Umgestaltung

Stuttgarter Innenstadt soll autofrei werden - 350 Parkplätze werden dafür beseitigt

Eine belebte Straße in Stuttgart.
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Die Stuttgarter Innenstadt soll attraktiver gestaltet werden. Autos sollen aus dem Stadtbild verschwinden, mit ihnen auch 350 Stellplätze.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Die Innenstadt von Stuttgart soll schrittweise umgebaut und damit schöner werden. Den Plänen fallen allerdings auch hunderte Stellplätze zum Opfer.

Stuttgart - Die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg ist die Autostadt schlechthin. Stuttgart wird automatisch mit der Daimler AG und der Porsche AG in Verbindung gebracht. In einer Stadt, in der die Automobilbranche so eine große Rolle spielt, macht die aktuelle Entscheidung des Stuttgarter Stadtrats im ersten Moment stutzig: 350 Stellplätze sollen in der Innenstadt abgeschafft werden. Doch dafür hat die Stadt im Kessel einen guten Grund: Stuttgart soll aufpoliert werden.

Schrittweise soll die Innenstadt daher umgebaut werden. Dafür müssen unter anderem Stellplätze weichen. Doch nicht alle Mitglieder der Stadtverwaltung sind von dem Vorhaben überzeugt.

Stuttgarter Cityring: Stellplätze sollen Bäumen und Sitzgelegenheiten weichen

Die Königsstraße in Stuttgart ist die Hauptgeschäftsstraße der Landeshauptstadt. Die Einkaufsstraße führt an großen Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbei, wie etwa dem Schlossplatz. Hier reiht sich Geschäft an Geschäft. Ein Lego-Laden öffnete in Stuttgart dieses Jahr. Autos sind in der Königsstraße keine erlaubt, lediglich Lieferanten der Geschäfte dürfen die Fußgängerzone befahren. Ein ähnliches Konzept will die Stadt auch in anderen Teilen der Innenstadt umsetzen. Schritt für Schritt sollen die verschiedenen Bereiche autofrei werden, schreibt die Stuttgarter Zeitung.

Der Plan: Bis 2025 sollen weite Teile der Innenstadt dementsprechend umgebaut werden. So werden etwa Fahrspuren und Bürgersteige entfallen. Insgesamt sind von den Umbauten 14 einzelne Straßenzüge betroffen. Von der Lautenschlagerstraße und Bolzstraße über die Dorotheenstraße, Gerber- und Christophstraße bis zur Gymnasiumstraße sollen die Änderungen eingeführt werden, so die Stuttgarter Zeitung.

Das Dortmunder Planungsbüro Planersocietät hat hierfür ein Konzept entwickelt. So soll etwa in der Innenstadt ein Tempolimit von 20 Kilometern pro Stunde eingeführt und versenkbare Poller installiert werden. Bereits seit geraumer Zeit herrscht in der Stuttgarter Innenstadt ein Tempolimit von 40 Kilometern pro Stunde, das auch auf die Außenbezirke ausgeweitet werden könnte. Eine Entscheidung trifft bei vielen im Stadtrat allerdings auf Unbehagen: 350 oberirdische Stellplätze im Cityring würden durch die Umbauten verschwinden. Anstatt der Parkplätze sollen künftig Bäume, Sitzgelegenheiten und Außengastronomie das Straßenbild prägen.

Autofreie Innenstadt: Stuttgarts OB zeigt sich skeptisch

Ausgerechnet Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) zeigte sich von den Plänen zum Abbau der Stellplätze wenig begeistert. In einer Pressemitteilung ließ er ausrichten: „Wenn wir auch in Zukunft eine florierende Innenstadt haben wollen, können wir neben einer guten Anbindung an den ÖPNV und guten Angeboten für den Fahrradverkehr auf Parkmöglichkeiten in Parkhäusern nicht verzichten.“ Bei der entscheidenden Sitzung fehlte der OB allerdings. Zum Unmut vieler seiner Kollegen. „Der OB sollte sich der Debatte stellen, wenn er schon Pressemitteilungen zu unseren Anträgen verschickt“, kritisierte Luigi Pantisano vom Linksbündnis.

Der Abbau der Stellplätze wird trotz Bedenken mancher Mitglieder nun dennoch kommen. Noch ein Punkt spricht dafür: Es gibt ein Überangebot an Parkplätzen. Die rund 10 .500 Stellplätze in den Parkgaragen entlang des Cityrings seien selbst in Spitzenzeiten, etwa am Wochenende, nicht ausgelastet. Diese „Überkapazitäten“ wolle man nun abbauen, so  Martin Körner (SPD). Immer mehr bewegen sich in Stuttgart auch mit E-Rollern fort. E-Scooter sind aber völlig überflüssig, findet unser Redakteur.

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