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„Stuttgart ist ein stinkendes, schmutziges Loch geworden“ - vernichtendes Urteil für die Innenstadt

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Von: Nadja Pohr

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Ein voller Abfallkorb am Schlossplatz Stuttgart
Erreichbarkeit, Sicherheit und Sauberkeit sind nach der Ansicht von Gastronomie, Handel und Bürgern die größten Probleme der Stuttgarter Innenstadt. © Arnulf Hettrich/IMAGO

Stuttgart ist auf der Suche nach Lösungen, um die Innenstadt wieder attraktiver zu machen. Gastronomie, Handel und Bürger äußern, welche Probleme sie sehen.

Stuttgart - Die Stadt Stuttgart versucht derzeit alles, um die Innenstadt wieder attraktiver zu machen. Nach den Ausschreitungen im Juni 2020 hat nicht nur das Image, sondern auch die Sicherheit im Herzen der Landeshauptstadt gelitten. Aber auch das Coronavirus in Baden-Württemberg hat der Innenstadt zugesetzt.

„Unsere Innenstädte erleben eine beispiellose Transformation: Zwei Jahre Pandemie, Digitalisierung, Online-Versandhandel oder Wohnraummangel verlangen neue Ideen und neue Konzepte“, sagt Erik Schweickert, einzelhandelspolitischer Sprecher der FDP/DVP-Landtagsfraktion. Die Landespolitik in Baden-Württemberg möchte die Stadt Stuttgart bei der Verbesserungs- und Lösungssuche nun unterstützen und sich bei Gastronomie und Handel nach den Problemen umhören. Das Urteil für die Innenstadt fällt allerdings hart aus.

Stuttgarts Innenstadt: Gastronomie und Handel sprechen offen über Probleme

Verschiedene Vertreter der Gastronomie und der Kultur in Stuttgart haben gegenüber Landespolitiker Schweickert ganz direkt die Probleme der Stadt angesprochen. Ein massiver Kritikpunkt: die Erreichbarkeit der Innenstadt. „Wir merken, dass viele Leute nicht mehr in die Stadt kommen“, berichtet Joachim Aisenbrey, der Breuniger-Geschäftsführer, in der Stuttgarter Zeitung. „Das Kernproblem ist: Wir haben den öffentlichen Raum aufgegeben – an die randalierenden Gruppen.“

Der zweite wichtige Aspekt aus Sicht der Vertreter ist die Sicherheit in Stuttgart. „Viele Gäste wollten gerne in die Stadt kommen, sehen dann aber davon ab, weil sie sagen, dass die Prachtmeile gettoisiert und eine Verrohung der Kultur stattfindet“, erklärt Dennis Shipley vom Restaurant Alte Kanzlei. Die Innenstadt sei nach der Krawallnacht für viele ein Unsicherheitsraum geblieben, bekräftigt Theater-Intendant Axel Preuß. Die Politik in Stuttgart hat bereits erste Schritte unternommen und will unter anderem mit einer Waffenverbotszone für höhere Sicherheit sorgen.

Als letzter Problempunkt wird die Verkehrsstrategie der Landespolitik aufgeführt. Mit Tempo-20-Zonen rund um die Innenstadt plante die Verwaltung eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität für Radfahrer und Fußgänger. Bürger kritisierten jedoch bereits, dass das nicht gut wäre. „Wir brauchen vergünstigten ÖPNV, mehr Park&Ride-Parkplätze und eine Gleichbehandlung von Rad-, Fuß- und Autoverkehr“, sagt Marjoke Breuning, IHK-Präsidentin und Inhaberin von Maute und Benger, dazu.

Stuttgarter kritisieren Erreichbarkeit und Sicherheit der Innenstadt

In den sozialen Medien sehen auch die Stuttgarter die zwei Hauptprobleme bei der Erreichbarkeit und Sicherheit der Innenstadt. „Kommt davon, wenn man die Menschen vergrault, die in die Stadt fahren möchten“, kritisiert ein User beispielsweise. Ihm zufolge richte sich Stuttgart nur noch auf Radfahrer aus. Ein anderer Nutzer beschwert sich, dass man sich durch viele Baustellen und Staus kämpfen müsse, um in die Innenstadt zu gelangen. Für ihn sei Stuttgart deshalb eine „No-Go-Area“. Viele bestätigen auch, dass sie die Innenstadt aufgrund vieler Problemorte meiden würden.

Außerdem wird die Sauberkeit der Stadt bemängelt. „Es gibt soviel Schmutz und unvorstellbare Stellen mitten in der Innenstadt -grausam“, schreibt eine Nutzerin. Man habe überhaupt keine Lust, dort zu verweilen, findet ein weiterer. „Es war eine sehr schöne Stadt. Jetzt ist es ein stinkendes, schmutziges Loch geworden“, lautet das vernichtende Fazit eines Users.

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