1. bw24
  2. Stuttgart

Stuttgarts OB will mit Auto-Offensive die Innenstadt retten

Erstellt:

Von: Nadja Pohr

Kommentare

Fotomontage von Autos in Stuttgart und Oberbürgermeister Frank Nopper
Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper will die Innenstadt durch eine bessere Erreichbarkeit retten. © Fotomontage BW24/dpa/Sebastian Gollnow/IMAGO/Arnulf Hettrich

Die Stuttgarter Innenstadt soll wieder attraktiver werden. Oberbürgermeister Frank Nopper sieht die Lösung in einem besseren Angebot für Autos in der Stadt. Diese Ansicht teilen einige Stuttgarter jedoch nicht.

Stuttgart - Der Verkehr in Stuttgart ist immer wieder Streitthema in der Politik und bei den Bürgern. Im Zentrum der Diskussionen steht dabei auch die Situation rund um die Innenstadt. Die Stuttgarter kritisieren, dass die City für Fußgänger und Radfahrer aufgrund der zahlreichen Autos ein reinster Graus wäre. Die Stadtverwaltung reagierte darauf mit dem Vorschlag einer Tempo-20-Zone rund um die Innenstadt - und zog damit jedoch den Ärger der Autofahrer auf sich.

Vor dem Hintergrund zwei wichtiger Aspekte will und muss die Politik in Stuttgart an der Verkehrssituation etwas ändern. Zum einen soll immerhin die Verkehrswende in Baden-Württemberg vorangetrieben werden. Auf der anderen Seite leidet die Stuttgarter Innenstadt. Einzelhändler und Gastronomen klagen nach unter anderem zwei Jahren Corona-Pandemie über ausbleibende Kundschaft und fordern, die Innenstadt wieder mit neuen Ideen und Konzepten attraktiver zu machen. Nach dem vierten City-Gipfel in Stuttgart präsentierte Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) nun seine Vorstellungen dazu im Netz.

Stuttgarts OB will Innenstadt für Autos noch attraktiver machen, um sie zu retten

Bereits seit Ende Juli setzt sich eine Delegation bestehend aus Stuttgarts OB, seinen Bürgermeistern, der Wirtschaftsförderung, der Industrie- und Handelskammer (IHK), dem Handelsverband und Vertretern aus Kultur, Gastronomie sowie des Handels mit der Zukunft der Innenstadt auseinander. Das Thema des vierten Stuttgarter City-Gipfels war offenbar nun deren Zugang. „Um den stationären Handel in der Innenstadt zu erhalten, brauchen wir eine gute Erreichbarkeit der Stuttgarter City mit allen Verkehrsmitteln – mit dem ÖPNV, mit dem Fahrrad, zu Fuß, aber gerade auch mit dem Automobil“, teilte Nopper seine Meinung bei Facebook und Instagram.

Das Stadtoberhaupt argumentierte, dass man ohne Erreichbarkeit mit dem Pkw Besucher in der Stadt an die Outlet- und Einkaufscenter in Metzingen, Sindelfingen oder etwa auf dem Tammer Feld verlieren werde. Jüngst wurde zudem beschlossen, dass innerhalb Stuttgarts der Ausbau der Ladestruktur vorangetrieben und somit oberirdische Stellplätze für Verbrenner reduziert werden sollen. Auch dem will Nopper entgegenwirken und kündigte an, „dass die Parkplätze in den öffentlichen Parkhäusern nicht reduziert werden.“ Es müsse zudem noch attraktiver werden, die Park & Ride-Parkhäuser in den Außenbezirken zu nutzen und mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln in die Innenstadt zu kommen, schreibt der OB in seinem Beitrag.

Stuttgarter reagieren mit Kritik auf Noppers Vorschlag - „Wie zynisch kann man reden“

Einige Bürger teilen die Ansichten von OB Frank Nopper nicht. „Wie zynisch kann man reden, in einer Stadt, die einer Autowüste gleicht und in der es nicht mal möglich ist, den Bahnhof mit dem Fahrrad zu erreichen?“, ärgert sich beispielsweise ein Stuttgarter in den Kommentaren. „Probleme, die nicht existieren und für die der OB Lösungen fordert“, schreibt ein Twitter-User und ergänzt „Ob er schon mal in Stuttgart war, frage ich euch.“ Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Stuttgart (ADFC) findet den Vorschlag „seltsam“. „Wir gehen davon aus, dass die Stadt an ihren selbst gesteckten Zielen, insbesondere an der Stärkung von Fuß- und Radverkehrs festhalten will“, teilt der Verkehrsclub mit.

Andere Stuttgarter finden die Idee jedoch richtig. „Man will nicht mehr nach Stuttgart. Schon gar nicht mit dem Auto“, bestätigt ein Twitter-User. „Leider ist das notwendig. Der ÖPNV könnte viel attraktiver sein, wenn es nicht auf Stuttgarter Stadtgebiet Bereiche gäbe, die nur umständlich an die Innenstadt angebunden sind oder die nächste Haltestelle kilometerweit entfernt ist“, schreibt ein weiterer Nutzer. „Niemand kommt gern in die Stadt und möchte die vollen Taschen zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln heimschleppen. Damit macht sich die Stadt unattraktiv“, kommentiert ein User.

Während die Politik diskutiert und nach Lösungen sucht, versinken die Händler in der Innenstadt durch die Energiekrise in neuen Problemen. Einige denken bereits darüber nach, die Öffnungszeiten zu verkürzen, was wiederum erneut der Attraktivität schade. Die Situation bleibt also angespannt.

Auch interessant

Kommentare