auch bei vielen die Sorge, dass die eigene Lebensqualität leidet. Denn der zusätzliche Raum wird beispielsweise durch Aufstockungen, Dachausbauten, Umbauten, Ergänzungsbauten und Überbauungen von Supermärkten, Kitas und Parkplätzen gewonnen.

Wie die Stuttgarter Zeitung schreibt, hat die „Potenzialanalyse Wohnen“ die Möglichkeit von theoretisch 18.300 zusätzlichen Wohnungen in Stuttgart ergeben. Die Betonung liegt allerdings auf theoretisch. Denn von den 5.500 Grundstücken, die für Nachverdichtung infrage kämen, sind etwa 87 Prozent in Privateigentum. Die Grundstücke entsprechen ungefähr einer Fläche von 462 Fußballplätzen. Hier müsste also viel Überzeugungsarbeit seitens der Stadt Stuttgart geleistet werden.

Gerade einmal 13 Prozent der möglichen 18.300 Wohneinheiten entfallen auf Flächen der öffentlichen Hand. Laut der „Potenzialanalyse Wohnen“ würden zudem 89 Prozent der neuen Wohneinheiten auf bereits bebauten Flächen entstehen, der Rest auf Kleinstbaulücken, Brachen und Randstreifen.

Neue Wohneinheiten in Stuttgart: Nachverdichtung wäre in vielen Stadtteilen möglich

Abgesehen von der Problematik mit den Besitzverhältnissen wäre die Nachverdichtung in Stuttgart nicht gerade im Handumdrehen erledigt. Matthias Bertram vom Stadtplanungsamt bezeichnet das Vorhaben gegenüber der Stuttgarter Zeitung als „eine Generationenaufgabe“.

Immerhin käme die Nachverdichtung praktisch ganz Stuttgart zugute, da die geeigneten Flächen sich auf zahlreiche Stadtteile verteilen. Insgesamt 15 Entwicklungsgebiete hat die Stadtverwaltung als „besonders gut geeignet“ priorisiert:

StandortPotenzial (Wohneinheiten)
Parkplatz beim Bürocampus Wangen130
Gaisburg400
Salzäcker in Möhringen240
Areal von Statistischem Landesamt und Uni Stuttgart in Heslach110
Gebiet Muckensturm in Bad Cannstatt290
Gebiet Achardweg in Zuffenhausen210
Ortskern von Stammheim120
Bereich Kelterplatz in Zuffenhausen70
Zentrum von Botnang150
Birkach-Nord80
Bereich An der Schusterbahn in Münster120
Teilareal in Hausen130
Gebiet Föhrichstraße in Feuerbach240
Bereich Messstetter Straße/Prager Straße/Trautäckerstraße in Möhringen400
Hoffeld150

Das Projekt ist nicht nur planerisch eine gewaltige Aufgabe. Neben der Klärung von Besitzverhältnissen der Grundstücke muss die Stadt Stuttgart auch in der Gesellschaft für Verständnis werben. Dazu will die Verwaltung den „Mehrwert“ der Nachverdichtung herausstellen: eine Aufwertung öffentlicher Räume, die Begrünung des Umfelds und leistungsfähigere Infrastruktur und Nahversorgung.

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