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Kampagne für mehr Verkehrssicherheit sorgt für Ärger - „Brandmarkt Radfahrer als rücksichtslose Menschen“

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Von: Nadja Pohr

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Weg für Fußgänger und Fahrradfahrer.
Fußgänger in Stuttgart fühlen sich durch rücksichtslose Radfahrer gefährdet. Eine Kampagne der Stadt soll nun auf das Problem aufmerksam machen. © Esra Ayari/dpa

Eine Kampagne in Stuttgart für mehr Rücksicht von Radfahrern auf Fußgänger sorgt für reichlich Kritik - von beiden Seiten. Das Problem liege nicht nur bei den Radfahrern.

Stuttgart - Die Politik in Stuttgart* arbeitet weiterhin an einer Verbesserung des Verkehrsgeschehens in der Region. Nach einem Tempo-20-Beschluss für die Innenstadt (BW24* berichtete) will die Landeshauptstadt Stuttgart mit der Kampagne „Rad nimmt Rücksicht“ auf die Probleme zwischen Radfahrern und Fußgängern aufmerksam machen. Letztere beschweren sich zunehmend über das Verhalten einiger Fahrradfahrer: Gehwege würden befahren, die Radfahrer brächten Fußgänger durch zu geringen Abstand beim Vorbeifahren in Gefahr, außerdem gebe es stellenweise sogar Beleidigungen, heißt es in den sozialen Medien.

Die Radfahrer äußern allerdings Ähnliches. Fußgänger würden nicht auf Fahrradklingeln reagieren und so Wege blockieren, heißt es da. Besagte Kampagne der Stadt Stuttgart sollte nun eigentlich die verhärteten Fronten besänftigen. Es gibt jedoch wieder Kritik - und zwar von beiden Seiten. Radfahrer fühlen sich durch die Kampagne falsch dargestellt. Aber auch die Fußgänger haben eine klare Meinung, wie der Verkehr in Stuttgart* und die Streitigkeiten beruhigt werden könnten.

Radfahrer kritisieren Falschdarstellung in Stuttgarter Kampagne

Die Radfahrer ärgern sich, dass mit der Kampagne zur Verkehrssicherheit das mögliche Fehlverhalten einzelner Fahrradfahrenden verallgemeinert werde. „Sie brandmarkt Radfahrende als rücksichtslose Menschen“, schreibt Grünen-Stadträtin und Fahrrad-Bloggerin Christine Lehmann auf ihrem Blog „Radfahren in Stuttgart“. Laut Lehmann könne kein konkreter Regelverstoß benannt werden - anders als bei der Kampagne zum zu geringen Überholabstand bei Autos. „Man hat den Eindruck, die Radfahrer seien jetzt dran gewesen, nach der Rücksichtskampagne für Autofahrer im vergangenen Jahr“, sagt Thijs Lucas von Zweirat Stuttgart. „Sind dann die Fußgänger dran?“

Radfahrer und Fußgänger haben jedoch mehr inhaltliche Schnittmengen, als gedacht. Auch ein Interessenverband für Fußgänger zeigte sich erschrocken über die „einseitige“ Kampagne, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet. Für Radfahrer und Fußgänger liegt die Verbesserung des Miteinanders in der Infrastruktur der Stadt in Baden-Württemberg. Der Vorschlag: Es solle spezielle Wege nur für Radfahrer und Fußgänger geben. Die Infrastruktur zwinge Radfahrende viel zu häufig unter Fußgängerinnen und Fußgänger, kritisiert Christine Lehmann. Das Zusammenlegen von Fuß- und Radverkehr auf Wegen, wie beispielsweise im Schlossgarten, sehen auch die Fußgänger als Hauptproblem.

Kampagne zur Verkehrssicherheit in Stuttgart sorgt im Netz für Diskussionen

Die Kampagne „Rad nimmt Rücksicht“ sorgt auch auf Facebook für viele Diskussionen. „Ich finde es furchtbar, dass man wirklich nirgendwo mehr entspannt spazieren gehen kann“, schreibt eine Nutzerin. „Als Radfahrer nerven mich selbst auch die Radfahrer, die entweder gar keine Regeln kennen zu scheinen oder diese sogar bewusst ignorieren“, kommentiert ein anderer User. „Fußgänger, die auf Radwegen unterwegs sind oder, ohne sich umzuschauen, vom Gehweg auf die Straße treten und mich als Radfahrer zur Vollbremsung nötigen, sind auch eine Plage“, findet ein Facebook-Nutzer.

Eine Userin schreibt, man lerne gegenseitige Rücksichtnahme normalerweise im Elternhaus, dafür brauche es keine Kampagne, die tausende von Euros koste. Einige schlagen zudem vor, getrennte Wege für Radfahrer und Fußgänger einzuführen. Andere fordern sogar die Einführung von Kennzeichen an Fahrrädern. „Wer anonym ist, kann sich eben leichter daneben benehmen“, argumentiert ein Nutzer. Vertreter der beiden Parteien wollen in ein paar Wochen ihre Kritik zur Kampagne bei der Verwaltung anbringen. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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