Zu wenig Ladestationen

Stuttgart geht gegen „wildes Laden“ von E-Auto-Fahrern vor

Ein Elektroauto des Typs Tesla S lädt in Stuttgart (Baden-Württemberg) an einer Stromtankstelle.
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In Stuttgart werden immer mehr E-Autos zugelassen, doch die Ladesäulen reichen nicht.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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In Stuttgart steigen die E-Auto-Zulassungen, doch die Ladesäulen reichen nicht. Manche Besitzer greifen zu unkonventionellen Lademöglichkeiten, die Stadt stellt sich quer.

Stuttgart - Die Landeshauptstadt Stuttgart ist für mehrere Aspekte auch über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus bekannt. Dazu zählt unter anderem der beinahe schon legendäre Verkehr in Stuttgart, der Autofahrer regelmäßig zur Weißglut treibt. Bei den vielen Fahrzeugen, die täglich durch die Schwaben-Metropole fahren, sind auch die Automobile der Zukunft immer häufiger vertreten. Gemeint sind E-Autos oder Plug-in-Hybride von Herstellern wie der Daimler AG, Tesla und Co.

Obwohl die E-Autos in ganz Deutschland immer beliebter werden, gibt es noch ein paar Hürden zu bewältigen. Ein besonders oft diskutiertes Problem ist die deutschlandweit stark ausbaufähige Infrastruktur an Ladesäulen. Auch Daimler-Chef Ola Källenius nannte das bereits eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Durchbruch der E-Autos. In Stuttgart gibt es ebenso wenig ausreichend Ladesäulen für alle E-Autos. Deshalb laden viele E-Auto-Fahrer ihre Modelle kurzerhand in der eigenen Garage. Das läuft nach Ansicht der Stadt jedoch nicht immer reibungslos ab, berichtet die Stuttgarter Zeitung. Stuttgart will deshalb gegen „wildes Laden“ vorgehen.

E-Autos in Stuttgart: Immer mehr Zulassungen, jedoch nicht genug Ladesäulen

Laut einer Pressemitteilung gibt es in der baden-württembergischen Landeshauptstadt derzeit 200 Ladesäulen für E-Autos im Stadtgebiet. Das entspricht bei zwei Anschlüssen pro Säule insgesamt 400 Ladepunkten. Zudem seien weitere 300 Standorte bereits ausgewiesen. Zusätzlich gibt es in Stuttgart jedoch auch auf Supermarkt-Plätzen und in Parkhäusern die Möglichkeit, das E-Auto kostenfrei zu laden. Dabei kommt es jedoch auch immer wieder zu Reibereien. Eine Lidl-Kundin regte sich kürzlich auf, da ein Tesla stundenlang an einer Ladesäule hing.

Da in Stuttgart trotzdem mehr E-Autos zugelassen werden, als Lademöglichkeiten vorhanden sind, greifen manche Autobesitzer zu etwas unkonventionellen Methoden. Laut der Stuttgarter Zeitung legte ein Bewohner in Stuttgart West ein signaloranges Ladekabel vor seinem Grundstück quer auf den Gehweg, um sein Plug-in-Hybrid-Fahrzeug mit Strom zu versorgen. Das Kabel ist entsprechend gekennzeichnet, damit Passanten nicht darüber stolpern. „Seit April 2018 praktizieren wir das ohne jegliche Probleme oder Gefährdungssituationen für Passanten, Kinder und gehbehinderte oder mobilitätseingeschränkte Passanten“, sagt er. Die Stadt und das Ordnungsamt sind von dieser Idee jedoch weniger angetan.

Stuttgart: Stadt befürchtet, dass immer mehr E-Auto-Besitzer Kabel über Fußgängerwege legen

Die Idee des E-Auto-Besitzers in Stuttgart West war eigentlich gar nicht schlecht. Statt lange nach einer freien Ladesäule in der Stadt zu suchen und dann einen der 400 Ladepunkte über Nacht zu belegen, konnte er selbst „am eigenen Hausnetz mit 100 Prozent regenerativer Energie der Stadtwerke Stuttgart laden“, schreibt die Stuttgarter Zeitung. Laut der Stadt ist ein solches Vorgehen per Gesetz jedoch nicht erlaubt. „Bei verlegten Ladekabeln handelt es sich um eine Sondernutzung nach § 16 Straßengesetz für Baden-Württemberg, die der Genehmigungspflicht unterliegt“, heißt es da. Und weiter: „Das Verlegen von Ladekabeln im öffentlichen Verkehrsraum geht über den Gemeingebrauch der Straße nach § 13 Straßengesetz hinaus.“

Eigentlich könnte die Stadt Stuttgart im Falle des E-Auto-Besitzers Kulanz zeigen, wenn es tatsächlich nachweislich seit 2018 keine Probleme mit dem verlegten Kabel gab. Das Ordnungsamt bleibt in dieser Sache jedoch hart und auch die Stadtverwaltung weiß, dass die Menge an zugelassenen E-Autos längst nicht mehr von den verfügbaren Ladesäulen in Stuttgart gedeckt werden kann.

Deshalb befürchtet die Verwaltung, dass die Lademöglichkeit des E-Auto-Besitzers aus Stuttgart West zur Mode werden könnte. „Aufgrund der Zunahme der zugelassenen Elektrofahrzeuge ist davon auszugehen, dass die Anzahl der verlegten Ladekabel über Gehwege und Straßen, gerade in der dicht besiedelten Innenstadt mit überwiegend Mehrfamilienhäusern, übermäßig ansteigen wird“, sagte ein Sprecher. „Diese stellen eine erhöhte Stolpergefahr für Verkehrsteilnehmer dar. Aus Gründen der Verkehrssicherheit und der Barrierefreiheit ist es nicht gestattet, ein privates Ladekabel über den Gehweg zu verlegen oder zu spannen, um ein Elektrofahrzeug aufzuladen.“ Der E-Auto-Fahrer musste aufgrund seiner Ladeidee bereits ein Bußgeld von 178,50 Euro zahlen.

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