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Weg damit! E-Scooter in Stuttgart sind komplett überflüssig

E-Scooter stehen auf einem Gehweg.
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Stuttgart: Nicht nur beim Abstellen der nervigen E-Scooter herrscht in der Landeshauptstadt absolute Anarchie.
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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E-Scooter in Stuttgart sollen die Mobilität vielfältiger und umweltfreundlicher machen. Unser Autor findet: das Gegenteil ist der Fall. Die Elektro-Tretroller braucht kein Mensch.

Stuttgart - Im Jahr 2019 wurden erstmals E-Scooter für den deutschen Straßenverkehr zugelassen - also zweirädrige Tretroller, die mit einem Akku ausgestattet sind und entsprechend nicht angeschoben werden müssen. Seitdem stehe ich mit den niedlich als „Elektrotretroller“ bezeichneten Gefährten auf Kriegsfuß. Ganz besonders für die Leih-E-Scooter habe ich absolut kein Verständnis. In Baden-Württembergs Landeshauptstadt Stuttgart können Interessierte gleich unter fünf Anbietern wählen, die E-Scooter verleihen.

Die Stadt verkündete vor zwei Jahren, durch E-Scooter solle „das Niveau und die Vielfalt der Mobilität in Stuttgart verbessert werden“. Doch nicht nur in Stuttgart wurden die Tretroller bereits vor ihrer Zulassung in Bundesländern wie Baden-Württemberg heiß diskutiert. Vieles an den E-Scootern ist nicht so, wie es sein sollte. Vielfalt der Mobilität? Meinetwegen. Aber Niveau? Von wegen! E-Scooter in Stuttgart sind einfach nur überflüssig, deshalb: weg damit!

E-Scooter in Stuttgart: Sie verschandeln das Stadtbild und stören nur

Es ist ja nicht so, dass die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg im Zentrum aussieht wie geleckt. Herumliegender Müll ist überall ein Problem. E-Scooter gesellen sich zu dem vielfältigen Pot­pour­ri von Unrat noch dazu. Eigentlich hat Stuttgart mit den Tretroller-Anbietern Zonen definiert, „an denen die Ausleihe grundsätzlich nicht beendet werden kann“. Mit anderen Worten: Abstellen ist dort strengstens verboten.

Damit wären im Grunde die wenigen schönen Fleckchen in Stuttgart geschützt, also Gärten, Parks und Landschaftsschutzgebiete. Aber eben auch stark frequentierte Flächen in der Innenstadt. Wirklich zu interessieren scheint das offenbar niemanden. Die E-Scooter stehen überall herum, gerne auch mal mitten auf einem Platz. Zum Glück gibt es dafür eine Lösung. Stuttgart empfiehlt genervten Bürgern, die E-Scooter einfach selbst aus dem Weg zu räumen. Wow!

Auf Gehwegen dürfen die Elektrotretroller sogar abgestellt werden - „wenn die verbleibende Gehwegbreite mindestens 1,60 Meter beträgt“, so die Stadt. Allerdings schaffen auch das nur die wenigsten Nutzer. Mal ehrlich: Selbst ganz korrekt abgestellte E-Scooter sehen doch ab einer kritischen Masse schlicht aus wie ein achtlos abgeworfener Haufen Elektroschrott.

Stuttgart: E-Scooter sind eine Gefahr - für Nutzer und andere Verkehrsteilnehmer

Apropos richtiges Abstellen von E-Scootern. Nicht nur in diesem Bereich herrscht in Stuttgart absolute Anarchie. Auch was die Fahrt mit den Tretrollern angeht, scheinen deren Nutzer nach der Maxime „Regeln sind da, um gebrochen zu werden“ zu leben. Streng genommen gehören E-Scooter nämlich auf Radwege oder auf die Straße. „Gehwege und Fußgängerzonen sind absolut tabu“, schreibt auch die Stadt Stuttgart. Fett markiert. Auch das interessiert keinen. Erst neulich wurde ich jedoch als Fußgänger auf der Königsstraße fast von einem E-Scooter-Fahrer über den Haufen gemäht.

Zudem müssen Nutzer von E-Scootern zumindest für das Leihen von Tretrollern mindestens 18 Jahre alt sein. Ach ja, pro E-Scooter ist übrigens nur ein Fahrer erlaubt. Dabei sehe ich regelmäßig Menschen zu zweit auf Leih-E-Scootern stehen. Und mindestens 18 Jahre alt sind viele ebenfalls nicht.

Das Chaos hat Folgen. Die Unfallstatistik ist deutlich: Laut der Polizei Stuttgart sind die E-Scooter-Unfälle in Stuttgart im vergangenen Jahr von 16 auf 44 gestiegen. Die Zahl der Verletzten erhöhte sich von 9 auf 27. Erst im Juni verunglückte in Villingen-Schwenningen ein Mann mit dem E-Scooter und starb. Das könnte auch damit zusammenhängen, dass es für Fahrer von E-Scootern keine Helmpflicht gibt - obwohl die Tretroller bis zu 20 Kilometer pro Stunde schnell sind. Klar, die Roller sind noch ungewohnt im Straßenverkehr und für die Nutzer, da ist ein Anstieg der Unfälle vielleicht nicht ungewöhnlich. Aber die Unfälle wären vermeidbar, indem die Stadt sagen würde: Weg mit den Rollern!

E-Scooter in Stuttgart haben ihr Ziel verfehlt: Sie schonen die Umwelt nicht - im Gegenteil!

Die Anbieter von E-Scootern werben für die Elektrotretroller gerne mit dem Argument, für die „letzte Meile“ gedacht zu sein und dadurch den Autoverkehr zu reduzieren. Sie nehmen an, Pendler hätten keine Lust auf die Kombination aus öffentlichem Nahverkehr und „letzter Meile“ zum Arbeitsplatz zu Fuß und würden deshalb gleich die gesamte Strecke mit dem Auto zurücklegen.

Eine Studie der University of North Carolina zeigt jedoch: E-Scooter reduzieren den Autoverkehr kein bisschen. Stattdessen sorgen sie dafür, dass noch weniger Menschen zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren - beides die wahrscheinlich klimafreundlichsten Arten, sich fortzubewegen. Tatsächlich reiner Spaß ist der häufigste Grund, den E-Scooter zu nutzen. Zwar fahren E-Scooter CO2-frei. Deren Herstellung, das Laden der Batterien und die Wartung sind aber alles andere als klimaneutral. Wenn ich dann noch höre, dass die Tretroller bei einem amerikanischen Leihanbieter gerade einmal 29 Tage halten, kann ich nur noch den Kopf schütteln.

Das ist aber noch lange nicht alles. Denn die Leih-E-Scooter werden jeden Tag von Transportern eingesammelt, an eine Ladestation gehängt und wieder verteilt. Es darf davon ausgegangen werden, dass nicht all diese Transporter elektrisch sind, sondern eher mit Diesel oder Benzin betrieben werden. Das fällt dann meines Erachtens schon unter die Kategorie „Kannste. Dir. Nicht. Ausdenken“. Zu guter Letzt: Gerade in Stuttgart landen die E-Scooter - wie in anderen deutschen Großstädten auch - gerne mal im Neckar. Auch diese Form der Abstellung ist eher weniger umweltfreundlich. Ich finde deshalb: E-Scooter in Stuttgart sind überflüssig.

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