Eröffnung eines Schnellladeparks

Neue Anlage in Stuttgart löst den größten Schmerz bei E-Autos - erste ihrer Art in Deutschland

  • Valentin Betz
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Die E-Mobilität nimmt immer stärker zu. Ein Problem der E-Autos sind bislang ausreichend Möglichkeiten zum Aufladen. Stuttgart schafft dafür jetzt Abhilfe.

Stuttgart - Die Elektromobilität wird auch in Deutschland langsam, aber stetig beliebter. In Baden-Württemberg gibt es einen E-Auto-Boom, die Zahlen haben sich zuletzt fast verdreifacht (BW24* berichtete). Die deutschen Fahrzeughersteller haben die Entwicklung der Technik lange verschlafen und noch ordentlich Nachholbedarf. Ein Ex-BMW-Manager beunruhigte die Angestellten von Daimler mit einer vernichtenden E-Auto-Prognose.* Demnach sei der Vorsprung von E-Auto-Hersteller Tesla auf Daimler inzwischen gewaltig.

Im Gegensatz zu Daimler setzt die Porsche AG künftig nicht ausschließlich auf Elektromobilität. Porsche arbeitet an einem völlig neuen Antrieb*, der weder elektrisch, noch mit Wasserstoff betrieben wird. Der Sportwagenhersteller aus Stuttgart* will mit E-Fuels punkten, die synthetisch mit sauberem Strom hergestellt werden können. Den neuen Kraftstoff können auch gegenwärtige Verbrennungsmotoren an der Tankstelle tanken, ohne Umrüstung.

Denn darin liegt bei der E-Mobilität noch ein großes Problem. Die Reichweiten sind noch deutlich geringer als bei Verbrennern, die nervöse Suche nach der nächsten Ladestationen zeigt häufig: In der Nähe sind keine verfügbar. Und wenn doch, dauert das Laden an einer normalen Säule mehrere Stunden. Die Stadt Stuttgart will diesen größten Schmerz von E-Autos jetzt lösen - mit dem ersten Schnelladepark in Deutschland.

Stuttgart kommt der Beliebtheit von E-Autos entgegen und baut die nötige Infrastruktur aus

Im Grunde genommen kann jeder E-Auto-Besitzer sein Fahrzeug an der heimischen Steckdose aufladen. Selbst manche Arbeitgeber bieten diese Möglichkeit. Allerdings dauert es an handelsüblichen Steckdosen auch einen halben bis vollen Arbeitstag, um die Batterie von E-Autos wieder vollständig zu laden. Da muss man schon sehr vorausschauend unterwegs sein. Spezielle Schnellladestationen ermöglichen es aber, die Batterie in wenigen Minuten wieder „vollzutanken“.

Schnellladepark für E-Autos: In Baden-Württemberg sollen bis nächstes Jahr noch 15 weitere Parks für die E-Mobilität folgen.

Das Land Baden-Württemberg hat deshalb den Bau eines ganzen Schnellladeparks im Zentrum von Stuttgart gefördert, der am vergangenen Freitag offiziell in Betrieb genommen wurde. Laut Staatsministerium ist der Park in der Keplerstraße die erste öffentliche Anlage dieser Art in ganz Deutschland. Mit dem Park werde die Ladeinfrastruktur für E-Autos zu einem Teil des Stadtbilds und zugleich zu einem Stück Alltag, sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann laut dpa bei der Eröffnung.

Ladepark für E-Autos in Stuttgart erst der Anfang - weitere sollen in Baden-Württemberg folgen

Auch Verkehrsminister Winfried Hermann und EnBW-Chef Frank Mastiaux nahmen an der Eröffnung des Schnellladeparks für E-Autos teil. Die EnBW betreibt in ganz Deutschland „Urbane Schnellladeparks“, bis 2021 soll das Netz an Ladestationen auf etwa 1.000 Standorte anwachsen. Auf den Südwesten entfallen davon in diesem und im nächsten Jahr 15 weitere Parks. Der Schnellladepark im Zentrum von Stuttgart kostete insgesamt gut neun Millionen Euro, ein Drittel davon zahlte das Land Baden-Württemberg.

Die Zahl der klassischen Tankstellen für Verbrennungsmotoren ist seit Jahren rückläufig. Laut ADAC gab es 2018 in ganz Deutschland noch etwa 14.000 Tankstellen. 1969 waren es allein in Westdeutschland noch über 46.000 gewesen. Im Jahr 2019 zählte der ADAC hingegen rund 18.000 Ladesäulen für E-Autos.

Die genaue Zahl ist aber schwer zu bestimmen, da nicht jeder Anbieter seinen Ladepunkt bei den Behörden meldet. Außerdem kann nicht jeder E-Auto-Besitzer an einer beliebigen Ladestation Strom tanken. Je nach Anbieter braucht man dafür spezielle Apps oder Ladekarten. (*BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks)

Rubriklistenbild: © Carsten Rehder/dpa

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