Stadt fördert E-Lastenräder

Lastenrad statt Auto? Warum es das grüne Lieblingsprojekt ausgerechnet in Stuttgart schwer hat

  • Valentin Betz
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Lastenräder sind zum Wahlkampfthema der Grünen 2021 geworden. In Stuttgart sind bereits einige Modelle unterwegs. Aber die Räder haben in der Landeshauptstadt ihre Tücken.

Stuttgart - Der Wahlkampf für die Bundestagswahl in Deutschland im September geht auf die Zielgerade und wird entsprechend zusehends hitziger. Immer wieder stehen dabei Themen zur Diskussion, die für viele bisher gar nicht im Zentrum standen. Beispielsweise das grüne Projekt Lastenräder. Ende August stießen Pläne der Grünen diesbezüglich eine Debatte an: Wie unter anderem tagesschau.de berichtete, will die Partei künftig eine Million private Lastenräder mit jeweils 1.000 Euro Zuschuss fördern. In Summe wären das also eine Milliarde Euro an Subventionen.

Während nämlich Lastenräder für Firmen, Freiberufler, Vereine und Kommunen bereits bundesweit gefördert werden, gehen Privatpersonen bisher meist leer aus. Allerdings wird in einzelnen Städten das Lastenrad seit längerem für private Zwecke bezuschusst, so auch in Stuttgart. Doch die Landeshauptstadt im grünen Baden-Württemberg bringt ein paar Eigenheiten mit sich, die dem Lastenrad hier keine rosige Zukunft bescheren dürften.

Lastenräder in Stuttgart: Die Hauptstadt hat ihre Tücken

Stuttgart, die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg, steht Lastenrädern grundsätzlich offen gegenüber - zumindest was die Politik angeht. Allerdings gibt es für Fans von Fahrrädern und Lastenrädern ein entscheidendes Problem. „Charakteristisch für Stuttgart ist seine ausgeprägte Topografie. Der höchste Punkt des Stadtgebiets liegt auf 549 Metern Höhe, der niedrigste auf 207 Metern“, schreibt die Stadt selbst auf ihrer Homepage.

Immer mehr Menschen entdecken Lastenfahrräder als alternatives Transportmittel - in Stuttgart sind besonders solche mit Elektromotor beliebt.

Das macht die nichtmotorisierte Fortbewegung so schon anspruchsvoll und mit einem vollgepackten Lastenrad für die meisten wohl zur Qual. Keine guten Voraussetzungen, damit sich das Lastenrad als Alternative zum Auto auch in der Landeshauptstadt behaupten kann. „In Stuttgart kann ich mir deshalb normale Lastenräder nicht vorstellen“, erklärt Ralf Maier-Geißer deshalb gegenüber BW24. Er ist Leiter der städtischen Abteilung „Nachhaltig Mobil in Stuttgart“ und verantwortlich für das Förderprogramm „E-Lastenräder für Stuttgarter Familien“.

Das Programm subventioniert seit 2018 Lastenräder mit Elektromotor, eine Alternative zum herkömmlichen Lastenrad. Die liegen auch deutschlandweit im Trend. Laut tagesschau.de waren von 103.200 in Deutschland verkauften Lastenrädern im vergangenen Jahr drei Viertel elektrisch. Der Verkauf von E-Lastenrädern sei sogar um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

Stuttgart: Nachfrage nach Lastenrädern übersteigt anfangs das Förderbudget

Bereits 2018 gab es in Stuttgart einen regelrechten E-Lastenrad-Boom. Das Förderprogramm startete mit einem Budget von 250.000 Euro - das bereits nach einem Monat ausgeschöpft war, wie es von der Stadt heißt. Förderberechtigt sind in der Landeshauptstadt Familien mit mindestens einem Kind. Sie bekommen 800 Euro für die Anschaffung eines E-Lastenrads. Weitere 500 Euro gibt es, wenn nach drei Jahren kein neues Auto im geförderten Haushalt angemeldet oder ein Auto ersatzlos abgemeldet wurde. Zudem muss das E-Lastenrad drei Jahre genutzt und ein Aufkleber angebracht werden, der auf die Förderung in Stuttgart hinweist.

Ende Juli 2021 hat die Stadt Stuttgart das 850. Lastenrad an eine Familie übergeben. Ralf Maier-Geißer beschreibt die Nachfrage in einer Mitteilung der Stadt als „ungebrochen“. Neben den offensichtlichen Vorteilen eines E-Lastenrads hat er vor allem zwei Faktoren für den Boom ausgemacht: das Coronavirus in Baden-Württemberg und den Klimawandel. Während ersteres vor allem das Mobilitätsverhalten veränderte, sei das Bewusstsein für letzteres bei den Stuttgartern stark gestiegen. „Sie erleben die Klimaerwärmung selbst in Stuttgart als unmittelbares und einschneidendes Ereignis und sind daher bereit, auch einen persönlichen Teil zum Klimaschutz zu leisten“, so Maier-Geißer.

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt / dpa

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