Anhaltender Trend

Immobilien in Stuttgart: In bestimmten Stadtteilen explodieren die Preise - Wohnen unbezahlbar?

Häuser werden von der Morgensonne beschienen.
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Wohnen in Stuttgart: Die Preise in der Landeshauptstadt steigen weiter - aber nicht unbedingt in den zentralen Vierteln.
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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In der Landeshauptstadt Stuttgart sind günstige Wohnungen schon seit Jahren eher Mangelware. Und die Immobilienpreise steigen weiter - zumindest in einigen Stadtteilen.

Stuttgart - Deutschlands Großstädte befinden sich in einem unrühmlichen Wettbewerb miteinander: Wer überbietet wen im Ranking der teuersten Pflaster in Bezug auf Immobilien- und Mietpreise? Dabei muss der sonst so sparsame Schwabe bei Wohnungen und Immobilien in Stuttgart inzwischen tief in die Taschen greifen. Für viele wird Wohnen in der Landeshauptstadt nahezu unbezahlbar.

Die Nachfrage nach Wohnraum in der Landeshauptstadt Stuttgart ist ungebremst. Das führt dazu, dass sich der Trend weiter verschärft, anstatt sich zu entspannen. Wie das Handelsblatt berichtet, sind es dabei nicht zwangsläufig die klassisch beliebten Stadtviertel, die zuletzt ordentlich bei den Preisen zugelegt haben.

Immobilien in Stuttgart: Preise pro Quadratmeter ziehen in der Landeshauptstadt an

Die Landeshauptstadt Stuttgart hat ein Wohnungsproblem. Eigentlich will die Stadt laut Handelsblatt jährlich 1.800 Wohnungen bauen. In den letzten beiden Jahren hat die Schwabenmetropole das Ziel mit 1.486 und 1.546 Wohnungen bereits verfehlt. Schätzungen vermuten einen Bedarf von 20.000 Wohnungen in Stuttgart in den nächsten zehn Jahren. Zuletzt kündigte Stuttgart an, 18.000 Wohnungen mit massiver Nachverdichtung zu schaffen.

Doch bis dieser Prozess angestoßen oder gar umgesetzt ist, steigt der Druck auf die Preise in Stuttgart wohl weiter. Laut Handelsblatt zeigen Daten von vdpResearch im vergangenen Jahr einen Anstieg bei den Preisen für Ein- und Zweifamilienhäuser um 5,5 Prozent. Noch stärker ist der Anstieg von 5,8 Prozent bei Eigentumswohnungen. In Stuttgart zahlt man im Schnitt dafür 4.800 Euro pro Quadratmeter. Die Neuvertragsmieten sind ebenfalls um 1,9 Prozent auf 14,5 Euro pro Quadratmeter angestiegen.

Immobilien in Stuttgart: Manche Stadtteile stehen München und Co. in nichts nach

Im Jahr 2020 fand sogar eine Wohnung in Stuttgart für 20.000 Euro pro Quadratmeter einen neuen Besitzer. Damit ist die Immobilie in einem Mehrfamilienhaus auf Halbhöhe mit Südlage und Blick auf die City laut der Wirtschaftszeitung die teuerste in der Landeshauptstadt. Der Abstand zu München, Hamburg, Frankfurt oder Düsseldorf wird bei den Preisen damit immer kleiner.

Das aktuelle Jahr war auf dem Immobilienmarkt da vergleichsweise weniger erfolgreich. Bislang brachte die teuerste Wohnung in Stuttgart „nur“ 10.000 Euro pro Quadratmeter ein. „Aber der Wert wird sich im Lauf des Jahres sicher noch erhöhen“, erklärt Matthias Fatke vom städtischen Gutachterausschuss, für dessen Grundstücksbericht die Notare die tatsächlich gezahlten Preise bei Immobilientransaktionen melden, dem Handelsblatt.

Immobilien in Stuttgart: Einstige Toplagen werden von durchschnittlichen Gegenden überholt

Erstaunlich bei den Daten von vdpResearch ist, dass die einstigen Toplagen wie Killesberg, Sillenbuch oder Stuttgart-West nicht mehr zwangsläufig die Stadtviertel mit der größten Preisdynamik sind. Bei Eigentumswohnungen haben Stadtteile wie Zuffenhausen oder Rohracker mit Preisen von rund 4.900 Euro pro Quadratmeter die Nase vorne.

Noch bunter wird die Namensliste bei der prozentualen Entwicklung im Vorjahr. Stadtteile wie Rot, Burgholzhof oder Münster konnten bei den Preisen für Eigentumswohnungen jeweils um 7,7 Prozent zulegen. Viertel wie Mönchfeld, Mühlhausen oder Steinhaldenfeld sind mit „nur“ 4.100 Euro pro Quadratmeter bei Eigentumswohnungen noch die günstigsten Alternativen.

Wohnungsbau-Genossenschaften und Investoren sehen die Schuld für solche Preisentwicklungen auch bei der Stadt Stuttgart. Anstatt bei der Vergabe von kommunalen Grundstücken auf bezahlbare Mieten zu achten, stünden architektonische und ökologische Konzepte im Vordergrund - was das Bauen teurer mache. Ein Projektentwickler drückt es gegenüber dem Handelsblatt besonders drastisch aus: „In Stuttgart haben wir eine Bauverhinderungsbehörde.“ Die Bürokratie in Stuttgart stört offenbar viele. So könne es vom Erwerb eines Grundstücks bis zum Baubeginn schon mal fünf Jahre dauern.

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