„Waren Sie schon mal in Stuttgart?“

„Hässliches“ Stuttgart? Sticker mit Sticheleien in ganz Karlsruhe verteilt - das steckt hinter der Aktion

Menschen genießen auf der Plattform am Teehaus die Aussicht und das schöne Wetter.
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Stuttgart ist „hässlich“: Das behaupten zumindest Sticker, die derzeit in Karlsruhe zu finden sind. Die Frage ist: Ist das ernst gemeint?
  • Julian Baumann
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Im Stadtgebiet von Karlsruhe sind Sticker verteilt worden, die gegen die Landeshauptstadt Stuttgart stänkern. Doch handelt es sich dabei wirklich um eine Stadtrivalität oder um einen Seitenhieb mit Augenzwinkern?

Karlsruhe/Stuttgart - „Hässlich hier. Aber waren Sie schon mal in Stuttgart?“, steht auf Stickern, die aktuell in der Karlsruher Innenstadt zu finden sind. Der Slogan und auch die Aufmachung der Sticker erinnern an eine Werbung der baden-württembergischen Landesregierung. Dort hieß es ursprünglich „Schön hier. Aber waren Sie schon mal in Baden-Württemberg?“. Hinter der Aktion steht den Badischen Neuesten Nachrichten zufolge der Instagram-Account „karlsruher.memes“. Als Angriff gegen die Landeshauptstadt Stuttgart und ihrer Bewohner ist sie aber offenbar nicht gedacht. Zwischen den beiden Metropolen in Baden-Württemberg gibt es allerdings eine lange Tradition an Sticheleien.

Stuttgart ist die größte Stadt im Südwesten und als Landeshauptstadt das politische Zentrum des Landes Baden-Württemberg. Karlsruhe war vor der Vereinigung der Bundesländer Württemberg und Baden der Hauptsitz der badischen Regierung und somit de facto die Hauptstadt von Baden. Eine gewisse Konkurrenzhaltung zwischen den beiden Städten ist heute vor allem im Fußball zu bemerken, wenn der Karlsruher SC auf den VfB Stuttgart unter Trainer Pellegrino Matarazzo trifft. Soll die Sticker-Aktion eine alte Fehde zwischen den Städten wiederbeleben oder steckt doch was anderes dahinter?

Anti-Stuttgart-Sticker in Karlsruhe: Macher nimmt auch eigene Stadt aufs Korn

Die derzeit in Karlsruhe zu findenden Anti-Stuttgart-Sticker beinhalten neben dem oben genannten Spruch noch eine weitere Abwandlung der früheren Regierungswerbung. Diese könnte die Rivalität von der Stadtebene sogar auf eine Landesebene heben. „Wir können alles ab. Außer Schwaben“, heißt es dort. In der ursprünglichen Werbung der Landesregierung war dagegen „Wir können alles. Außer Hochdeutsch“, zu lesen. Einen wirklich bösen Hintergrund oder gar einen Angriff auf die Stuttgarter oder die Schwaben soll die Aktion wohl allerdings nicht darstellen. Stattdessen ruft der Betreiber der Meme-Seite zu einer modernen Schnitzeljagd auf.

„Hässlich hier. Aber waren Sie schon mal in Stuttgart?“ und „Wir können alles ab. Außer Schwaben“, steht auf den Stickern.

Demnach werden die Sticker im Karlsruher Stadtgebiet an bestimmten Orten angebracht, die nachfolgend auf der Instagram-Seite „karlsruher.memes“ verkündet werden. Wer einen solchen Sticker findet, soll ein Bild davon machen und ebenfalls auf Instagram hochladen. Dem kamen bereits einige Karlsruher nach. Ein Nutzer betitelte sein Bild eines Anti-Stuttgart-Stickers beispielsweise mit „Hab ihn“. Auch die sonstige Aktivität des beliebten Instagram-Accounts mit rund 25.000 Abonnenten, lässt darauf schließen, dass die ganze Aktion mit einem Augenzwinkern zu verstehen ist.

Der Macher des Accounts nimmt nämlich nicht selten auch Karlsruhe und die Bewohner der Stadt selbst aufs Korn. So ist beispielsweise ein kurzes Video auf Instagram zu finden, wo ein Mann an einer Bushaltestelle erst eine Taube streichelt und sie dann in seine Jacke steckt. Betitelt ist der Beitrag mit „Willkommen in Karlsruhe“. Auch der kürzliche Corona-Ausbruch in einem Karlsruher Club wird satirisch dargestellt.

Stuttgart und Karlsruhe: Macher will Sticker auch in der Landeshauptstadt unters Volk bringen

Die Anti-Stuttgart-Sticker in Karlsruhe führen wohl zu einigem Gesprächsstoff, angegriffen fühlen sollte sich wohl aber kein Bewohner der beiden Großstädte. Laut den Badischen Neusten Nachrichten habe ein Follower des Instagram-Accounts die Sticker entworfen, „und ich verteile die jetzt mal“, so der Betreiber der Meme-Seite, der unbekannt bleiben möchte. Auch für die kommenden Tage habe er noch genug solcher Sticker auf Vorrat. Er plane auch, manche davon in Stuttgart selbst unters Volk zu bringen.

Einen tieferen Sinn habe die Sticker-Aktion derzeit nicht, so der Betreiber des Kanals weiter. Zudem gebe es die Anti-Stuttgart-Sticker auch nicht zu kaufen. In der Fußballszene hat die Rivalität eine sehr lange Tradition, die bereits auf das Jahr 1806 zurückgeht. Das Motto der beiden Bundesliga-Vereine lautet bei einem Derby „Es ist Krieg“. Wenn es darauf ankommt, arbeiten jedoch auch die Fans der beiden Rivalen Hand in Hand. Nach den verheerenden Unwettern der vergangenen Tage, die in Rheinland-Pfalz viele Opfer forderten, helfen KSC- und VfB-Fans gemeinsam den Flutopfern, wie die Badischen Neuesten Nachrichten berichten.

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