Bauarbeiten im S-Bahnnetz

Stuttgart: Innenstadttunnel gesperrt - bei Bahnen, Zügen und Bussen droht Verkehrschaos

Eine Stadtbahn der VVS fährt in die Haltestelle am Pragsattel ein.
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Wer mit Bus und Bahn in Stuttgart unterwegs ist, braucht bald womöglich viel Geduld.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Auf Fahrgäste der Stuttgarter S-Bahnen kommt eine neue Umstellung zu: Ab 31. Juli ist die Stammstrecke zwischen Hauptbahnhof und Österfeld gesperrt. Das sorgt womöglich für Chaos im Bahnnetz.

Stuttgart - Bahnfahren ist nicht selten mit Stress verbunden. Vor allem Berufspendler kennen den Ärger mit Zugausfällen und Verspätungen rund um die Landeshauptstadt Stuttgart nur zu gut. Ab 31. Juli sorgt eine weitere Baustelle für Verkehrschaos im Stuttgarter Bahnnetz, denn die Stammstrecke wird umgebaut. Zwischen Hauptbahnhof (Tief) und Österfeld halten vorerst keine Züge mehr.

Während der Sommerferien sperrt die Bahn die unterirdische Innenstadtstrecke für sechs Wochen komplett. Die Bauarbeiten beginnen am 31. Juli und sollen bis zum 13. September beendet sein. Fahrgäste, die zu den Stationen Stadtmitte, Feuersee, Schwabstraße, Universität und Österfeld gelangen wollen, müssen in dieser Zeit viel Geduld mitbringen. Ihnen bleibt nur der Umstieg auf Bus, Stadtbahn oder Fahrrad übrig. Eine direkte Verbindung zwischen Vaihingen und Hauptbahnhof (oben) bleibt allerdings erhalten. Die S-Bahnen werden - ohne Halt zwischen den beiden Stationen - weiterhin verkehren.

Bauarbeiten in der Stuttgarter S-Bahn: Warum wird der Innenstadttunnel gesperrt?

Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, gab es schon in den letzten Jahren immer wieder kleinere Modernisierungen an der Strecke, die vor allem nachts umgesetzt wurden. Da nun aber alle zwölf Weichen auf der Stammstrecke ersetzt werden, ist eine Vollsperrung nötig, so die Stuttgarter Zeitung weiter. Die aktuelle Modernisierung betrifft die Stationen von Hauptbahnhof tief bis Österfeld. Die Bahnsteige erhalten einen neuen Belag sowie die Wände neue Paneele. Decken und die Beleuchtung der unterirdischen Stationen werden ebenfalls modernisiert. Die Stationen Stadtmitte und Schwabstraße bekommen zudem ein taktiles Leitsystem für sehbeeinträchtigte Fahrgäste. Die Kosten der gesamten Modernisierung liegen bei 32 Millionen Euro.

Die Bauarbeiten haben auch Auswirkungen auf das Netz der Regionalbahnen und auf zahlreiche Fernzüge, denn diese können wegen der Streckensperrung den Stuttgarter Hauptbahnhof nicht anfahren. Fünf Gleise und damit rund ein Drittel der Kapazität im Kopfbahnhof zweigt die Bahn AG für den S-Bahn-Verkehr in der Region ab, um Umstiege zwischen den Schnellbahnen am oberirdischen Halt zu ermöglichen. Das führt dazu, dass Fern- und Regionalverkehrszüge verdrängt werden. Die S-Bahnen der Gäubahn etwa kommen so anstatt unterirdisch bis Mitte September oben im Kopfbahnhof an.

Die S 1 (Herrenberg–Kirchheim), S 15 (Herrenberg–Bietigheim-Bissingen) und die S 23 (Filderstadt–Backnang) nutzen eine Umleitung in Richtung Vaihingen. Im Hauptbahnhof starten und enden die Linien S 2, S 4, S 5 und S 6. Ab Ende 2021 bekommen die Stuttgarter S-Bahnen zudem ein neues Design: sie werden in Zukunft in einem hellen Grau durch den Hauptbahnhof Stuttgart und die Region fahren.

