Coronavirus nur eines der Probleme

Ende einer Ära: Metropol-Kino in Stuttgart schließt nach fast 100 Jahren

„Heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder keine Frage“ steht an einem Innenstadtkino in Stuttgart.
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Die Innenstadtkinos in Stuttgart mussten ihre Pforten wegen des Lockdowns erneut schließen - das Metropol-Kino allerdings für immer.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Wegen des Lockdowns müssen die Innenstadtkinos in Stuttgart erneut schließen - das Metropol sogar für immer. Mit dem Coronavirus hat das jedoch nur zum Teil zu tun.

Stuttgart - Für Stuttgart sind sie ein Stück Kulturgut: die Innenstadtkinos rund um die zehn Säle im Cinema, EM, Gloria und Metropol. Doch wie viele Branchen und Betriebe haben auch die beliebten Film-Spielstätten am Schlossplatz mit den Folgen des Coronavirus in Baden-Württemberg zu kämpfen.

Aufgrund der verschärften Corona-Regeln mussten alle vier Innenstadtkinos der Landeshauptstadt ihre Pforten am Montag für einen weiteren Monat in diesem Jahr schließen - eines von ihnen nun sogar für immer. Denn: Die Betreiber des Metropol kündigten zum 31. Dezember 2020 das Ende des Lichtspielhauses an. Die Rückbauarbeiten laufen bereits.

Innenstadtkinos in Stuttgart: Metropol muss nach fast 100 Jahren schließen

„Schweren Herzens müssen wir uns vom Metropol als Teil der Innenstadtkinos nach 20 Jahren trennen. Eine Entscheidung, die uns gewiss nicht leicht fällt“, schreiben die Betreiber auf ihrer Seite. Aufatmen können Fans der kultigen Lichtspielhäuser trotzdem, denn: „Die Innenstadtkinos, die dieses Jahr seit 70 Jahren bestehen, bleiben im ursprünglichen Kern mit dem Gloria, EM und Cinema im eigenen Gebäude im Marquardtbau erhalten“, so das Statement auf der Internetseite.

Erst im Jahr 2000 war das Metropol Teil der Innenstadtkinos geworden. Schuld an seinem Aus hat jedoch nicht ausschließlich die Ausbreitung des Coronavirus in Stuttgart, sondern ein allgemeiner Trend in der Branche. „Corona hat die Sachlage eindeutig verschärft“, wird Karin Fritz, die die EM-Filmtheater in bereits dritter Generation führt, von der Stuttgarter Zeitung (StZ) zitiert. „Aber die Wirtschaftlichkeit des Metropol war schon vorher nicht mehr gegeben. Die Zuschauerzahlen sind gesunken, 2018 um 18 Prozent, gleichzeitig sind die Nebenkosten gestiegen.“

Die Geschichte des Innenstadtkinos in Stuttgart reicht bis ins Jahr 1926 zurück, als der erste Ufa-Palast - das spätere Metropol - im alten Bahnhofsgebäude der Landeshauptstadt eröffnet wurde. Nach dem 2. Weltkrieg hatte der Großvater von Karin Fritz das zerstörte Marquardt-Gebäude gekauft und wiederhergestellt. Zwischen 1950 und 1956 etablierte er dort das EM, das Cinema und das Gloria.

Erst vor 20 Jahren kam auch das Metropol dazu, das zuvor bis 1997 Heimat der Palast-Lichtspiele gewesen war. Nachteil: Die Kinoräumlichkeiten befanden sich in einem anderen Gebäude und mussten daher angemietet werden - die Pachtgebühren wurden im Laufe der Jahre jedoch immer teurer. Bereits 2019 habe Karin Fritz daher laut Stuttgarter Zeitung mit dem Inhaber verhandelt - allerdings erfolglos. „Wir haben das hundertmal durchgerechnet und keine Lösung gefunden“, so die Geschäftsführerin der EM-Filmtheater.

Kinos in der Krise: Metropol in Stuttgart muss schließen - auch das Coronavirus hat Schuld

Eine Mitschuld tragen die Auswirkungen des Coronavirus in Baden-Württemberg dennoch am Aus des Metropol, wie Karin Fritz bestätigt: „Momentan wagt niemand mehr eine Prognose, wann sich das Leben wieder normalisiert und wie nachhaltig sich die Gewohnheiten der Menschen dann verändert haben werden.“

So wurden viele Blockbuster wie „James Bond“ bereits verschoben. Andere Filmverleiher wie Disney bieten ihre Produktionen zum Streamen an. Nun folgt auch noch ein zweiter Lockdown, obwohl Betreiber wie die Innenstadtkinos gezeigt hätten, „dass wir in der Krise Kino machen können“, so Karin Fritz gegenüber der Stuttgarter Zeitung, und weiter: „Wir haben von den Besuchern viel positives Feedback bekommen, dass sie sich bei uns sicher fühlen.“

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