Trotz steigender Nachfrage nach E-Autos

KfZ-Meister ist sich sicher: „Es wird noch lange Verbrenner geben“

Ein Mann geht in der Innenstadt an Autos, die im Stau stehen, vorbei.
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Verbrenner werden so schnell nicht von den Straßen verschwinden , ist sich ein Stuttgarter Kfz-Meister sicher (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Ein Ende der Verbrenner-Produktion wird seit langem gefordert. Schnell werden reine Benziner aber nicht von den Straßen verschwinden, ist sich ein Kfz-Meister aus Stuttgart sicher.

Stuttgart - Auf den Straßen der Landeshauptstadt Stuttgart und auch in anderen Städten in Baden-Württemberg sind immer mehr E-Autos verschiedener Hersteller unterwegs. Der Stuttgarter Autobauer Mercedes-Benz will sich in naher Zukunft komplett auf E-Autos ausrichten. Daimler veränderte die E-Auto-Strategie dramatisch. Demnach will der Konzern ab dem Jahr 2025 nur noch neue, rein elektrische Fahrzeug-Architekturen einsetzen. Zudem soll die Produktion des weltbekannten Konzerns bis zum Ende des Jahrzehnts „voll elektrisch“ sein.

Im Zuge des E-Auto-Booms und zur Reduzierung der CO2-Emissionen ist seit einiger Zeit ein definitives Ende der Verbrenner-Produktion in Europa im Gespräch. Das hätte auch für die Kfz-Werkstätten erhebliche Folgen, da beispielsweise für die Arbeit an E-Autos bestimmte Schulungen notwendig sind. Kfz-Meister Frank Strauch aus Stuttgart sieht aber noch kein baldiges Verbrenner-Ende, wie er im Gespräch mit BW24 sagt. Auch, weil aktuell vermehrt wieder ältere Automodelle gekauft werden, da die Autobauer neue Fahrzeuge aufgrund der anhaltenden Chipkrise nicht ausliefern können.

Kfz-Meister: Trotz E-Auto-Boom gibt es „aktuell noch jedes Automodell als Verbrenner“

Die großen deutschen Autobauer hatten auch im vergangenen Jahr unter der Corona-Krise zu leiden. Trotz insgesamt gesunkener Absatzzahlen verkaufte Mercedes-Benz jedoch mehr E-Autos als jemals zuvor. Der große E-Auto-Boom ist aber noch vergleichsweise jung, weswegen auf den Straßen noch immer mehr Modelle mit den altbewährten Antriebsarten unterwegs sind. „Es gibt aktuell noch jedes Automodell als Verbrenner“, sagt Frank Strauch gegenüber BW24. „Die haben auch noch eine Zulassung für 15 Jahre.“ Dass Verbrenner-Modelle in naher Zukunft von den Straßen verschwinden, sieht der Kfz-Meister aus Stuttgart nicht. „Es wird noch einige Zeit Verbrenner geben“, ist er sich sicher. „In den nächsten 20 Jahren wird da nichts passieren.“

Der Fokus der deutschen Autobauer auf E-Autos und Plug-in-Hybride ist auch für die Kfz-Werkstätten in Baden-Württemberg eine Umstellung. In Frank Strauchs „Automobil-Fachwerkstätte“ im Stuttgarter Stadtteil Steinhaldenfeld werden derzeit aber noch wenige solcher Modelle bearbeitet. „Wir reparieren nur vereinzelt E-Autos“, sagt er. Für die Arbeit an einem batteriebetriebenen Auto sind bestimmte Schulungen und Qualifikationen notwendig. „Die Schulungen dafür haben wir schon vor zwei Jahren gemacht“, erklärt Frank Strauch. „Aber trotzdem darf nicht jeder an einem E-Auto arbeiten.“

E-Autos: Brandgefahr und Platzmangel wird für KfZ-Werkstätten zum Problem

Im Zuge der großangelegten Transformation zur E-Mobilität wurde immer wieder die hohe Brandgefahr der batteriebetriebenen Modelle als Kritikpunkt aufgeführt. Mercedes muss aktuell E-Autos und Hybride in die Werkstatt zurückrufen, da ein Defekt an Kabeln zu Kurzschlüssen führen könnte. Gerade E-Autos bereiten den Werkstätten jedoch große Probleme. „E-Autos müssen nach einem Unfall erstmals zwei Wochen in der Werkstatt abgestellt werden“, erklärt Frank Strauch. „Denn es besteht Brandgefahr.“ Der Kfz-Meister aus Stuttgart repariert deshalb keine batteriebetriebenen Unfallfahrzeuge in seiner Werkstatt. „Den Platz dafür haben wir nicht, den hat fast keine Werkstatt“, sagt er im Gespräch mit BW24.

Die hohe Nachfrage nach E-Autos wird derzeit von der anhaltenden Chipkrise durch einen Lieferengpass bei Halbleiterkomponenten und auch den steigenden Strompreisen ausgebremst. Weil die Autobauer durch die fehlenden Komponenten neue Fahrzeuge unter Umständen nicht fertig produzieren können, greifen viele Autofahrer auf ältere Modelle zurück. „Aktuell werden wieder viele ältere Autos gekauft“, sagt auch Kfz-Meister Frank Strauch. „Weil die Autobauer neuere Modelle nicht ausliefern können.“ Deshalb wird es wohl noch eine Weile dauern, bis Verbrenner-Modelle vollständig von den Straßen verschwinden. Und das, obwohl ein Ende der Verbrenner-Produktion, mit herkömmlichen Antriebsstoffen, immer näher rückt.

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