Modernisierung der Stammstrecke: Regionalbahnen betroffen

Die Bauarbeiten an der S-Bahn wirken sich im Regionalverkehr auf fünf Linien aus. Auf der Interregio-Linie (IRE6) zwischen Stuttgart und Aulendorf fallen die Züge zwischen Stuttgart und Tübingen aus. Als Ersatz dienen die Linie RE 12 und die Regionalbahn (RB) 18 von Abellio. Auf der Strecke Stuttgart–Würzburg (RE 8) beginnen und enden die Züge ihre Fahrt überwiegend in Bietigheim-Bissingen.

Die Bahn empfiehlt zwischen Stuttgart und Möckmühl die Linie RE 18 von Abellio. Auf der Linie RB 14a/b Stuttgart–Rottweil/Freudenstadt fahren zwischen Böblingen und Stuttgart überhaupt keine Züge. Die ­Regionalzüge enden zum Teil in Eutingen. Von dort aus pendeln Busse nach Freudenstadt. Die Linie RE 17b (Stuttgart–Bietigheim–Vaihingen (Enz)–Bretten–Heidelberg) von Abel­lio endet und beginnt in Bietigheim-Bissingen. Von dort aus ist ein Umstieg auf Regionalzüge und Busse möglich. Die Züge der RB 19 (Stuttgart–Backnang–Schwäbisch Hall-Hessental) starten und enden in Backnang.

Innenstadttunnel gesperrt: Ausfälle und Fahrplanänderungen auch für Fernzüge

Nicht nur der Regionalverkehr ist von den Maßnahmen betroffen, auch der Fernverkehr muss mit Einschränkungen rechnen. Die Züge der Linie 30 (Hamburg–Köln–Koblenz–Stuttgart) werden größtenteils nach Karlsruhe umgeleitet. Stuttgart und Vaihingen (Enz) werden gar nicht bedient. Die ICE-Linie 47 aus Dortmund über Köln und den Flughafen Frankfurt nach Stuttgart endet in Heidelberg. Von dort aus gelangen Passagiere mit einem IC-Anschluss von und nach Stuttgart. Die ICE-Linie 42 fährt alle zwei Stunden und bietet eine Verbindung zwischen Köln/Düsseldorf und Stuttgart. Letzter Halt ist München.

Für die IC-Linie 87 von Stuttgart über Singen nach Zürich wird Stuttgart-Vaihingen Start- und Zielbahnhof. Direktzüge (alle zwei Stunden nach Zürich) fallen aus, weil in den Sommerferien und auf Teilstrecken auch auf der Gäubahn gebaut wird. Auch dort kommt es somit zu Einschränkungen.

Auch die Bauarbeiten zu Stuttgart 21 sorgen immer wieder zu Problemen im Fahrplan. Elf Jahre nach Baubeginn sorgt das Megaprojekt S21 noch immer für Kontroversen.

Sperrung der S-Bahn-Strecke: Abokunden können Tickets zeitlich früher nutzen

Während der Sperrung der S-Bahn-Stammstrecke können Abokunden im Verkehrsverbund Stuttgart ihre Tickets eine halbe Stunde früher nutzen. Das 9-Uhr-Ticket und das 14-Uhr-Junior-Ticket gelten demnach von 8.30 Uhr an. Der Studierendenausweis gilt ab 17.30 Uhr als VVS-Ticket.

Die unentgeltliche Mitnahmeregelung beim Ticket-Plus beginnt außerdem montags bis freitags um 18.30 Uhr, am Freitag wird die netzweite Gültigkeit auf 18.30 Uhr vorgezogen. Für die Fahrradmitnahme muss von Montag bis Freitag von 6 bis 8.30 Uhr ein Kinderticket lösen.

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